Tatort Folge 1139: Ein paar Worte nach Mitternacht



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Tatort Folge 1139: Ein paar Worte nach Mitternacht 4 21

„Ein paar Worte nach Mitternacht“ sind es, die den Berliner Tatort-Ermittlern Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) in ihrem 12. Fall Rätsel aufgeben. Der Tote, ein 90-jähriger Bauunternehmer, trägt ein handbeschriebenes Pappschild um den Hals: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen.“ Was steckt bloß dahinter?

Der 1139. Tatort-Krimi, eine Produktion des rbb, ist ein Filmbeitrag zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung und wird am Sonntag, den 4 Oktober 2020 um 20.15 Uhr erstmals in Das Erste ausgestrahlt.

Inhalt der Tatort-Folge „Ein paar Worte nach Mitternacht“

Klaus Keller, ein Bauunternehmer aus Berlin, feiert in seinem Stammlokal in Charlottenburg seinen 90. Geburtstag im engsten Kreis der Familie. Der Abend ist kühl, und es tröpfelt ein wenig vom Himmel herab. Es ist bereits nach Mitternacht, als sich der weißhaarige Mann von der Runde verabschiedet, das bestellte Taxi besteigt und müde nach Hause fährt. Sein Enkel Moritz schaut ihm nachdenklich hinterher.

In der nobel eingerichteten Wohnung angekommen, schenkt sich Keller gleich einen Whisky ein, lockert den Knoten der Krawatte und tritt hinaus auf die Dachterrasse. Er atmet befreit die kühle Nachtluft ein und schaut hinab auf die tanzenden Lichter in den Straßen Berlins. Am anderen Ende der Stadt beobachtet Klaus‘ Bruder Gert vom Dach eines Seniorenheims aus das Spektakel ebenfalls. Er raucht dort heimlich eine Zigarette – im Badmantel.

Am nächsten Morgen betreten die Berliner Kriminalkommissare Rubin und Karow die Dachgeschosswohnung von Klaus Keller. Der Kriminaltechniker Jansen und seine Kollegen haben den Tatort bereits gesichert. Im Fall „Ein paar Worte nach Mitternacht“ wurde die Haustür gewaltsam aufgebrochen, Zeugen des Hergangs gibt es allerdings keine. Der Baulöwe Keller sitzt niedergesunken auf einem Terrassenstuhl: eine Pistolenkugel hat seinen Schädel durchbohrt.

Hauptkommissar Karow begutachtet die Einschusswunde in der Schläfe des Toten und kommt zu dem Schluss: „Aufgesetzt.“ Seine Kollegin Rubin hingegen ist vielmehr an dem Schild interessiert, welches der Alte um den Hals trägt. „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“, steht dort in großen schwarzen Lettern geschrieben. „Sowas hat die SS Deserteuren um den Hals gebunden, bevor sie sie hingerichtet haben“, weiß die Jüdin Rubin zu berichten. Die Ermittlerin dreht das Schild um und erkennt ein abgerissenes Buchcover; der Rest des Werkes über die Wiedervereinigung Deutschlands liegt drinnen auf dem Sekretär. Verwertbare Fingerabdrücke gibt es am Tatort keine.

Die Kripo vernimmt im Tatort „Ein paar Worte nach Mitternacht“ als Erstes den Sohn von Klaus Keller, Michael, und dessen Frau Maja. Die zwei wollten das Geburtstagskind an diesem Morgen eigentlich zum Frühstück abholen und fanden schließlich die Leiche. Das Paar wirkt fassungslos über den Tod des Mannes, mit dem sie vor wenigen Stunden noch in den Geburtstag hineinfeierten. Sie erklären den Kriminalbeamten, dass Keller für sein Alter außerordentlich fit war und sogar ein neues Bauprojekt in Israel plante. Klaus Keller hatte sich die Versöhnung mit den Opfern des Holocausts zur Lebensaufgabe gemacht, und plante ein Dokuzentrum über die Shoa. Der Baubeginn sollte in zwei Wochen sein.

„Antisemitisches Hassverbrechen“, schlussfolgert Nina Rubin dem ersten Impuls folgend, und blickt ihren Ermittlungspartner an. Robert Karow erhebt Einspruch, denn so mache das Schild um den Hals des Opfers keinen Sinn. Warum nicht einfach „Judenfreund“ oder „Volksverräter“?

Viele Fragen sind im Mordfall „Ein paar Worte nach Mitternacht“ ungeklärt, und so setzen die beiden Kommissare die Gespräche mit den Familienmitgliedern fort. Ein altes Brüder-Foto aus HJ-Zeiten, das aus dem Wohnzimmer von Klaus Keller verschwunden ist, bringt die Kripo bald auf die Spur von Gert. Der BWL-Student Moritz, Sohn von Michael und Maja Keller, hatte ein enges Verhältnis zu seinem Großvater Klaus, und unterstützt Rubin und Karow bereitwillig bei ihren Ermittlungen. Der Enkel erzählt von dem Streit der Brüder Klaus und Gert; während Klaus nach dem Krieg die Firma im Westen Berlins aufbaute, arbeitete Gert im Osten für die Stasi. Selbst nach dem Fall der Mauer blieben die Brüder verstritten; der eine wurde zum Gewinner der Wende, der andere zum Verlierer. Dass die zwei alten Herren wenige Stunden vor der tödlichen Tat noch siebzehn Minuten lang miteinander telefonierten, will da nicht so recht ins Bild passen.

