Tatort Folge 1105: Angriff auf Wache 08



So 20.10. 20:15 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2019
Kommissar: Murot
Ort: Tatort Wiesbaden


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Tatort Folge 1105: Angriff auf Wache 08 0 0

Der LKA-Beamte Felix Murot, seit dem ersten Tatort-Einsatz im Jahr 2010 („Wie einst Lilly“, Tatort-Folge 781) von Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur verkörpert, geht in die achte Runde. Diese Krimiproduktionen des Hessischen Rundfunks sind in der Regel deutlich experimenteller als jene, die für gewöhnlich unter dem Label Tatort für das Mutterschiff ARD in Szene gesetzt werden. So auch der – vermeintlich vollkommen unbegründete – „Angriff auf Wache 08“.

Die verfilmte schwerbewaffnete Attacke auf eine stillgelegte Polizeidienststelle irgendwo im Nirgendwo, es handelt sich dabei um Tatort-Folge Nummer 1105, erinnert ein wenig an Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ aus dem Jahr 2016, viel mehr noch an den alten Action-Thriller „Assault – Anschlag bei Nacht“. Ein Kultwerk von Regisseur John Carpenter („Halloween“, „Christine“ nach dem gleichnamigen Roman aus der Feder Stephen Kings) von 1976.

Der etwas andere Tukur-Tatort aus Wiesbaden wird am Sonntag, den 20. Oktober 2019 um 20.15 Uhr in Das Erste erstmalig gesendet. Seine Premiere vor Publikum erlebte der Kriminalfilm bereits am 24. August 2019 im Rahmen des Festivals des Deutschen Films.

Inhalt der Tatort-Folge „Angriff auf Wache 08“

Die Geschichte beginnt mit einem im Grunde sehr schönen, feierlichen Augenblick:
Der vielbeschäftigte Hauptkommissar Murot vom LKA Wiesbaden hat Urlaub. Endlich. Und dieses Mal – wehe einem Störenfried! – will der Ermittler ausspannen und für einige Tage nichts von der Arbeit wissen.

Gut gelaunt, mit einem Evergreen auf den trällernden Lippen, sitzt der Kriminalist also in seinem Wagen und düst hinaus in die Natur. Er durchquert Offenbach, lässt die letzten Häuser hinter sich und findet sich schließlich zwischen güldenen hochgewachsenen Kornfeldern wieder. Sachte wehen die Ähren im heißen Sommerwind; die Dreißig-Grad-Marke ist seit Tagen geknackt. Aus dem Autoradio schallt die Stimme des überdrehten Moderators Ecki (übrigens gespielt vom Drehbuchautor dieser Tatort-Episode, Clemens Meyer!), der einen Hit nach dem nächsten ankündigt. Murot ist die gewöhnungsbedürftige Satzmelodie des DJs heute ausnahmsweise egal. Er lächelt milde, anstatt sich aufzuregen.

Da klingelt das in die Jahre gekommene Klapphandy, das auf dem Beifahrersitz Platz genommen hat. Magda Wächter, Murots Assistentin aus dem Büro, ist am Apparat. Sie spricht aufgeregt, gab es doch drei Tote in einem missglückten Razzia-Einsatz, dessen Klärung nun in die Zuständigkeit des Landeskriminalamts fällt. Der Kommissar lässt sich nicht beirren und wimmelt Wächter ab. Nein, dieses Mal gibt er nicht nach, zumal er jeden Moment an seinem Ziel eintreffen muss: der Wache 08, mitten in der Pampa.

Vor Jahren schon wurde die kleine Dienststelle nahe Offenbach zu einem Polizeimuseum umfunktioniert. Alte Funkgeräte, verstaubte Uniformen und verblichene Fotos zeugen von der Arbeit, die hier jahrzehntelang täglich stattfand. Bald soll die Stelle endgültig geschlossen werden. Bis dahin lotsen zwei tapfere Beamte Schulklassen in unregelmäßigen Abständen durch die Räumlichkeiten: Der Streifenpolizist Walter Brenner, ein früherer BKA-Kollege von Murot, und seine jüngere Kollegin Cynthia Roth.

