Tatort Folge 1202: Liebeswut



So 29.05. 20:15 Uhr ARD

So 29.05. 21:45 Uhr ONE

Mo 30.05. 03:55 Uhr ONE

Di 31.05. 00:40 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2022
Kommissar: Andersen, Moormann und Selb
Ort: Tatort Bremen


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Tatort Folge 1202: Liebeswut 0 0

Liebeswut – dies ist der vieldeutige und assoziationsreiche Titel des dritten Falls für das immer noch frische Tatort-Team aus Bremen. In einer völlig ausgebrannten Wohnung wird eine Frauenleiche gefunden, die aber offenkundig nicht durch Brand-, sondern durch Schussverletzungen gestorben ist. Kommissarin Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer) und die BKA-Ermittlerin Linda Selb (Luise Wolfram) ermitteln im Umfeld der Toten und stoßen dabei auf einige sehr skurrile Gestalten, vor allem aber auf die Liebe in ihren unterschiedlichsten Schattierungen – auch auf ihre tödliche Seite. Moormanns Kollege Mads Andersen weilt derweil in seiner Heimatstadt Kopenhagen – die Gelegenheit für die beiden sehr unterschiedlichen Ermittlerinnen, ihr Verhältnis zueinander zu klären. Tatsächlich fassen Moormann und Selb allmählich Vertrauen zueinander, allerdings erhält der Fall für Moormann noch eine ungeahnte persönliche Komponente: Die Schatten ihrer Vergangenheit kehren zurück.

Der Tatort „Liebeswut“ wurde vom 26. Oktober bis zum 24. November 2021 in Bremen und Umgebung gedreht und ist eine Produktion der Bremedia im Auftrag von Radio Bremen für die ARD. Seine Erstausstrahlung im TV erlebt der Kriminalfilm am Sonntag, dem 29. Mai 2022 um 20:15 Uhr im Ersten.

Inhalt der Tatort-Folge „Liebeswut“

Rot – die Farbe der Liebe, der Leidenschaft, aber auch des Bluts, des Teufels. Sie steht am Beginn dieser denkwürdigen Tatort-Folge. Bedrohlich wirkende Trommelschläge kündigen das Unheil an, aus dem Off ist die Stimme von Kommissarin Liv Moormann zu hören: „Auf meiner Liste der Tatmotive ganz oben steht die Liebe. Mächtiger als Hass oder Kränkung. Die falsche Dosis Liebe – die reißt uns alle in den Abgrund.“ Was falsch verstandene, deformierte Liebe anrichten kann, davon wird im Folgenden erzählt.