(Frage aus der Redaktion an dieser Stelle: Kommt Ihr eigentlich aus dem #Osten oder #Westen?
Eure Antworten unten in den Kommentaren!)

Je tiefer die Berliner Kriminalisten in die Familiengeschichte der Kellers eintauchen, desto deutlicher wird, dass nicht nur die Mauer dafür sorgte, dass man einander nicht traute. Selbst Michael und sein Sohn Moritz scheinen ein schwieriges Verhältnis zueinander zu haben. Gert Kellers Sohn Fredo, Besitzer einer Druckerei in Berlin-Pankow, wechselte ins rechte Lager und schreibt nun regelmäßig für die „Nationale Stimme“, in der er gegen die Keller GmbH wettert. Für die „Völkische Stimme“ sitzt der Berliner mittlerweile im Senat.

Karow befragt Moritz ein weiteres Mal, lässt sich das Handyvideo von Klaus Kellers kurzer Geburtstagsrede zeigen und lernt die attraktive Kellnerin Ruth als Zeugin der Feier im Restaurant kennen, Rubin sucht in der Zwischenzeit die Witwe des Opfers im Pflegeheim auf. Die demenzkranke Else Keller erweist sich als überzeugter Nazi, und die Hauptkommissarin muss sich sehr beherrschen, um ihre Fassung nicht zu verlieren …


Die Filmarbeiten zum rbb-Tatort „Ein paar Worte nach Mitternacht“ begannen am 9. März 2020 und mussten infolge der Corona-Pandemie einige Wochen lang unterbrochen werden. Am 26. Mai 2020 fiel dann die letzte Klappe. Gedreht wurde unter anderem in den Berliner Stadtteilen Charlottenburg (Breitscheidplatz), Kreuzberg sowie im Wohngebiet Weißensee im Bezirk Pankow.

Die Regie übernahm Lena Knauss, das Drehbuch schrieb Christoph Darnstädt, der selbst in Westberlin aufwuchs und gegenüber dem rbb zum Tatort-Skript erklärte: „[…] Mein (West)Deutschland [war] für mich das beste Deutschland, das es je gab. Daher ist mein Protagonist auch Klaus-Keller-West und ich empfinde mit ihm, auch wenn er Täter ist.“

Die Redaktion von Tatort-Fans meint …

Sabine (40 J. | Kinoliebhaberin)

Zwei geteilte Brüder und ihre Geschichte zur Wiedervereinigung. Bei diesem 12. Einsatz von Rubin & Karow (ein durchweg starkes Team!) fällt weder Negatives noch Positives allzu schwer ins Gewicht. Durchschnittskost, glücklicherweise ohne Einheits-Brei.

Gerald (40 J. | IT-Nerd)

Wieder ein sehr guter Fall mit dem Tatort-Team aus der Hauptstadt, mir hat’s gefallen. Der Film ist politisch aber nicht mit der Keule, sondern über die Familienschiene. War mal was anderes und natürlich passend zum Wochenende der Deutschen Einheit. Gut gemacht, von mir vier Sterne!

Tatort-Besetzung

Hauptkommissarin Nina Rubin – Meret Becker
Hauptkommissar Robert Karow – Mark Waschke
Kommissaranwärterin Anna Feil – Carolyn Genzkow
Kriminaltechniker Knut Jansen – Daniel Krauss
Frau Klotz vom Staatsschutz – Bettina Hoppe
Großvater Klaus Keller – Rolf Becker
seine pflegebedürftige Ehefrau Else Keller – Katharina Matz
Gert Keller, Bruder von Klaus Keller – Friedhelm Ptok
Michael Keller, Sohn von Klaus Keller – Stefan Kurt
seine Ehefrau Maja Keller – Marie-Lou Sellem
der Sohn Moritz Keller – Leonard Scheicher
seine Freundin Ruth, Kellnerin – Victoria Schulz
Fredo Keller, Neffe von Klaus Keller, Besitzer einer Druckerei – Jörg Schüttauf
seine Ehefrau Susanne Keller – Lina Wendel
Dieter Karow, Vater von Robert Karow – Dietrich Hollinderbäumer
Inge Karow, Mutter von Rober Karow – Rita Feldmeier
Stationsärztin – Selda Kaya
Frau Kazinski, Betreuerin im Pflegeheim – Vera Streicher
Adnan Jasari – Slavko Popadic
Spätibesitzer – Ali Bulgan
Kiezbewohner – Stephan Grossmann
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Christoph Darnstädt
Regie – Lena Knauss
Kamera – Eva Katharina Bühler
Szenenbild – Jörg Baumgarten
Schnitt – Katharina Fiedler
Ton – Ludwig Bestehorn
Musik – Moritz Schmittat

Bilder-Galerie zum Krimi aus Berlin


32 Meinungen zum Tatort Folge 1139: Ein paar Worte nach Mitternacht

  • Henning • am 4.10.20 um 18:44 Uhr

    Ich bin mal gespannt, wie die Drehbuchautoren das gemacht haben, einen bei Kriegsende 15-jährigen überhaupt in den Verdacht zu bringen, ein Deserteur gewesen zu sein. Aber gut… wir werden sehen.