Brenner und Murot umarmen sich herzlich, als sie einander nach so langer Zeit wiedersehen. Die beiden Männer und Roth stutzen, als plötzlich ein Gefangenentransporter mit Frankfurter Kennzeichen auf das asphaltierte Gelände rollt. Der Wagen hat offenbar einen Platten. Im Sprinter sitzen sechs Häftlinge, die verlegt werden sollen; drei Justizbeamte sind im Tatort „Angriff auf Wache 08“ für die Überführung der Männer verantwortlich. Gerne bieten die unterbeschäftigten Beamten der Dienststelle ihre Hilfe an, als ein Mädchen in das Gebäude rennt. Schwer atmend, schwitzend, im geblümten Sommerkleidchen steht sie vor den Ermittlern – und trägt eine Pistole in der rechten Hand.

Ansprechbar ist der Teenager zunächst nicht. Die Polizistin Roth kümmert sich um die traumatisierte Jenny, die – wie die Gruppe später erfährt – gerade ihren Vater verloren hat: An einem verlassenen Eisstand am Rande Offenbachs wurde er grundlos über den Haufen geschossen, aus einer vorbeifahrenden schwarzen Limousine heraus. Nur mit Mühe konnte Jenny entkommen und den Attentäter mit einem beim ermordeten Eisverkäufer entdeckten Schusswaffe töten. Danach rannte sie um ihr Leben, ziellos in Richtung Landstraße.

Was geht hier vor? Ein Krankenwagen muss her. Als Brenner den Telefonhörer abhebt, ist die Leitung tot. Glas klirrt, Papier fliegt durch die Luft. Jemand schießt auf den Flachbau! Die Attackierten gehen in Deckung, verschanzen sich hinter Möbeln, kauern unter den Fenstern. Roth wird von einem Scharfschützen am Gesäß getroffen, dank einer großen Portion Glück wird die Kugel durch das Handy in der Hosentasche bei ihrem Aufprall abgelenkt und dringt nicht tief in das Fleisch ein. Doch was ist mit den Gefangenen und dem Schließer Frank, die noch immer im Transporter festsitzen – leben sie überhaupt noch?

Drei von ihnen haben den ersten Angriff auf die Wache 08 überstanden: der Justizbeamte und zwei der Kriminellen. Einer von ihnen ist ausgerechnet der „Hannibal Lector“ Rüdiger Kermann, ein bekanntes Gesicht für Murot, der andere ein muskelbepackter stummer Hüne, mit dem kaum zu spaßen ist. Der Gruppe bleibt nichts anderes übrig, als zusammenzuarbeiten und sich gemeinsam eine Strategie zu überlegen, wie sie den schwerbewaffneten Angriff mit paramilitärischem Waffenaufgebot auf die ausgediente Polizeidienststelle überleben können: Kann die Flucht über die alten Abwasserkanäle gelingen, sobald die erwartete Sonnenfinsternis den Himmel verdunkelt?


Der HR-Tatort „Angriff auf Wache 08“ birgt Anleihen aus diversen Klassikern der Filmgeschichte: „Rio Bravo“, ein Western von 1959 mit John Wayne in der Hauptrolle, „Assault – Anschlag bei Nacht“, dessen Neuverfilmung aus 2005 „Das Ende – Assault on Precinct 13“ und sogar „Nummer 5 lebt!“, ein viel beachteter Sci-fi-Film aus der Traumfabrik Hollywood von 1986.

Wer den achten Murot-Tatort konsumiert, muss die genannten Vorlagen gewiss nicht kennen, um die Story des Krimis zu verstehen. Kenner und Cineasten werden sich allerdings köstlich über die Bezüge amüsieren. Außerdem sollte man beim Schauen grundsätzlich nicht der Versuchung nachgeben, den Zeigerfinger der Political Correctness zu erheben: Kritische Aussagen („Wenn sich der Abschaum der Welt zusammenrottet, dann Gnade uns Gott!“, „Da war die Welt noch in Ordnung, da gab’s wenigstens noch richtige Terroristen.“) und die Tatsache, dass die größtenteils gesichtslosen Angreifer offenbar türkischer und arabischer Herkunft sind, sollten keine Rolle spielen, um die Qualität dieses erneut mutigen Machwerks des Hessischen Rundfunks zu beurteilen. Spannend ist vor allem die Frage: Wie gelingt es den Belagerten ohne Kommunikationsmöglichkeiten nach draußen über Polizeifunk, Festnetztelefon, Handy oder einen Internetzugang, den Angreifern zu entkommen?