Dabei fängt alles ganz harmlos an: Moormann und ihre Kollegin, die BKA-Ermittlerin Linda Selb, werden zu einem Wohnungsbrand in einem Bremer Mietshaus gerufen. Doch eine Leiche ist weit und breit nicht in Sicht – es war wohl niemand in der Wohnung, als das Feuer ausbrach. Also Abflug, meint Selb, hier gibt es für die Mordkommission nichts zu tun. Doch die Schutzpolizisten, die die ausgebrannte Wohnung inspizieren, sind sich da nicht so sicher: Angeblich gibt es noch ein verschlossenes Schlafzimmer, zu dem sie noch nicht vorgedrungen sind. Und tatsächlich: In der von Ruß und Qualm völlig verwüsteten Behausung führt eine Tür zu einem weiteren Raum, die jedoch hermetisch abgeriegelt ist. Mit roher körperlicher Gewalt gelingt es einem der Polizisten, ein Loch in die Tür zu schlagen. „Für die Kleine reicht’s“, kommentiert er das Ergebnis seiner Arbeit lapidar, und gemeint ist natürlich die körperlich etwas untersetzte Kommissarin Moormann. Dass man sie ansonsten besser nicht unterschätzen sollte, wird sie später noch unter Beweis stellen. Doch zunächst der Blick ins Schlafzimmer: Es erscheint wie aus einer anderen Welt: keine Spuren vom Wohnungsbrand, die gesamte Einrichtung heil, aber: Auf dem Bett liegt eine Frau im roten Hochzeitskleid – tot. Eine Schusswunde am Kopf zeugt von der Ursache des Ablebens. Mindestens ebenso merkwürdig sind jedoch die Kritzeleien an der Zimmerwand: Der Teufel spricht aus den Wänden, ist dort zu lesen, er will jemanden holen. Was hat diese gruselige Szenerie zu bedeuten? Bei der analytisch denkenden Selb sind sofort die Lebensgeister erwacht: Fieberhaft überlegt sie, welche Botschaft der Täter ihnen damit übermitteln will. Wenn es denn einen Täter gibt. Für Moormann ist das nicht so eindeutig. Seit sie das Schlafzimmer betreten hat, wirkt sie fast wie in Trance. Der Anblick der toten Frau scheint etwas in ihr ausgelöst zu haben. Aber was? Wilde Assoziationen und Flashbacks wirbeln in ihrem Kopf herum, es scheinen Kindheitserinnerungen zu sein. Zuordnen kann sie das alles nicht genau. Aber die junge Kommissarin möchte den Fall am liebsten ganz schnell zu den Akten legen. Selbstmord einer psychisch gestörten Frau, die vorher wirre Sätze an die Wände gekritzelt und ihre eigene Wohnung angezündet hat, fertig, aus.

Doch die hartnäckige Selb lässt nicht locker: Frauen würden sich nicht durch Kopfschüsse umbringen, das passe alles nicht zusammen. Und dann tauchen plötzlich die Eltern der Toten in der völlig verwüsteten Wohnung auf: Sybille und Burkhard Dobeleit sind in großer Sorge um ihre beiden Enkeltöchter: Therese und Constanze Kramer lebten bisher mit ihrer Mutter Susanne in der Wohnung. Ihr Mann Thomas Kramer wollte Susanne verlassen; er ist zu seiner neuen Freundin Jaqueline Deppe gezogen, die von ihm schwanger ist. Aber wo sind die beiden Mädchen? Nun ist für die beiden Ermittlerinnen im Radio-Bremen-Tatort „Liebeswut“ klar, dass sie diesen Fall nicht so schnell loswerden. Wer ist dieser ominöse „Teufel“? Hat er Susanne Kramer umgebracht – und nun womöglich die Töchter der Toten in seiner Gewalt? Moormann und Selb beginnen mit ihren Ermittlungen in Susanne Kramers Umfeld. Thomas Kramer treffen sie zunächst nicht an, dafür seine neue Freundin Jaqueline. Musik in ohrenbetäubender Lautstärke dröhnt aus ihrer Wohnung, die schwangere Frau hat mit ihrem grellen Outfit und albernen Auftreten eher den Habitus einer völlig überdrehten Teenagerin. Tja, die Frau von Thomas, das sei eine schwierige Sache, die sei psychisch total instabil – dabei ist Jaqueline Deppe selbst mit Sicherheit vieles, aber keine ausgeglichene Persönlichkeit. Nicht weniger seltsam verhält sich Joachim Conradi, der Hausmeister der Schule, auf die Therese und Constanze Kramer gehen. Erst rennt er ohne erkennbaren Grund vor der Polizei weg, dann behauptet er, die beiden Mädchen mittags nach der Schule noch gesehen zu haben – dann seien sie irgendwann verschwunden, wahrscheinlich abgeholt worden. Von wem? Das weiß er auch nicht. Als dann noch Thomas Kramer überraschend in der Schule auftaucht, eskaliert die Lage: Der Witwer von Susanne Kramer ist total aufgeregt und überreizt, würde am liebsten die ganze Schule auf den Kopf stellen, um seine Kinder zu finden. Nur mit Mühe können die Kommissarinnen ihn beruhigen. Bei der Befragung im Kommissariat beschreibt Thomas Susanne ebenfalls als psychisch labil, aber dennoch als gute Mutter. Handys hat sie ihren Töchtern verboten, außerdem wollte sie nicht, dass die Großeltern sie von der Schule abholen – und das, obwohl diese doch so besorgt um das Wohl ihrer Enkelinnen waren. Mehrmals hat Susanne sich auch Verletzungen an den Fingern zugefügt – an einem Finger trug sie deshalb sogar eine Prothese.