  • Sandra • am 4.10.20 um 18:54 Uhr

    Das ist so abwegig nicht, denn es wurden damals auch Minderjährige einberufen.


  • Winfried Vorbeck • am 4.10.20 um 20:14 Uhr

    Mein Vater war bei Kriegsende 15 und war gottseidank zu jung


  • U.Weigelt • am 4.10.20 um 21:10 Uhr

    Wie soll einer das verstehen im vereinten Deutschland der kein DDR Bürger ist. !!!Westdeutsche kennen die DDR Geschichte nicht und interessieren die DDR Geschichten ganz bestimmt nicht. Für Westdeutsche ist der Krieg vergessen und was meine Vorgahren gemacht habe ist mir schnuppe.Wir leben im Jetzt und sollten schaun das andere die Welt mit Kriege nicht noch mehr kapputt machen. Da wird über Umweltschutz geredet, andere zünden Bomben und Granaten und wir, weil wir benzingetriebene Autos Fahren machen die Umwelt kapputt???? Wie soll das weiter gehen?


  • Petra • am 4.10.20 um 21:54 Uhr

    Danke, gute Folge!


  • Der Fremde • am 4.10.20 um 21:59 Uhr

    Das allgemeine Thema des heutigen TO finde ich nach dessen x-ter filmischer Verarbeitung nicht mehr allzu prickelnd und auch der größte Zeitanteil der heutigen Folge plätscherte für mich so dahin. Die Auflösung des Falles am Schluss fand ich jedoch sehr überraschend bis sensationell. Daher doch noch die gute Bewertung!


  • Klaus,Uwe • am 4.10.20 um 22:03 Uhr

    Fragen über Fragen. Greultaten sind im Krieg an der Tagesordnung. Ob sie Deutsche in den Weltkriegen , Engländer in Indien oder US Soldaten in Vietnam begangen haben. Leider dulten wir Kriege in dieser unseren Welt. Wie lange wird es Menschen geben die ihr Morden bedauern.


  • Sino • am 4.10.20 um 22:03 Uhr

    Beeindruckender, stiller Film.
    Die Auflösung des „Mordes“ überzeugt zwar nicht, aber das ist eigentlich Nebensache.
    Einfühlsam erzählt, ohne die Kommissare als Moralapostel zu missbrauchen. Viele Bilder von Berlin, dezenter Soundtrack. Passt alles gut zusammen.

    Bescheidenheit statt Überfrachtung zum Einheitsjubiläum. Find ich gut, Lärm gibt es auch so genug.

    Frage an die Experten: Gibt es diese Tafel so wirklich oder ist die ein fiktives Symbol?


  • Christine Stiebritz • am 4.10.20 um 22:07 Uhr

    Immer wieder die selben Mechanismen, wen wollt ihr da noch hinter dem Ofen vorlocken? Es war so langweilig, dass ich nach gefühlten drei Stunden umgeschaltet habe!


  • M • am 4.10.20 um 22:16 Uhr

    Der beste Tatort seit Langem! Atmosphärisch dicht, hervorragend gespielt und inszeniert. Dass sich der Zuschauer der etwas aufpasst die Auflösung schon lange vor den Kommissaren zusammenreimen kann, wäre nicht notwendig gewesen, tut meinem positiven Gesamteindruck aber keinen Abbruch.


  • V. Van Waalwijk • am 4.10.20 um 22:24 Uhr

    Diese Gedenktafel, an einer Straße in Berlin , gibt es die wirklich? Wenn ja, an welche Straße ?


  • Attila • am 4.10.20 um 22:24 Uhr

    Man wollte ein bißchen zu viele gesellschaftliche Fragen eingreifen (Nazis, Stasi, Wiedervereinigung), aber davon abgesehen war es ein sehr starker Tatort. Gutes Buch, gute Regie, alles stark.
    Sino: Ja, die gibt es.


  • Nelly! • am 4.10.20 um 23:09 Uhr

    Kein einziges mal habe ich während der Folge auf mein handy oder sonst wo drauf geguckt, und das heißt was. Ruhig erzählt mit guten Bildern, und ja, mich würde auch interessieren, ob es diese Gedenktafel tatsächlich gibt.


  • alter Fan (tm) • am 5.10.20 um 0:33 Uhr

    sehr gut gemachter TO mit allem , was dazu gehört – der “ Politfaktor “ stand meiner Ansicht nach bei dieser Produktion nicht direkt im Vordergrund eigentlich waren es in erster Linie ethische Gründe , die den geschichtsträchtigen Ablauf der Handlung bestimmt haben – wer kann sich heute schon in die Zeit und in die Köpfe absolut manipulierter 15 jähriger hineinversetzen – die einzige Informationsquelle für diese Menschen zu jener Zeit war die Göbbels Propaganda und die hatte es wirklich in sich – man kann sich nur wünschen , daß der Trend heutiger Manipulationen mal nicht derartige Auswüchse verursacht – oder was passiert möglicherweise mit 4 bis 5 jährigen + , die sich heutzutage ausschließlich nur noch mit dem Smartphone beschäftigen – wie sieht´s da in den Köpfen aus , wenn die 15 sind ?