Der verantwortliche Regisseur des 1105. Tatorts ist Thomas Stuber, der gemeinsam mit Clemens Meyer zudem das Skript verfasst hat. „Angriff auf Wache 08“ ist Stubers Tatort-Debüt. Die Filmarbeiten zum TV-Krimi aus Hessen dauerten vom 9. August bis 13. September 2018 und fanden in Frankfurt und Umgebung statt.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (39 J. | Kinoliebhaberin)

Wunderbar, diese Begegnung der anderen Art! Ich bin und bleibe Fan von Felix Murots bizarren Abenteuern in der oftmals allzu trostlosen 0815-Tatort-Sphäre. Ein starkes Ensemble, etliche Filmzitate und der abwechslungsreiche Score bilden ein rundes Ganzes. Wichtige Bedingung für den gelungenen Genuss: Keine Fragen. Vier Sterne.

Gerald (39 J. | IT-Nerd)

Puh, da hat der Hessische Rundfunk sich mal wieder weit aus dem Fenster gelehnt, da ist nur der MDR mit Dorn und Lessing noch außergewöhnlicher. Ich habe mich erst gut unterhalten gefühlt weil ich wissen wollte, wer die Täter sind und wie die Gefangenen aus der Wache entkommen bzw. wer es nicht schafft. Leider bleibt vieles unaufgeklärt, da konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Schade, sonst gute Idee, von mir gibt es abgerundet zwei Sterne.

Musik im Tatort

The Temptations – „My girl“
Albert Hammond – „It never rains in Southern California”
The Turtles – „Happy together”
London Symphony Orchestra mit dem Dirigenten Gennadi Nikolajewitsch Roschdestwenski – „Intermezzo” (Karelia Suite, Op. 11)
Walker Brothers – „The sun ain’t gonna shine anymore”
Truck Stop – „Take it easy, altes Haus”
The Doors – „The end”
Bert Wrede – „When Johnny comes marching home”
Diana Ross – „Upside down”
The Lovin‘ Spoonful – „Coconut Grove”
Schauspieler Peter Kurth im Film – „(I was born under a) Wand’rin star”

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Felix Murot – Ulrich Tukur
Assistentin Magda Wächter – Barbara Philipp
Streifenpolizist Walter Brenner – Peter Kurth
Streifenpolizistin Cynthia Roth – Christina Große
Häftling Rüdiger Kermann – Thomas Schmauser
Häftling Charly – Vito Pirbazari
Schließer Jörg – Uwe Bohm
Schließer Frank – Andreas Schröders
Schließer Manfred – Sascha Nathan
Radio-Moderator Ecki – Clemens Meyer
Mädchen Jenny Sibelius – Paula Hartmann
Jennys Vater Leonard Sibelius – Peter Moltzen
Streifenpolizist – Jürgen Rißmann
Robin G. – Micky Jukovic
Ahmed – Milad Klein
Attentäter Kalle – Liliom Lewald
Attentäter Draco – Neven Pilipovic
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Clemens Meyer, Thomas Stuber
Regie – Thomas Stuber
Kamera – Nikolai von Graevenitz
Szenenbild – Manfred Döring
Schnitt – Stefan Blau
Musik – Bert Wrede

Trailer zur Tatort-Produktion



Bilder-Galerie zum Krimi aus Wiesbaden


1 Meinung zum Tatort Folge 1105: Angriff auf Wache 08

  • The_other_kind • am 17.10.19 um 22:14 Uhr

    Da bin ich ja ma echt gespannt,
    find die bisherigen Murot Teile auf ihre Art schon ziemlich genial,
    eben weil sie so anders sind als alles übrige.
    Hab mir eben den Plot durchgelesen….und mir kam da „sofort“ ne
    Doppelfolge von ner ZDF Soko…ich glaub es war Stuttgart,bin ich mir abba getz echt nich sicher,die ich vor ca. 2-3 Jahren gesehen hab in den Sinn.
    Hat einfach wirklich ungeheuer viele Parralelen von der Story her,
    wirklich irre viele!!!
    Werd mir den Spaß mal einverleiben und abwarten was das so werden wird…die SOKO Folge war auch ganz anders als sonst üblich…
    nämlich SPITZE!


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