Tatort Folge 1138: Rebland



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Tatort Folge 1138: Rebland 3 25

Nachdem der fünfte Fall der Schwarzwälder Ermittler Friedemann „Frieda“ Berg (Hans-Jochen Wagner) und Franziska Tobler (Eva Löbau) vom Publikum geradezu zerfetzt wurde (siehe Meinungen zur 1121. Tatort-Folge „Ich hab im Traum geweinet“), ist der Folgefall im umso klassischeren Whodunit-Erzählstil angelegt:

In „Rebland“ wird eine Frau auf dem nächtlichen Nachhauseweg am Fuße der Weinhänge überfallen, brutal bewusstlos geschlagen und vergewaltigt. Das Opfer kann sich an nichts erinnern, und doch kann die Kripo im SWR-Krimi drei Verdächtige ausmachen. Alle drei Herren verweigern allerdings die freiwillige DNA-Reihenuntersuchung – einer von ihnen aus gutem Grund?

Der sechste Einsatz von Berg und Tobler „Rebland“, Tatort-Episode 1138, wird erstmals am Sonntag, den 27. September 2020 um 20.15 Uhr im Ersten gezeigt.

Inhalt der Tatort-Folge „Rebland“

Von der durchzechten Fassenacht, die im Bett endete, ist im neuesten Fall des Schwarzwälder Tatort-Duos keine Rede mehr. Das Private bleibt privat, und die zwei Hauptkommissare Franziska Tobler und Friedemann Berg tun wieder das, was sie am besten können: Kapitaldelikte aufklären. Dazu gehören Mord, Totschlag und alles schwerwiegende, wie auch die Vergewaltigung der bekannten Radiomoderatorin Beate Schmidbauer. Die ist ausgerechnet eine gute Freundin der Kommissariatsleiterin Cornelia Harms.


Schmidbauer, Harms und drei weitere Freundinnen feiern, was das Zeug hält. Einmal jährlich im Herbst, hier oben auf den Weinterrassen, rocken die fünf Frauen auf einem noblen Weingut im baden-württembergischen Kaiserstuhl ausgelassen die Tanzfläche und gönnen sich jeweils sechs, sieben Gläschen Wein. Als es Zeit wird zu gehen, passen jedoch nur vier der fünf Frauen in das Taxi; Beate Schmidbauer, sehr selbstbewusst und erfolgreich, entschließt sich, den recht kurzen Weg nach Hause kurzerhand alleine zu Fuß zu gehen, an den finsteren Hängen entlang.

Im Tatort „Rebland“ kommt es, wie es kommen muss, und wovor die Mutter ihre Tochter immer gewarnt hat: Die betrunkene Beate Schmidbauer, durch die Dunkelheit der Nacht stolpernd, wird von einem Unbekannten abgefangen, niedergeschlagen und zwischen den Weinreben missbraucht. Niemand vom Weingut registriert hiervon etwas, es gibt keine Zeugen der Tat.

Am nächsten Morgen betritt die Leiterin des Kommissariats, Cornelia Harms, wie üblich das Büro. Die Müdigkeit von gestern Abend steckt ihr noch in den Knochen. Zu ihrer Überraschung hat ihre Freundin Beate bereits im Wartebereich des Präsidiums Platz genommen und erzählt sachlich, was geschehen ist. Die entsetzte Beamtin begleitet Schmidbauer zur gynäkologischen Untersuchung, wo die DNA des Vergewaltigers gesichert werden kann. Harms betraut gleich ihre Mitarbeiter Tobler und Berg mit der Aufklärung des Falls im Krimi „Rebland“, es ist ihr ein persönliches Anliegen, dass der Täter schnellstmöglich zur Rechenschaft gezogen wird.

Beim Besuch des Opfers an dessen Arbeitsplatz, einem regionalen Radiosender, sind die Kommissare verwundert über Schmidbauers gleichgültig wirkende Art, mit dem Erlebten umzugehen. Sie sitzt am Mikrofon und moderiert ihre Sendung, als sei nichts gewesen. Auf die Frage, ob sie den Tatort zusammen mit der Kriminalpolizei besichtigen würde, antwortet das Missbrauchsopfer mit einem beiläufigen „Muss ja sein, oder? Dauert ja nicht lange. Ich hab nachher noch ’n wichtiges Interview“, und setzt ein künstliches Lächeln auf. Beate Schmidbauer bittet die Beamten lediglich um Diskretion, damit sich die Angelegenheit nicht herumspricht, schnappt sich ihre Handtasche und geht entschlossen voran.