  • Till Schneider • am 5.10.20 um 7:33 Uhr

    Ich schätze, jedes Tatort-Team muss mal eine Nazi-Folge drehen, damit auch alle Zuschauer von der Botschaft erreicht werden, und damit die Aufgabe gerecht auf alle Teams verteilt ist. Das wird wohl die Tatort-Oberaufsicht so festgelegt haben: Ein Bekenntnis pro Team – nicht nur eines im gesamten Tatort. So, wie ich die Oberaufsicht kenne bzw. einschätze, fände ich das logisch, und im Quoten-Zeitalter sowieso. Heute waren eben die Berliner an der Reihe.

    Das Thema ist wahrlich nicht mehr prickelnd, @Der Fremde, aber der Film war’s für meinen Geschmack noch weniger. Ich glaube, wenn man als Zuschauer keine stramm „antifaschistische“ Einstellung hat, und zwar genau die von der großstädtisch-zeitgeistigen Sorte à la Berlin (inkl. Befürwortung von Hausbesetzer-Szene, „Antifa“ usw.), dann muss einem der Befragungs-Stil der Kommissare fremd bleiben, insbesondere der von Rubin. Diese augenrollende Gereiztheit, dieses von-vornherein-Bescheidwissen über die Befragten und die dazugehörigen (Vor-)Urteilssprüche schon beim ersten Interview … man kann sich nicht hineinversetzen, wenn man auch nur ein bisschen anders tickt. Das stört mich ganz gewaltig, allein schon in filmischer Hinsicht. Oder soll der Zuschauer dazu motiviert werden, selber in diese Super-Aufgeregtheit zu verfallen? Für mich fühlt es sich fast so an. Will ich aber nicht, und finde ich auch nicht zwingend geboten, sondern übertrieben. Sogar bei der Nazi-Thematik. Na ja, der Film hat eine Variante davon gebracht, die weniger holzschnittartig war als sonst, aber das hat’s für mich nicht rausgerissen. An einer Stelle wurde z.B. gesagt, die „Völkischen“ oder einer der Protagonisten würden den Holocaust als „Bagatelle“ oder „Lappalie“ einstufen. Ich fürchte, das war eine „Übersetzung“ von Alexander Gaulands Bezeichnung „Fliegenschiss“ für die 12 Jahre der Nazi-Regierung – was sachlich grottenfalsch wäre, aber auf diesem Niveau geht es öfters zu beim ÖR. Und die jüdische Geschichts-Studentin mit Schwerpunkt „Faschismus“ und den entsprechenden Lehrbuch-Weisheiten war mir um Dimensionen zu ausgestanzt.

    Zurück zu Rubin: Ich habe bei ihr nur „Haltung“ in gereizter Darreichungsform gesehen. Sollte es beabsichtigt gewesen sein, dass sie (auch) Betroffenheit zeigt – was bei diesem Fall naheliegend bis geboten gewesen wäre –, dann wär’s komplett schiefgegangen. Ich nehm’s ihr jedenfalls nicht ab. Ihre Dauer-Pampigkeit, die oft ins Obszöne geht, liegt über allem. Die lässt keinen Raum für etwas anderes, und sie ist schrecklich unangenehm. Für mich ist sie Dauer-Stress.

    Ansonsten: Eine weit hergeholte Geschichte mit oftmals sehr bemühten Dialogen, bis hin zu unglaubwürdigem Pathos (der Sohn in der Schlußszene mit dem Vater), entrollt in zähem Tempo. Bei diesem Film ist mir besonders aufgefallen, wie stereotyp die Standard-Nazi-Bausteine solcher Drehbücher ineinandergreifen. Schwache zwei Sterne.


  • kressin • am 5.10.20 um 9:27 Uhr

    Der Kommentar von Herrn Schneider nötigt mich zu einer Antwort, denn was dort in in blumigen Worten beschrieben wird, ist nichts weiter als die übliche rechtskonservative Mär vom „Staatsfunk“, der „Volkserziehung“ betreibt. Es scheint in diesen Kreisen schon reflexhaft zu sein, jegliche Werke auf ihre politische Haltung abzuklopfen und sollte sich diese irgendwo links der AfD manifestieren, fühlt man sich auf den Schlips getreten und meint, von irgendwelchen ominösen Mächten „da oben“ „indoktriniert“ zu werden.
    Und ja, die 1000 Jahre zwischen 1933 und 1945 als „Vogelschiss“ zu bezeichnen (was Gauland getan hat und genau so verstanden wurde, wie es gemeint war), ist eine fatale Relativierung und nur eine von etlichen Entgleisungen aus dieser Partei in diese Richtung. Es ist nunmehr seit Jahren völlig klar, wo diese Partei steht und treffender als AfD-Mandic selbst kann man es nicht ausdrücken: „Von der NPD unterscheiden wir uns vornehmlich durch unser bürgerliches Unterstützerumfeld, nicht so sehr durch Inhalte.“.