Was können die Ermittlerinnen mit diesen seltsamen Zeugen und ihren Aussagen im TV-Krimi „Liebeswut“ anfangen? Was sind sie wirklich wert? Kann man ihnen trauen? Die Mädchen sind weiterhin verschwunden, und mit jeder Stunde schwindet die Wahrscheinlichkeit, sie noch lebend zu finden. Nachts erscheinen bei Liv Moormann erneut die Dämonen ihrer Kindheit. Die tote Frau im Hochzeitskleid in diesem unheimlichen Raum, sie lässt sie einfach nicht los. Moormann kehrt in der Nacht in die Wohnung zurück, legt sich auf das Bett und lässt ihren Assoziationen und Gedanken freien Lauf. Es war nicht nur die tote Frau im Raum, die sie beunruhigt hat, es war viel mehr: Das ganze Haus, das ganze Umfeld wirkt auf einmal gespenstisch, unheimlich. Liv durchlebt fantastische, traumartige Szenen, während sie dort liegt und überlegt, was passiert sein könnte. Und eine Gestalt taucht immer wieder auf in ihren Gedanken und Träumen: Gernot Schaballa, der Nachbar der Toten. Er wohnt eine Etage tiefer, er will zum Todeszeitpunkt angeblich Schüsse gehört haben. Schaballa – ein etwas aufdringlicher, ziemlich heruntergekommen wirkender, dabei ständig eisschleckender Zeitgenosse: Er scheint ein zentraler Grund für Livs innere Unruhe zu sein. In ihren Traumbildern sieht sie sich selbst als junges Mädchen in Schaballas Wohnung, allein mit ihm. Hat er ihr damals etwas angetan? Tut er auch heute noch anderen Mädchen und Frauen etwas an? Als Moormann Schaballas Wohnung inspiziert, entdeckt sie dort eine Luke, die sein Wohnzimmer direkt mit Susanne Kramers Schlafzimmer verbindet – aber der Nachbar behauptet, die Luke sei stets verschlossen gewesen. Und wieder spürt Liv seine aufdringliche, beinahe belästigende Art. Sie will jetzt einfach nur weg hier, will seine Wohnung, das ganze Haus verlassen – doch immer stellt Schaballa sich ihr in den Weg, hält sie auf. Am Ende schafft sie es doch – und ist zutiefst verstört von ihren eigenen unklaren, verschwommenen Gedanken, die sich einfach nicht ordnen lassen wollen.

Die sonst so professionelle und toughe Linda Selb hat im RB-Fernsehkrimi „Liebeswut“ derweil ihre eigenen Probleme. Nachts beobachtet sie Joachim Conradi in der Schule dabei, wie er sich an einer Kiste mit Fundsachen von Therese und Constanze Kramer zu schaffen macht. Der biedere Hausmeister verspürt offenbar pädophile Neigungen. Selb stellt ihn zur Rede – und droht ihm mit dem völligen Verlust seiner bürgerlichen Existenz. Am Tag darauf ist Conradi tot: Er hat sich in der Sporthalle der Schule erhängt. In mehrfacher Hinsicht eine Katastrophe für Linda Selb: Nicht genug damit, dass sie eigene Schuldgefühle plagen – auch ihr Haupttatverdächtiger ist ihr nun abhanden gekommen. Wenn Conradi die Mädchen entführt hat, hat er dieses Geheimnis nun mit ins Grab genommen. Für Moormann dagegen läuft alles auf den unheimlichen, unkalkulierbaren Gernot Schaballa als Täter hinaus. Doch Selb erkennt, dass Moormann in der Sache voreingenommen ist, dass sie in irgendeiner Weise in diesen ganzen tragischen Fall involviert ist – das stellt ihre gerade etwas vertrauensvoller werdende Beziehung erneut auf die Probe.