Am Tatort, dem Weinhang, angekommen, erzählt die Moderatorin Tobler und Berg im Detail, was in der Tatnacht geschah, während die drei den Weg ablaufen. Plötzlich kommen Erinnerungen an die traumatischen Erlebnisse in der Frau hoch; das Lied „Pata, pata“ schallte vom Weingut hinab, kurz bevor es schwarz um Schmidbauer wurde. Als sie wieder zu sich kam, zog sie sich als erstes Zigaretten am Automaten und rauchte. An viel mehr kann sich die Mittfünfzigerin nicht erinnern. Die Kommissare tauschen vielsagende Blicke aus; immerhin können sie auf die Weise den Tatzeitpunkt genauer eingrenzen. Weil die DNA des Täters nicht in der Analysedatei des Bundeskriminalamts registriert ist, wird die Suche nach dem Vergewaltiger bei der schlechten Beweislage allerdings schwierig. Und eine DNA-Reihenuntersuchung wird es im Fall „Rebland“ nicht geben – zu teuer.

Die Kommissariatsleiterin Cornelia Harms hat zumindest eine weitere Spur parat: Ein Mann mit Bayern-Trikot hatte ihre Freundin Beate auf der Weinparty angesprochen. Als die sich nach seinem Namen erkundigte, zeigte er auf die Rückenseite seines Shirts: Lewandowski. Ein einziger im Umfeld lebender Mann mit diesem Namen, jedoch mit einem „Y“ geschrieben, ist ausgerechnet ein Kollege von der Streifenpolizei. Der leicht reizbare und schroffe, seltsam wirkende Typ berichtet Frieda Berg und Franziska Tobler, in der Tatnacht um Mitternacht wieder zuhause gewesen zu sein. Da der Polizist allein lebt, gibt es hierfür keinen Zeugen.

Ein zweiter Verdächtiger gerät ins Visier der Kriminalisten: der Friseur Victor Baumann. Vor neun Jahren wurde der wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Kundin angezeigt – kurz darauf zog sie die Anzeige jedoch zurück. Der Mann, dessen Existenz damit dennoch zerstört wurde, hat sich mit Mühe und Not eine neue aufgebaut. Baumann ist mittlerweile verheiratet, hat einen Sohn und arbeitet wieder in einem Salon. Über die Verdächtigungen der Polizei ist der Mann alles andere als erfreut.

Die Untersuchungen gehen im Tatort „Rebland“ weiter und Hauptkommissar Berg stößt auf einen interessanten Hinweis in der Datenbank der Kriminalpolizei. Vor drei Jahren geschah in Frankreich, in der Nähe von Colmar, ein Übergriff mit ähnlichem Tathergang und – viel wichtiger – identischer Täter-DNA! Harms bemüht sich darum, bei der Staatsanwaltschaft einen Massen-DNA-Test durchzuboxen und kontaktiert die Kollegen aus dem Nachbarland. Leider ergibt die endlich genehmigte freiwillige Reihenuntersuchung keinen Treffer. 88 Männer haben sich geweigert, eine Speichelprobe abzugeben. Wenn die Kommissare doch nur einige Anhaltspunkte zur Haut- und Haarfarbe und zum Alter der Person hätten … Der französischen Kripo liegen die detaillierteren Genmerkmale zwar vor, doch in Deutschland dürfen diese nicht genutzt werden.

Die zwei Ermittler setzten sich über die Bestimmungen hinweg und können hierdurch den Täterkreis stark eingrenzen. Übrig bleiben der Streifenpolizist Mario Lewandowsky, Victor Baumann und der Witwer Klaus Kleinert, der stets um das Sorgerecht für seine kleine Tochter bangen muss. Alle drei Verdächtigen beteuern einerseits ihre Unschuld, verweigern aber andererseits den DNA-Test.

Eine weitere Überlegung steht darüber hinaus im Raum: Was, wenn der Täter im SWR-Tatort „Rebland“ gar nicht aus dem Umland kommt?