    Dabei kann der gestrige „Tatort“ auch von der linken Seite des politischen Spektrums ähnlich kritisiert werden. Die Besetzung des völkischen Fredo mit dem sympathischen Schüttauf, dem Wendeverlierer, dem viel Unrecht geschehen ist und seine ebenso desillusionierten Frau mit verständlichen Sorgen und Nöten können durchaus als apologetisch aufgefasst werden.
    Im Gesamtbild sollte das wohl alles aus Sicht des Drehbuchautors eine differenzierte Darstellung ergeben, was ich als überwiegend gelungen bezeichen würde.

    Die klare Haltung Rubins fand ich als Kontrast sehr angenehm.
    Insgesamt war das Konstrukt etwas holzschnittartig und unbeholfen aufgezogen, aber spannend genug, um dranzubleiben. Extra-Punkt für die exzellente Besetzung (Marie-Lou Sellem, Stefan Kurt, der bereits erwähnte Jörg Schüttauf, Lina Wendel, Rolf Becker etc.) und die gute Kameraarbeit (Eva-Katharina Bühler).


  • Hanz W. • am 5.10.20 um 9:42 Uhr

    Sehr gelungener, phasenweise beeindruckender Tatort, meiner Erinnerung nach einer der, wenn nicht der stärkste Berliner bisher mit Karow und Rubin. Man ist ja mit guten Gründen einigermaßen skeptisch, wenn die x-te Version der Nazi-Vergangenheits“bewältigung“ annonciert wird, zumal im Tatort: zu oft bleibt das im penetrant Belehrenden stecken, dampfen die jeweiligen Kommissare regelrecht vor moralischem Pathos, werden Klischees aufgefahren, dass einem buchstäblich Hören und Sehen vergeht. Der Tatort gestern war in jeglicher Hinsicht angenehm anders. Nicht gerade ein Kammperspiel, aber doch zurückgenommen, abwägend, vielerlei Betrachtungen zulassend. Die eigentlich fast schon tragische Gestalt war ja der Vater: vom Großvater in die Firma gezwungen, vom Sohn verachtet und angefeindet und dann auch noch in Gefahr, alles zu verlieren wegen etwas, wofür er nun schlecht was konnte. Und dass sich Geschäfstinteressen, Schuld und die Hoffnung auf Vergebung unentwirrbar verknäueln… ein deutsches Familiendrama, hochpolitisch und höchstpersönlich, historisch schwer überschattet und überzeitlich zugleich. Unentschieden bin ich in der Frage, ob es die Geschichte der beiden Familienstämme überhaupt gebraucht hat, obwohl sie zweifellos auch Farbe ins Spiel gebracht hat. Es sollte wohl die ganze Bandbreite zumindest mal angespielt werden – Kapitalist und Stasi-Mann, Antifa und Neo-Nazis -, aber vor allem die Figur des Fredo blieb doch sehr blass und dramaturgisch letztlich überflüssig (sieht man von der ominösen Tasse mal ab). Der von mir ansonsten sehr geschätzte Jörg Schüttauf wirkte hier schon ziemlich unterfordert, weil seine Figur nun einmal nicht viel mehr hergab.
    Karow und Rubin hervorragend, die beiden haben wohl ihren Stil gefunden, der mir persönlich in den Anfangsfolgen noch ein wenig zu grell war. Insbesondere beeindruckend, wie Meret Becker die Gratwanderung zwischen Betroffenheit (der Figur Rubin), Zweifel (wie sie selbst / ihr Sohn gehandelt hätte) und professioneller Ermittlung hinbekommen hat, auch dieses wieder ohne jede triefende Moralseligkeit. Karow wird immer stärker, je „normaler“ er agiert, ein Hinweis darauf, dass immer noch eine Umdrehung mehr ins Übersteigerte oft eher schadet. Sehr überraschend: das Tafelspitz-Essen bei Karows Eltern. Hätte einer vermutet, dass der überhaupt Eltern hat??
    Der bisher weitaus beste Tatort der neuen Saison, sehr überzeugend, vier starke Sterne.


  • Ekkehard Grube • am 5.10.20 um 11:05 Uhr

    Kommt auf meine persönliche Bestenliste

    Weit mehr als nur ein „Tatort“ – ein großartiger Film über das Weiterwirken von Schuld und den Fluch der bösen Tat.

    Zwei Menschen haben im Dritten Reich einen Deserteur gehängt und werden von dieser Tat über ein halbes Jahrhundert nach ihrer Begehung beide in den Selbstmord getrieben.

    Beider Söhne sind nicht an der Aufarbeitung interessiert – der eine, weil der die Firma nicht ruinieren will, der andere, weil er ein Rechtsradikaler ist (wozu er möglicherweise auch aus Abscheu über die Stasikarriere seines Vaters wurde).

    Eine hochbetagte Altersheiminsassin kann nicht den Blick ihres Opfers vergessen, das sie durch ihre Denunziation den Nazi-Schergen ausgeliefert hat.