Derweil tauchen neue Ungereimtheiten auf: Anders als von Thomas Kramer behauptet, hatten seine Töchter wohl doch Handys – meint jedenfalls die Schulleiterin. Doch wer hat sie ihnen geschenkt? Und dann sind da noch die ominösen 30.000 Euro, die sich Thomas von seinem Schwiegervater geliehen hat und die nun plötzlich als Lösegeldforderung in einem Erpresserschreiben auftauchen. Führt die Spur also doch zurück zu Susanne Kramers Familie?

Den beiden Bremer Ermittlerinnen rennt die Zeit davon: Von den Mädchen fehlt weiterhin jede Spur, ein Hauptverdächtiger ist tot, bei den anderen gibt es bisher keine handfesten Motive oder Indizien. Und am Ende ist es wieder das Rot der Liebe, das alles überstrahlt – doch es ist ein blutiges, ein teuflisches Rot …

Tatort-Kritik

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Ein Tatort, der viel mehr ist als ein Krimi, nämlich ein wahrer Psychothriller, der ein Gesamtkunstwerk auf allen Ebenen darstellt: düstere Musik mit Anleihen bei Hitchcock, kräftige, grelle Farben, harte Schnitte, eine kompromisslose Figurenzeichnung, die die Tragik jedes einzelnen Charakters klar herausstellt, ohne ihn vorzuführen – herausragend hier das Spiel von Aljoscha Stadelmann –, dazu noch die surreal-fantastisch anmutenden Bild- und Handlungselemente, die einerseits ins Seelenleben von Liv Moormann führen, andererseits den Realitätsbezug bewusst infrage stellen (Warum müssen Krimis auch immer so schrecklich realistisch sein?): Das alles ist quer durch sämtliche Gewerke und von allen Beteiligten exzellent umgesetzt, sodass das Zuschauen und Miträtseln in jeder Minute einfach nur Spaß macht.

Tatort-Besetzung

Kommissarin Liv Moormann – Jasna Fritzi Bauer
BKA-Ermittlerin Linda Selb – Luise Wolfram
Thomas Kramer – Matthias Matschke
Gernot Schaballa – Aljoscha Stadelmann
Joachim Conradi – Dirk Martens
Sybille Dobeleit – Ulrike Krumbiegel
Burkhard Dobeleit – Thomas Schendel
Jaqueline Deppe – Milena Kaltenbach
Therese Kramer – Ella Bieleke
Constanze Kramer – Ava Bieleke
Liv Moormann als Kind – Lotta Herzog
u. v. a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Martina Mouchot
Regie – Anne Zohra Berrached
Kamera – Christian Huck
Musik – Jasmin Reuter, Martin Glos, Christian Ziegler
Kostüm – Coline Dubois-Gryspeert
Szenenbild – Irene Piel
Schnitt – Denys Darahan
Ton und Mischung – Frank Buermann
Lichttechnik – Roland Knitter
Außenrequisite – Peter Naguib
Setrequisite – Janina Lauer
Maske – Franziska Hüchelheim, Helen Laitzsch
Garderobe – Dada Neidhardt
Casting – Suse Marquardt
Aufnahmeleitung – Angela Krabbe
Produktionsleitung – Pascal Biermann
Herstellungsleitung – Jan Philip Lange
Koordination Produktion – Heiko Block, Arnold Konerding
Producer – Christoph Holsten
Produzent – André Zoch
Redaktion – Thomas von Bötticher


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