Tatort Folge 1030: Hardcore



So 08.10. 20:15 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2017
Kommissar: Batic und Leitmayr
Ort: Tatort München


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Tatort Folge 1030: Hardcore 0 0

Der Münchner Tatort „Hardcore“ wirft einen Blick hinter die Kulissen der deutschen Pornobranche (die zweit größte weltweit!), zeigt, dass die goldenen Jahre dieses Industriezweigs längst vergangen sind. Nicht nur die Darstellerinnen und Darsteller, auch die Produzenten können von den Einnahmen kaum mehr überleben, Existenzängste und soziale Ausgrenzungen gehören zu ihrem Alltag. Zwischen Gesundheitszeugnissen und Dreharbeiten in Wohnzimmern ermitteln die Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) – und sie staunen nicht schlecht über die sexuellen Vorlieben vieler ihrer Mitmenschen. Indessen hat Assistent „Kalli“ einen echten Run und emanzipiert sich im Fall „Hardcore“ als wertvolles Mitglied des Ermittlungsteams der Kripo München.

Der „Porno-Tatort“ – wir sehen die BILD-Schlagzeile bereits von unseren geistigen Augen – wird am Sonntag, den 8. Oktober 2017, wie immer um 20:15 Uhr im Ersten Programm der ARD erstausgestrahlt.

Inhalt der Tatort-Folge „Hardcore“

Lassen Sie uns mit einem Zitat von Philip Koch beginnen: „ ‚Hardcore‘ soll einen authentischen, ehrlichen und schonungslos unverblümten Blick in diese Branche und ihre Menschen werfen, die mit unzähligen Klischees und Vorurteilen behaftet ist. Mit diesen Klischees soll aufgeräumt werden.“

Koch, der Regisseur und zugleich Drehbuchautor des 77. Münchner Tatorts mit dem Duo Leitmayr und Batic, arbeitet in seiner zweiten Tatort-Inszenierung „Hardcore“ die Pornobranche ab. Bei der Produktion von „Der Tod ist unser ganzes Leben“ (Tatort-Folge 1021) im Herbst 2016 lernte er die zwei Hauptdarsteller Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl bereits kennen, das erleichterte sicher die Zusammenarbeit bei dem neuen Thema, das für die Öffentlich-Rechtlichen einerseits unverblümt, andererseits zurückhaltend genug für die Freiwillige Selbstkontrolle (der Tatort hat in der Regel FSK 12) umgesetzt werden musste.

Dennoch werden in den knapp 88 Minuten Spielzeit von „Hardcore“ viel nackte Haut gezeigt und auch sexuelle Handlungen nicht tabuisiert. Sehr klar ist außerdem die Sprache dieses Tatorts: es wird gevögelt, gefickt, gewichst, Darstellerinnen werden als Fotzen bezeichnet. Cumshots und Bukkake, DP und ATM sind in der Pornobranche geläufige Vokabeln, die sich Franz und Ivo erst einmal aneignen müssen, um die Befragungen der im Fall Beteiligten angemessen durchführen zu können.

Der Krimi behandelt neben der Aufklärung des Mordfalls die persönlichen Geschichten der Porno-Produzenten, die zuletzt in den 70er und 80er Jahren tatsächlich gutes Geld mit ihren „Schmuddelfilmen“ verdienten, und heute nicht wissen, wie sie damit die nächste Miete bezahlen sollen. Der Internetboom setzte der Branche ordentlich zu. Ähnlich ergeht es den Porno-Sternchen und Laiendarstellern, die eher aus eigener Lust und Neigung heraus vor der Kamera agieren, als aus rein wirtschaftlichem Denken: hauptberuflich arbeiten sie alle in konventionellen Berufen; sie sind häufig im Mittelstand zu finden – konsumiert werden Pornos übrigens durch alle Gesellschaftsschichten hindurch. Es sind Lehrer, Pädagogen, Pfleger, Apotheker, die ihre Bedürfnisse vor der Kamera ausleben: meist alles Amateure. Sie leben immer mit der Gefahr, erkannt zu werden, sie riskieren dabei ihr gesellschaftliches Ansehen, ihre Reputation, ihren Job. Für den Kick, selten für das Geld.
 

Zum Inhalt:
München, Innenstadt. Ein leer stehender, weiß gestrichener Studioraum mit hohen Decken wird zum Tatort. Nach einem wilden Hardcore-Pornodreh in den Geschäftsraumen wird die 25-jährige Darstellerin Marie Wagner – Künstlername „Luna Pink“ – erdrosselt aufgefunden. Nur wenige Meter von der Leiche entfernt steht noch das kleine Planschbecken, gefüllt mit übel riechenden, undefinierbaren Sekreten, das für die Gruppensexorgie am Vorabend benutzt wurde. „Riecht wie bei uns auf dem Herrenklo“, konstatiert Hauptkommissar Ivo Batic entgeistert.

Der junge Karl-Heinz „Kalli“ Hammermann, der ebenfalls vor Ort ist, klärt seine Vorgesetzten Batic und Leitmayr über den aktuellen Ermittlungsstand auf. Als der Mieter des Studios eintrifft, der Porno-Produzent Olli Hauer, will der vom Tod seiner gebuchten Hauptdarstellerin nichts wissen. Er händigt den Kriminalbeamten die Gesundheitschecks aller Darsteller sowie das am Vorabend gedrehte Filmmaterial aus. Praktisch, denken die Ermittler, im Film könnte der gesuchte Mörder zu sehen sein.