    Und der Enkel, der an einer Aufarbeitung interessiert ist und seinen Großvater in dessen Plan unterstützt, die Tat zu gestehen, wäre um Haaresbreite auch schuldig geworden, weil er aus Wut gegen seinen Vater diesem den Tod seines Großvaters, der ein Selbstmord war, in die Schuhe schieben wollte.

    Die schauspielerischen Leistungen aller Beteiligten waren herausragend. Besondere Erwähnung verdient die 90-jährige Katharina Matz, die ihre Rolle mit toller Präsenz spielte. Bereits im vorvorigen Berliner Tatort „Das Leben nach dem Tod“ hatten wir eine ebenso herausragende Leistung von dem damals 88-jährigen, inzwischen verstorbenen Otto Mellies erlebt.

    Zum 30. Jahrestag der deutschen Einheit war dies eine sehr gelungene Beschäftigung mit den Nachwirkungen von 2 unmittelbar aufeinander folgenden totalitären Regimen auf deutschem Boden. Auch der Titel von Christian Buß‘ Filmbesprechung – „Berlin, Stadt der Schuld“ – ist sehr treffend. Nichts wirkte hier penetrant belehrend. Danke für einen Tatort von seltener Tiefe und Eindringlichkeit.


  • Argos • am 5.10.20 um 11:08 Uhr

    Reduziert vom Pathos um Wiedervereinigung und Naziverbrechen bleibt leider nicht all zu viel übrig von diesem Tatort.
    Nach wie vor bleibt der Tatort für mich ein Krimi und auch in diesem wurde nach dem üblichen whodunit Schema vorgegangen, um einen Täter zu ermitteln.
    Leider wurde aber zu viel Wert darauf gelegt, eine Geschichte rund um Naziverbrechen, Stasi, Profitgier und Antifa zusammen zu stricken, durch welche die beiden Ermittler dann tappen.
    Hätte die Spurensicherung bereits zu Beginn ihre Arbeit am Tatort ordentlich erledigt und die aufgebrochene Haustür des Opfers nach Fingerabdrücken untersucht wäre man dort sicherlich fündig geworden. Und dann wäre Herr Keller, junior, der noch bei seiner polizeilichen Vernehmung so stolz auf das negative Ergebnis seiner Schmauchspurenanalyse war, in arge Schwierigkeiten geraten. In ausreichendem Umfang hätte man seine Abdrücke am Tatort gefunden. Eine anschließende Überprüfung der Motorradhandschuhe, die er ständig mit sich führte, hätte sicherlich Rückstände von Waffenöl ergeben…
    In anderen Tatorten wurden an Hand solcher Indizienketten schon Täter überführt und ich bin mir sicher, in diesem Fall hätte auch Herr Keller, junior, Schwierigkeiten gehabt, die Theorie vom Selbstmord seines Großvaters noch plausibel zu erklären. Vielleicht hätte er tatsächlich das Glück gehabt, daß sich noch jemand die Mühe gemacht hätte eine Schmauchspurenanalyse beim Opfer zu vorzunehmen.
    Die Auflösung des Mordes ist keine Nebensache, sie macht den Krimi vielmehr aus. Und wenn sie zur Nebensache wird (@Sido), hat der Krimi seine Intention verloren und gehört dann als kleines Kammerspiel ins Nachtprogramm.
    Dieser Tatort war durchaus unterhaltsam, ich sehe das Berliner Team sehr gerne und bedaure jetzt schon das Ausscheiden von Meret Becker. Ein sehr guter Tatort war es aber bei weitem nicht.


  • Dan • am 5.10.20 um 14:57 Uhr

    hello, hat jemand ne Idee, woher man Infos zur Ausstattung bekommen kann? Mir gefiel Merets Jacke gestern so gut….ARD rückt leider nix an Infos raus.

    Danke für eure Hilfe

    Dani


  • Karin L. • am 5.10.20 um 15:45 Uhr

    Beeindruckend und dem 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung angemessen.
    Alles andere wurde schon erschöpfend analysiert. Und ein Tatort, bei dem man dabei bleibt, und nicht nach der Fernbedienung zum Zappen schielt. Das ist bei einem Tatort inzwischen erwähnenswert und außergewöhnlich. Leider.


  • MoistvonLipwik • am 5.10.20 um 16:54 Uhr

    Durchaus gelungen.
    Nach wie vor aktuelles Thema, verbunden mit persönlicher Verstrickung und Schuld, dazu Generationenkonflikte. Der Fall wurde bis zur überraschenden Lösung gut, nicht überhastet, aber auch ohne Längen, entwickelt, die schauspielerische Leistung ist sehenswert (herausragend Meret Becker als Nina Rubin, die sich nur mühsam beherrschen kann, als eine Altersheiminsassin darüber spricht, wie sie Juden und ihre Helfer denunzierte). Passend zum Thema wurde das Markenzeichen der Berliner Tatorte, die kleinen Stadtimpressionen, vom Schnellbahnnetz zu den Stätten der Vergangenheit verschoben. Daneben auch ein paar humoristische Einlagen (Karows Einladung zum Essen: Tafelspitz).
    Für diejenigen, die es nicht mitbekommen haben: die Kreuzung mit der Gedenktafel ist Uhlandstraße/Berliner Straße im Bezirk Wilmersdorf: U-Bahnhof Blissestr., östlicher (also in Fahrtrichung Rudow liegender Ausgang).
    Der bereits angekündigte Ausstieg Meret Beckers wird gleichzeitig mit vorbereitet. Das ist schade, denn das Berliner Team hat mir immer sehr gefallen.