Der sechste Tatort aus dem Schwarzwald wurde im Zeitraum vom 12. bis 20. September 2019 produziert. Der Kriminalfilm behandelt die umstrittene Frage um die erweiterte forensische DNA-Analyse, die allerdings nach Ende der Dreharbeiten – genau seit Dezember 2019 – auch in Deutschland erlaubt ist. Bislang wurde mittels einer Genprobe lediglich das Geschlecht eines Täters ermittelt. Kritiker sehen in der erweiterten Analyse der DNA die Gefahr, dass es beispielsweise bei der Berücksichtigung der Hautfarbe zu pauschalen Verdachtsmomenten und Diskriminierungen kommen kann.

Die Drehbuchautorin Nicole Armbruster und die Regisseurin Barbara Kulczar zeigen mit ihrem süddeutschen Tatort-Beitrag „Rebland“ nicht nur sehr subtil die psychologischen Folgen einer furchtbaren Tat, sondern auch die von falschen Mutmaßungen und Vorwürfen, unter denen Verdächtige und deren Angehörige leiden. Der Friseur, der infolge einer Anzeige alles verlor, der alleinerziehende Vater, der Angst hat, dass ihm seine Tochter vom Jugendamt genommen wird.

Frage an Euch: Ist die erweiterte DNA-Analyse sinnvoll und rechtens, oder nicht?
Schreibt Eure Meinungen unten in die Kommentare mit dem #DNA

Die Redaktion von Tatort-Fans meint …

Sabine (40 J. | Kinoliebhaberin)

„Rebland“ ist konstruiert und hält längst nicht allen Untersuchungen nach plausibler Logik stand. Die Figuren sind jedoch spannend gezeichnet, insbesondere Lewandowsky verursacht Gänsehaut. Bewusst wird die Vergewaltigung nicht gezeigt, das resultierende Trauma bloß angedeutet: solch eine erzählerische Methode ist viel stärker, als würde Schreckliches offen gezeigt. 3 Sterne für diesen Krimi.

Gerald (40 J. | IT-Nerd)

Dieser Fall von Berg und Tobler ist auf jeden Fall besser als der letzte, aber nicht wirklich packend. Ich habe mich dabei erwischt, wie ich so langsam weggedämmert bin oder Lust hatte umzuschalten. Bei einem guten Tatort passiert das nicht. Mich hat die Suche nach dem Täter nicht mitgerissen, weil sie mir unheimlich lang vorkam und so als ob sich die Kripo ständig im Kreis dreht. Dass die DNA-Merkmale einfach „geklaut“ werden ohne Folgen … für mich zwei Sterne.

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Friedemann „Frieda“ Berg – Hans-Jochen Wagner
Hauptkommissarin Franziska Tobler – Eva Löbau
Kommissariatsleiterin Cornelia Harms – Steffi Kühnert
Radiomoderatorin Beate Schmidbauer – Victoria Trauttmansdorff
Chefin der französischen Kriminalpolizei – Isabelle Menke
Streifenpolizist Mario Lewandowsky – Marek Harloff
Streifenpolizistin Christine Liebermeister – Bärbel Schwarz
Ingenieur Klaus Kleinert – Fabian Busch
Friseurmeister Victor Baumann – Roman Knižka
seine Ehefrau Carmen Baumann – Tjadke Biallowons
Frau Ketterer – Susanne Marie Wrage
Günni – Pascal Simon Grote
Kundin – Katharina Walther
Yara – Sarah Melis
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Nicole Armbruster
Regie – Barbara Kulcsar
Kamera – Stefan Sommer
Szenenbild – Juliane Friedrich
Schnitt – Susanne Heller
Ton – Tom Doepgen
Musik – Ephrem Lüchinger

Trailer zur Tatort-Produktion



Bilder-Galerie zum Krimi aus dem Schwarzwald


35 Meinungen zum Tatort Folge 1138: Rebland

  • Gottlieb • am 27.9.20 um 15:15 Uhr

    Gleich zwei KommissarInnen: Frieda und Franziska. Wie originell! Werde mir die Beurteilungen hinterher gern ansehen.


  • Chromeheart • am 27.9.20 um 20:23 Uhr

    Wenn… schon vorher bewerten.
    Daher gebe ich jetzt 5 Sterne um den Schnitt zu verbessern.


  • Daddelbude • am 27.9.20 um 21:00 Uhr

    Von mir gibt’s auch keine DNA


  • Lutz Sanktjohanser • am 27.9.20 um 21:27 Uhr

    Kein Stern geht ja nicht! Warum macht man uns diese einst so tolle Serie so madig? Weder Hand noch Fuss und nur noch an den Haaren herbeigezogenen Handlungen! Krimis kann wohl nur noch das ZDF! Sind vernünftige Schauspieler eigentlich noch bereit diese Satire-Kommissare zu spielen?