Assistent Hammermann übernimmt im Fall „Hardcore“ die Aufgabe, die sichergestellten Materialien zusammen mit Ritschy Semmler im Kommissariat zu sichten. Ivo Batic und Franz Leitmayr führen in der Zwischenzeit die Vernehmungen in Maria Wagners beruflichem und privatem Umfeld durch und informieren ihre Eltern – die jedoch bis dato nichts von dem delikaten Nebenjob ihrer Tochter wussten. Der Vater ist ausgerechnet der renommierte Münchner Oberstaatsanwalt Kysela: nicht auszudenken, was geschieht, wenn die Presse einen Zusammenhang zwischen ihm und der ermordeten Hardcore-Darstellerin „Luna Pink“ findet und breit tritt!

Währenddessen liefert der Abgleich der Anmeldebögen der Laiendarsteller mit dem Rohmaterial des Gangbang-Videos Überraschendes zu Tage: 25 Personen waren im Vorfeld für die Filmaufnahmen angemeldet, aber 26 sind letztlich im Porno zu sehen. Die Zuordnung der Namen zu den einzelnen Personen im Film und damit deren Identifizierung erweisen sich jedoch als äußerst schwierig, denn beim Dreh waren alle männlichen Teilnehmer maskiert.

Die beiden Hauptkommissare Batic und Leitmayr befragen Stella Harms, eine junge Familienmutter und Freundin der verstorbenen Marie. Sie hatte das Opfer kurz vor dem Pornodreh noch auf dem Handy kontaktiert. Stella, die geschockt ist vom Tod Maries, verteidigt deren sexuellen Neigungen und gibt zu, selbst einmal in der Branche tätig gewesen zu sein. Seitdem ihr kleiner Sohn Max auf der Welt ist und sie ein „gut bürgerliches“ Leben mit einem Steuerberater führt, seien diese Zeiten allerdings vorbei.

Stella Harms erzählt den Ermittlern nicht nur Details über Maries Leben, sie erwähnt auch den Pornoproduzenten Sam Jordan, der mit Wagner in einen Konflikt geraten sei. Marie hatte in der Vergangenheit einen Dreh abgebrochen, wodurch Jordan eine Menge Geld durch die Lappen ging. Der lebt, ähnlich wie sein Konkurrent Olli Hauer, mittlerweile am Existenzminimum. Ist Jordan etwa der Mörder von „Luna Pink“? Oder bekam Hauer nicht das, was er wollte von der 25-Jährigen? Anscheinend war er unglücklich in die junge Frau verliebt …

 
Die Dreharbeiten zum BR-Tatort „Hardcore“ fanden vom 5. März bis 5. April 2017 in München und Umgebung statt.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (37 J. | Kinoliebhaberin)

Der Tatort „Hardcore“ ist eine Milieustudie – und kaum Krimi. Der Mord zu Beginn ist nur der Aufhänger, um vordergründig die heutige Pornobranche zu durchleuchten. Das ist nett gemeint, doch taugt die Erzählung nicht für einen Krimi: Plötzlich taucht ein Einbrecher im Handlungsgeschehen auf, die Lösung des Falls kommt beiläufig daher. Note: Maximal „befriedigend“. Zwinker, zwinker.

Gerald (37 J. | IT-Nerd)

Achtung, Floskel: „Mit reichlich nackten Tatsachen“, außerdem mit Bukkake und Saliromanie ist dieser Tatort gespickt. Mutig für einen öffentlich-rechtlichen Sender, hierfür die Sendezeit 20.15 Uhr zu wählen. Wer am Montag mitreden will, sollte einschalten.

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Franz Leitmayr – Udo Wachtveitl
Hauptkommissar Ivo Batic – Miroslav Nemec
Assistent Karl-Heinz „Kalli“ Hammermann – Ferdinand Hofer
Ermittler Ritschy Semmler – Stefan Betz
Rechtsmediziner Dr. Matthias Steinbrecher – Robert Joseph Bartl
Marie Wagner alias „Luna Pink“ – Helen Barke
Oberstaatsanwalt Rudolf Kysela – Götz Schulte
Christina Wagner – Sylvana Krappatsch
Pornoproduzent Olli Hauer – Frederic Linkemann
Pornoproduzent Sam Jordan – Markus Hering
Stella Harms, Freundin von Marie – Luise Heyer
Markus Harms – Golo Euler
Stefan Mühlbauer – Daniel Flieger
Petra Hartl – Christina Baumer
Pornodarstellerin Nikki – Jarah Maria Anders
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Philip Koch, Bartosz Grudziecki
Regie – Philip Koch
Kamera – Jonas Schmager
Szenenbild – Oliver Hoese
Schnitt – Dirk Göhler, Susanne Hartmann
Ton – Harti Küffner
Musik – Richard Ruzicka

Bilder-Galerie zum Krimi aus München


1 Meinung zum Tatort Folge 1030: Hardcore

  • FT • am 16.9.17 um 19:57 Uhr

    Es war ein sehr spezieller Dreh mit einem genialen Team und tollen Kollegen… Wir sind auch sehr gespannt… Viel Spaß beim anschauen…


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