  • petrasmiles • am 5.10.20 um 17:16 Uhr

    Aus der Westbrille hat mir der Tatort gefallen. Aber.
    Wenn man einen Eindruck davon bekommen möchte, was an der Wiedervereinigung schiefgelaufen ist, der muss nur mal diesen Berliner Tatort analysieren – dreißig Jahre nach der Wende!
    Da stehen sich vordergründig der erfolgreiche Unternehmer aus dem Westen und der ehemalige Stasioffizier aus dem Osten als Brüder gegenüber, die trotz Wiedervereinigung keinen Weg zueinander gefunden haben. Der West-Bruder ist augenscheinlich ermordet worden und der Verdacht fällt auf den Sohn des Ost-Bruders, der völkisch aktiv ist und dessen Frau als Stereotyp einer Pegida-Frau dargestellt wird. Auch, wenn im weiteren Verlauf der Aufklärung des Falles dieser Verdacht unbegründet bleibt, sind die normativen Rollen vergeben und werden auch nicht hinterfragt. Drittes Reich und DDR werden in einem Kontext verhandelt, der vom Dritten Reich deformierte Ost-Bruder will den Nazismus verhindern, kämpft aber auch gegen freiheitlich orientierte DDR-Bürger und wird weiter deformiert, was er dann auch an seinen Sohn weitergibt. Während der West-Bruder gegen die Deformierung ankämpfte und nicht nur im Westen auf der Seite der Richtigen war, sondern auch die richtige Botschaft an seine Nachkommen weitergegeben hat, sich seiner Verantwortung zu stellen. Und um das Maß voll zu machen, wird der dann erwiesene Freitod des West-Bruders zu einem aufklärerischen Akt stilisiert, während sich der Ost-Bruder einfach erdrückt von der Last seiner Schuldgefühle vom Dach stürzt. Das dann der Sohn des Ost-Bruders auch noch als Erpresser im Raum steht, der auch was vom Westkuchen abhaben möchte, ist dann die Kirsche auf der Sahne der stereotypen Legendenbildung in Folge der Unrechtsstaat Debatte.
    Von hier aus nahm das Narrativ seinen Lauf, das keine der Leistungen, aber die latente Verstrickung in Stasiaktivitäten die Stereotypisierung der ehemaligen DDR-Bürger festlegte und über die politischen Medien und die Tagespresse ihren Einzug in diverse Federn von LeitartiklerInnen und DrehbuchautorInnen fand und so im Laufe der wiedervereinigten Jahre zu geronnener ‚Geschichte‘ wurde. Noch dreißig Jahre nach der Wende muss sich ein Ostdeutscher diese Stigmatisierung gefallen lassen, die als politische Losung begann und das gesamtdeutsche Narrativ determiniert. Dreißig Jahre Nadelstiche, Schuldzuweisung und Missachtung – von den Regierenden, der öffentlichen Meinung, sogar den DrehbuchautorInnen. Im konkreten Fall war das sogar so gewollt – die Fortsetzung des Narrativs vom unrechtsstaatlichen Akteur zum Demokratiefeind, damit man auch die AfD-Wähler gleich mitabgefrühstückt hat. Mehr ignoranter mainsteam geht nicht.
    Und wir merken es nicht einmal.


  • Christian • am 5.10.20 um 17:57 Uhr

    In früheren Tatorten aus den 90ern oder frühen 00ern waren wenigstens noch ehemalige SS-Schergen die Bösen. Jetzt muss man Storys um ehemalige HJ-Buben konstruieren. Vielleicht sollten die sich einfach mal was neues ausdenken.


  • Smokie • am 5.10.20 um 18:14 Uhr

    Der Anfang dieses Tatorts war ganz gelungen, aber dann wurde es doch plötzlich etwas viel, was man in dieser Tatort-Folge alles, an menschlicher Verworfenheit, hineinpressen wollte. Erfolgreich gewordene Erwachsene mit dunklen Kindheitstaten. Die alte Dame, die schon in noch jungen Jahren zur Denunziationkünstlerin wurde, entstammte wahrscheinlich einem ganz toll angepassten Elternhaus oder war, von ihrem Naturell her, einfach ein kleines Miststück. In diesem Film zwar (nur) Fiktion, aber durchaus auch real vorstellbar.


  • Henning • am 5.10.20 um 19:00 Uhr

    @petrasmiles und @Till Schneider haben schon alles formuliert, was ich mir zu diesem Film gedacht habe. Wenn ich mich daran erinnere, wie frenetisch und optimistisch wir vor 30 Jahren mit der Wiedervereinigung angefangen haben und auf welche Schwerpunkte das Flaggschiff der Sonntagabendunterhaltung dieses Ereignis nun herunterbricht, dann finde ich das schon ganz schön traurig. 2 Sterne für die Darsteller.