  • Lutz Sanktjohanser • am 27.9.20 um 21:31 Uhr

    Wieso stehen bei meinem Kommentar 5 Sterne, obwohl ich nur 1 vergeben habe???? So kommt Ihr also auf alle eure positiven Bewertungen?


  • Thorsten • am 27.9.20 um 21:36 Uhr

    Wenn ich dran denke, dass für die beiden Schnarchzapfen die wunderbare Klara Blum gekillt wurde, werde ich sauer.


  • Winfried Vorbeck • am 27.9.20 um 21:50 Uhr

    Mir hat’s gefallen. Interssante Handlung, Unwissenheit über den Täter bis zum Schluss, gute und glaubwürdige Darsteller.
    Ein Film, den ich auch noch einmal sehen würde.


  • Sino • am 27.9.20 um 21:53 Uhr

    Keine goldene Himbeere dieses Mal! Juhu!

    Dafür, dass diese Kommissare nach allgemeiner Meinung unter den Top 5 der schlimmsten Teams rangieren und immerhin den schlechtesten TO seit mind. 1 Dekade verbrochen haben, war‘s gar nicht so schlimm. Bisschen bieder, bisschen vorhersehbar, bisschen moralisierend, immerhin aber hübsche Bilder.

    Insgesamt nichts besonderes. Aber dieses Team tut auch gut daran, in den nächsten 20 Jahren auf Besonderes zu verzichten. Nicht, dass wir im Traum noch alle weinen…


  • Zacharias Zorngiebel • am 27.9.20 um 21:57 Uhr

    Mein Nachbar Donald hat mir den Tatort empfohlen, werde ihm dafür sein Haus auseinandernehmen. 90 Minuten vertane Lebenszeit. Nach gutem Start der zweite absolut danebene Schwarzwaldtatort. Ich werde mich beim Entenhausener Bürgermeister dafür einsetzen, dass Herr Düsentrieb einen Qualitätsfilter in unser Kabelnetz einbaut.
    @ Lutz Sanktjohanser: Du bist wohl mit der Maus versehentlich noch mal über die Bewertung gefahren. Die ändert sich durch Mouse over, nicht durch anklicken. Ist mir auch schon mal passiert.


  • Zacharias Zorngiebel • am 27.9.20 um 22:01 Uhr

    …gerade geschrieben und schon wieder nicht dran gedacht: Ein Stern war gemeint.


  • Bina • am 27.9.20 um 22:03 Uhr

    Mit einem Wort, schrecklich.
    Die Hoffnung, dass das heut was wird, starb tatsächlich zuletzt.
    Dieses ständige Hin und Her, sämtliche Klischees zu erfüllen, aber dabei ständig diese Gratwanderung zwischen Authentizität und Wahnsinn, machten es dem Zuschauer schwer, der Handlung folgen zu können.
    Dazu der Schwarzwald, der eigentlich der Kaiserstuhl war, landschaftlich gesehen aber immer wieder eine Augenweide. Der einzige Trost.
    Kann diesen Tatort wahrhaftig nicht mit gutem Gewissen empfehlen, außer denen, die eine Einschlafhilfe brauchen, die kommen auf ihre Kosten.


  • Karin L. • am 27.9.20 um 22:04 Uhr

    Zum Drehbuch-Inhalt spare ich mir mal eine Analyse, lohnt nicht.
    Was mit dem Vater und seinem Kind ist, Rätselraten.
    Zwischendurch wäre ich fast eingeschlafen, den Ermittlern kann man im Laufen die Schuhe besohlen.
    Die Schnappatmung der Staatsanwältin zu Beginn übertrug sich leider nicht auf die Kommissare.
    Mal wieder ein spannungsarmer, langweiliger Tatort-Abend.
    Seit Jahren jetzt schon kann man sich glücklich schätzen, mal einen interessanten Tatort erwischt zu haben.

    Gefühlt jeder 10. eventuell…..


  • Hanz W. • am 27.9.20 um 22:05 Uhr

    Stark schwankend. Es gab berührende Szenen, spannende Momente… und dann halt auch ziemlich holprige, wie aufgegpfropfte Szenen wie aus dem Ethik-Proseminar. Und hinter der ganzen DNA-Diskussion ist ein wenig untergegangen, was falsche Verdächtigungen – oder überhaupt Verdächtigungen – im Leben der Betroffenen anrichten: immerhin zwei von dreien der verdächtigen Männer mussten ja unschuldig sein. Das wurde kaum diskutiert. Fantastisch im Übrigen Victoria Trauttmannsdorff, die die Gratwanderung zwischen Trauma und Selbstbehauptung extrem gut hinbekommen hat. Insgesamt o.k., wenn mir manches aus dem „Schwarzwald“ aber schon deutlich besser gefallen hat, weil es sehr viel profilierter war. Wegen der „Höhen und Tiefen“ buchstäblich eine Durchschnittswertung, drei Sterne glatt.


  • Komissario • am 27.9.20 um 22:08 Uhr

    Brauche bitte Aufklärung. Wenn das Opfer nach Aussage des Täters ihm vor’s Auto gelaufen ist und nach seinem Handy gefragt hat, wieso kann sich das Opfer daran nicht erinnern? Soo einen betrunkenen Eindruck machte sie nicht, konnte auch noch geradeaus laufen…Alles sehr konstruiert.


  • Henning • am 27.9.20 um 22:27 Uhr

    Die Macher des Films nehmen die Antwort auf zumindest eine der vielen Fragen, nämlich jene der Freiwilligkeit der Teilnahme an einer Massenuntersuchung, vorweg. Drei sich weigernden Männern, zwei davon sind unschuldig, wird zumindest vorübergehend die Lebensgrundlage entzogen – ganz eindeutig nach dem Motto: „das haste jetzt davon“. Dies geschah in einer Atmosphäre, dass der Film nie eine Chance haben wird, mir zu gefallen. Anders beispielsweise als das alte Meisterwerk „Es geschah am hellichten Tag“, frei nach Dürrenmatt. Soviel zum Film… nun zur Fragestellung:

    Ich selber war aufgrund meines damaligen Lebensalters und meines Wohnortes „freiwilliger“ Teilnehmer einer der ersten Reihenuntersuchungen Deutschlands. Die Abstriche erfolgten an Sammelplätzen, zumeist die entsprechenden Rathäuser. Nach meiner Erinnerung hatte man einige Tage Zeit zur Abgabe. Wer in der Endphase sein Material noch nicht abgegeben hatte, wurde angerufen und erinnert. Und ja, es gab einen gesellschaftlichen Druck. Man hat sich gegenseitig gefragt, ob der jeweils andere denn schon teilgenommen hatte. Ein Freund von mir nahm teil, obwohl er ein Jahr unter der Altersgrenze gewesen war und noch gar nicht gemusst hätte. Beim Täter stellte sich heraus, dass auch in seiner Umgebung aufgepasst wurde, wer sich testen ließ. Deshalb sah er keine andere Möglichkeit, als sich auch testen zu lassen. Er wurde gefasst und es ist in seinem Fall wohl ziemlich sicher, dass weitere Opfer vermieden wurden. Es war 1998 selbstverständlich, dass man daran teilnahm. Täterschutzfragen galten nicht, man wollte diese Gefahr aus der eigenen Umgebung entfernt wissen… nachvollziehbar, wie ich finde.

    Wenn sich nun die Frage nach einer spezifizierten Reihenuntersuchung stellt, kann ich eigentlich keines der bislang gehörten Argumente dagegen ernst nehmen. Sie macht eine schnellere und gezieltere Täterermittlung möglich, ohne dass die unnötig lange Zeit bis dahin Existenzen zerstört, nur weil die Menschen sich Dinge zusammenspinnen, da ihnen beispielsweise der „kauzige Typ da im Eckhaus“ schon immer komisch vorgekommen ist. So ist das bei der bisherigen Verfahrensweise gewesen. Wenn sich jetzt einige politisch denkende Menschen fürchten, dass auch hin und wieder Täter fremder Ethnien gezielt gesucht werden müssen, dann darf so etwas doch kein Grund sein, schlechter zu ermitteln, als man könnte – und einen gefährlichen Menschen länger unter uns zu lassen, als es unbedingt nötig ist. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass ich nur noch ein Argument dagegen höre, das mich überzeugt. Zum Film: 3 Sterne. Auch wegen des Wiedersehens mit Marek Harloff, dem heute wieder großartig spielenden Dauerjugendlichen der 90er-Jahre.