  • Sir Sherlock • am 5.10.20 um 19:40 Uhr

    Seit langer Zeit mal wieder ein gelungener Tatort. Mit intresanter Story und gut gespielt. Weiter so !


  • stephan_muenchen • am 6.10.20 um 13:47 Uhr

    Tja – das war er nun, der diesjährige „Tag der deutschen Einheit“- Tatort, anlässlich des 30. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung. Und erfrischenderweise war es kein Ost-West-Tatort, sondern sehr interessanter Beitrag zum Thema Schuld und Sühne Nazizeit.

    Mir war klar, dass einige in der Fan-Gemeinde da schon frühzeitig aufgeheult haben: „Kann man nicht mal endlich aufhören mit der Vergangenheitsbewältigung und nach vorne schauen?“ oder „Dass die Öffentlich Rechtlichen immer wieder mit der Moralkeule gegen rechts austeilen müssen – iss ja klar!“ usw.. Okay mir gehen eher die Pawlow-artigen Reflexe auf den Keks – politisch diskutieren kann man aber anderswo.

    Hier geht es um Fernsehunterhaltung und die Art und Weise, wie ein Thema inszeniert und von den Schauspielern transportiert wird. Und das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Wo es vordergründig um einen (vermeintlichen) Mord und dessen Aufklärung ging, offenbarte sich nach und nach ein großes Familiendrama, das irgendwie auch die tatsächliche Zerrissenheit unserer Gesellschaft spiegelte. Und hinter allem stand eine große Sünde aus einer hoffentlich nie vergessenen Zeit. Der ermordete Bauunternehmer arbeitete Zeit seines Lebens daran, seine Schuld aus dem dritten Reich zu sühnen, doch die allergrößte Schuld hatte er bis dato verschwiegen und sein 90igster Geburtstag sollte der große Anlass für die Enthüllung sein. Dann wird er erschossen auf der Dachterrasse seiner Wohnung aufgefunden mit einem Schild um den Hals „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“ – die Wohnungstür aufgebrochen, die Tatwaffe verschwunden.
    Wo zunächst alles auf einen Fall für den Staatsschutz hinzeigte und von Nina Rubin auch gerne dorthin abgegeben werden wollte, zeigte sich sehr schnell, dass die Ursachen und der Täter eher in der zerrissenen Familie des Opfers zu finden sein muss. Doch die Suche stellt das Ermittlerduo Rubin und Karow immer wieder vor große Rätsel. Potentielle Täter mit Motiv gibt es zu genüge. Und bis zum dann doch überraschenden Ende tauchen Rubin und Karow tief ein in die Abgründe einer gespaltenen Familie und decken nach und nach das wahre Motiv für die Tat auf. Und am Schluss ist der Fall zwar aufgeklärt, doch die Ursache dafür wie auch das Verhalten der verschiedenen Verdächtigen macht betroffen… wie auch das Nachdenken über das Kernmotiv des Tatorts „Ein paar Worte nach Mitternacht“.

    Wie groß wirkt eine Sünde aus der Vergangenheit? Wie weit ist dafür Sühne zu leisten? Und wo endet diese Sühne, wenn dadurch wiederum andere Existenzen in Mitleidenschaft gezogen werden? Was ist wichtiger – das Begleichen eine Schuld oder das Sichern einer Existenz oder eines durchaus luxeriösen Status Quo.

    Ganz am Schluss ist es ein kleines Schild auf einer Verkehrskreuzung, das all diese Fragen bündelt, aber eine Antwort nicht geben kann.

    Ein starker Tatort und ein starkes Ermittlerduo. Schade, dass Meret Becker ihren Ausstieg aus dem Tatort schon verkündet hat – die Tatort Gemeinde verliert ein tolles Ermittler-Duo!


  • Marc • am 7.10.20 um 0:55 Uhr

    Hat jemand den letzten Satz von Rubin akustisch verstanden? Ich hab’s jetzt mehrmals angehört und versteh’s nicht.


  • Momi • am 8.10.20 um 19:20 Uhr

    Hat mir gefallen, sehr konstruierte Problematik, aber durchwegs spannend und alles in allem ein guter Tatort für einen unterhaltsamen Abend. Meret Becker war Spitze, Mark Waschke sehe ich sehr gerne. 4 Sterne müssen genügen.


  • MarkTZ • am 10.10.20 um 21:55 Uhr

    Guten Tag, für alle die gefragt haben, diese Tafel gibt es wirklich. Steht mitten auf der Kreuzung von Uhlandstraße und Berliner Straße in Wilmersdorf.
    Nur ist sie seltsamerweise im Film „gedreht“, d.h. in Richtung des Rasenstreifens aufgestellt, während sie in Wirklichkeit genau andersrum steht, d.h. die Seite mit dem Schriftzug ist zur Straße und v.a. dem Ampelübergang auf der Mitellinsel, gedreht.


  • Sabine • am 12.10.20 um 10:39 Uhr

    Herzlichen Dank @MarkTZ für die Ausführungen! :)

    Beste Grüße aus der Redaktion,
    Sabine


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