  • Jürgen W • am 27.9.20 um 22:27 Uhr

    Propaganda Tatort für weniger Datenschutz


  • Attila • am 27.9.20 um 22:28 Uhr

    Teilweise völlig unglaubwürdig. In der letzten Szene wurde klar, dass man eigentlich eine Werbung für erweiterte DNA-Analyse machen wollte. Ja, ich kann es verstehen, doch sagen wir es klar: hätten Polizisten so Daten von einer ausländischen Polizei, nichtoffiziell und sogar audrücklich verboten erhalten, wären die beiden definitiv suspendiert.
    Und, ja, wie auch eine andere Bewertung vor meiner schon schrieb, die Hauptsache für mich war, wie der Verdacht das Leben unschuldiger ruiniren kann.
    Schauspielerisch einige Nebenrollen sehr gut, gerade die beiden Hauptdarsteller waren nicht besonders überzeugend. Und ich habe immer gedacht, dass ich den Darsteller des Frisörs schon kenne, aber keines seiner Filme ist mir bekannt…


  • Der Fremde • am 27.9.20 um 22:29 Uhr

    Interessantes Thema und ich mag die Schwarzwald-Kommissare recht gerne (ja, durchaus auch deren letzten TO, der sicherlich nicht jedermanns Geschmack war…). Da spielt sicherlich auch das Lokal-Kolorit eine Rolle, mir gefällt die Schwarzwald-Gegend.
    Allerdings waren die heutige Handlung und die heutigen Figuren ein bisschen zu stark konstruiert. Sympathisch war keiner der 3 Tatverdächtigen und ich kann auch nicht nachvollziehen, warum die 2 hierbei Unschuldigen den DNA-Test justament verweigert haben. Sie hätten sich einiges erspart, deren Widerstand hat sich für sie nicht gelohnt.
    Der Streifenpolizistin Liebermeister hätte ich übrigens einen netteren Partner gewünscht, mit diesem „Psycho“ wird das nchts.


  • alter Fan (tm) • am 27.9.20 um 22:32 Uhr

    was war das wieder nur für ein Meisterwerk an spannungsgeladenem Sonntagabendkrimi – im Vergleich zu dem , was bisher aus dieser TO Schmiede kam , war es das vielleicht auch – von A – Z reingequält – stellenweise hatte ich den Eindruck ich bin in einer Drehbuch Leseprobe – selbst Tjadke Biallowons ,die ich aus früheren Zeiten noch als quicklebendige Theaterschauspielerin kenne , hat mich da auch ein bischen sehr enttäuscht – das nächste Motto für eine mögliche TO Fan Demo : “ Wir fordern die Einstellung des Schwarzwald TO “ – natürlich mit Abstand und Maske


  • Johannes Gerneth • am 27.9.20 um 22:42 Uhr

    Meines Erachtens ein sehr gelungener Tatort. Die Thematik ist sehr brisant und die einzelnen Figuren sind sehr bewegend. Auch rundet das Schwarzwälder Team das Tatort-Portfolio angenehm ab. Neben dem Frankentatort sind das wohl die realistischsten Ermittler. Die beiden hatten für die Fasxhingsentgleisung ordentlich Schläge einstecken müssen. Heute Abend haben sie vieles wieder gut gemacht. Ich bin versöhnt 😀


  • Stephane • am 27.9.20 um 23:25 Uhr

    @Hanz W: Dass nicht „diskutiert“ wurde, was falsche Verdächtigungen im Leben der Betroffenen anrichten, kann nicht dein Ernst sein!
    Bei allen drei Verdächtigten wurde glasklar und überdeutlich gezeigt, wie sehr sie unter den Anschuldigungen zu leiden hatten.
    Für manche muss man wirklich noch eine Anne Will-Talk hintenan schieben, damit das verstanden wird.
    „Show! Don’t tell!“ für Hanz W zu anspruchsvoll.
    Davon ab hat mir der Tatort recht gut gefallen.
    Dass die erweiterte DNA-Analyse natürlich ganz schlimm für eine jene oder diese Volksgruppe sein kann, wird natürlich von einer Frau vorgebracht, der alte weiße Mann hingegen vertritt Law and Order. Ich hoffe, die absichtliche Verteilung der Rollen bilde ich mir nur ein.


  • Onkel • am 28.9.20 um 0:17 Uhr

    Wie mein Vorredner bzw. –schreiber Jürgen W. bereits erwähnte: Reine Propaganda für weniger Datenschutz. Hinzufügen wäre nur noch, daß zwei Monate nach dem Ende des TO-Drehs das Bundesgesetz zur erweiterten DNA-Analyse durchgesetzt wurde. Da behaupte noch mal jemand, Regierung und Fernsehen steckten nicht unter derselben Decke.


  • Der Fremde • am 28.9.20 um 8:58 Uhr

    Nachtrag #DNA: die erweiterte DNA-Analyse ist natürlich SINNVOLL, da hiermit der Täter schneller/leichter gefasst werden kann (und unschuldige Tatverdächtige somit schneller aus dem Fokus kommen).


  • Vreny Widmer • am 28.9.20 um 9:34 Uhr

    Wieder eine enttäuschender Tatort! Sehr schlechter SchauspielerInnen und eine unmögliche Handlung! Spannung gleich Null und der Schluss war unmöglich!


  • Argos • am 28.9.20 um 10:28 Uhr

    Der Sonntag könnte für Krimifans so schön sein!
    Der Tatort wird aber leider immer mehr zur Qual. In den letzten Jahren war es noch üblich, Teams, die stark in die Zuschauerkritik geraten waren, mit starken Drehbüchern auszustatten.
    Dies ist leider bei den Schwarzwaldkommissaren nicht der Fall. Zwei Dinge finde ich bei diesem Tatort bemerkenswert: wenn bei den Zuschauerkritiken lobend erwähnt wird, daß man schon honorieren muß, daß ein Tatort „nicht völlig unterirdisch ist“, und, daß Kritiker (Zeit, Spiegel) einmal einer Meinung mit vielen Zuschauern sind.
    Der Sonntag könnte schön für Krimifans sein, doch die Kür kommt momentan bereits um 18.45 Uhr auf ZDFneo, während die ARD um 20.15 Uhr leider nur noch die Pflicht erfüllt.


  • Garbak • am 28.9.20 um 11:05 Uhr

    Hallo Fans
    Eigendlich wurde alles schon gesagt. Ja, und auch ich fand stellenweise den TO etwas langatmig. Aber, ich möchte den Fokus mal auf zwei, der drei Verdächtigen rücken:
    Sehr gut gespielt, war der Vater mit seiner Tochter. Echt schräg, diese, in meinen Augen, obssesive Zuneigung zu seinem Kind.
    Auch fand ich die Romanze zwischen dem Polizeipärchen Lewandowsky und Liebermeister super gespielt.
    3 Sterne.


  • Der Fremde • am 28.9.20 um 11:56 Uhr

    #Komissario: Der von Ihnen beschriebene Sachverhalt betrifft das französische Opfer „Claire“, bei dem dieselbe DNA gefunden wurde.


  • spiderman916 • am 28.9.20 um 13:31 Uhr

    Ich vergebe mal großzügig 3 Sterne, da die Schwarzwälder nach der vorherigen Schlimmer-geht-es-nicht-Folge nun auf dem richtigen Weg sind.

    Sehr starke und gute Besetzung, hervorragend umgesetzte bunte Charaktere.

    Leider ein viel zu banales Ende. Nach der Aussage, das dort ein schwarzer SUV gesehen wurde, wurde der Friseur gleich abgeführt. Meine halbe Nachbarschaft hätte es sein können. Ja und dann halt ein schnelles Geständnis und alles ist aufgeklärt.


  • Momi • am 28.9.20 um 19:29 Uhr

    Es hätte ein guter Tatort sein können. Es wurde jedoch nur ein blasses Filmchen mit Krimicharakter um die Problematik der DNA-Analyse publik zu machen. Klar, dass sich Personen, die in den engeren Reihen der DNA als Verdächtige eruiert werden, nicht besonders wohl fühlen. Wenn sie aber nichts zu befürchten haben oder hätten – oder wie immer auch – könnten sie doch eine DNA Probe zur Entlastung geben.
    Die erweiterte Analyse ist sicher sinnvoll um einen möglichst engen Täterkreis zu bilden. Ich würde mich nicht betroffen fühlen eine solche DNA Probe zu geben.
    Datenschutz sehe ich da nicht unbedingt betroffen, wenn die Resultate der Einzelnen nicht an die Oeffentlichkeit gelangen und nur der Täterermittlung dienen.


  • NN • am 29.9.20 um 0:53 Uhr

    Wo bleiben die Reue und die Schuldgefühle von Frau Harms? Durch ihr Fehlverhalten, ihre Freundin alleine nach Hause laufen zu lassen, obwohl es geplant war, dass sie sie hätte sicher heim bringen sollen, kam es doch zu dem schrecklichen Verbrechen. Frau Harms gestand zwar diesen Fehler ein, wirkte dennoch recht gefasst. Für mich nicht nachvollziehbar, dass sie ihre Teilschuld so gut wegsteckt…


  • Vox • am 29.9.20 um 9:01 Uhr

    Schnarch.


  • stephan_muenchen • am 29.9.20 um 10:24 Uhr

    Tja – eine etwas differenzierte Rezension, die aus meiner Sicht dieser Tatort aus Freiburg verdient.
    Oberflächlich kommt „Rebland“ als klassischer „Who done it“-Tatort daher. Eine Tat, mehrere Tatverdächtige, ein Ermittlerduo und einige falsche Fährten. Ehrlich gesagt fand ich diese Seite von „Rebland“ eher langweilig und teilweise auch langatmig inszeniert. Auch haben mich die, wie ich finde, sehr überzeichnet stereotyp inszenierten handelnden Personen nicht überzeugt. Der nerdige Polizist war mir zu nerdig, der überdreht hysterische und jähzornige Friseur zu hysterisch und der undurchschaubar besorgte Witwer mit Kind zu besorgt und undurchschaubar. Selbst das Tatopfer (Victoria Trauttmansdorff – ich kenne diese Schauspielerin eigentlich nur in psycho-angehauchten Rollen) hat zu überzeichnete Züge gehabt. Das fand ich schade, weil es dem Tatort in Bezug auf der zweiten Handlungsebene Stärke genommen hat.
    Sehr spannend fand ich diese zweite Handlungsebene, die sich damit beschäftigt hat, wie freiwillig ein DNA-Massentest wirklich ist, welche Motive hinter dem Verweigern einer Speichelprobe versteckt sein können und wie sehr „Verweigerer“ stigmatisiert und unter Druck gesetzt werden. und diese zweite Handlungsebene hat sich mit der moralischen Frage beschäftigt, wie groß dürfen die Kollateralschäden bei der Suche nach einem Täter sein?

    Im Gegensatz zur Einschätzung anderer Rezensenten hier, hat „Rebland“ einen angenehm differenzierten und wertungsfreien Blick auf diese Themen geboten. Anhand der 3 Tatverdächtigen wurde aufgezeigt, wie stark Druck aus dem familiären, beruflichen oder gesellschaftlichen Umfeld auf einen Testverweigerer ausgeübt werden kann – wissend, dass mind. zwei der drei Tatverdächtigen unschuldig sein müssen. Und mich hat dieses Gedankenspiel, das teilweise subtil, teilweise aber sehr stark inszeniert wurde, betroffen gemacht. Beim Spielen mit dieser moralischen Fragestellung hat „Rebland“ seine besondere Stärke gehabt.

    Leider aber hat das Zusammenspiel der beiden Ebenen nicht wirklich funktioniert und so ist der Tatort dazwischen rummäandert – nichts halbes und nichts ganzes. Schade eigentlich! Das hätte was ganz großes werden können.


  • Colorwriter • am 29.9.20 um 23:59 Uhr

    Recht ordentlich. Was mir gefehlt hat, die/eine Reaktion der ausgeboteten Kriminalbeamten aus Frankreich. – Schließlich hat der Täter dort vorher das gleiche getan und das Opfer ist daran gestorben.
    Die Schauspieler, allesamt Klasse.
    Das Drehbuch, geht so weil es so viele Logikfehler hatte.
    Handlung. Na, gutes Thema, nur ungutes Drehbuch. Da wäre mehr machbar gewesen.


  • Wolle • am 30.9.20 um 8:44 Uhr

    Das war der letzte Pfiff. Sowas lames habe ich lange nicht gesehen. Absolut keine Spannung.


  • NichtNurSonntags • am 1.10.20 um 2:43 Uhr

    Thema / Problematik sehr relevant und auf den Punkt gebracht.
    Leider sehr langweilig dargeboten.


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