Tatort Folge 1139: Ein paar Worte nach Mitternacht



So 04.10. 20:15 Uhr ARD

So 04.10. 21:45 Uhr ONE

Di 06.10. 00:40 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2020
Kommissar: Rubin und Karow
Ort: Tatort Berlin


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Tatort Folge 1139: Ein paar Worte nach Mitternacht 0 0

„Ein paar Worte nach Mitternacht“ sind es, die den Berliner Tatort-Ermittlern Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) in ihrem 12. Fall Rätsel aufgeben. Der Tote, ein 90-jähriger Bauunternehmer, trägt ein handbeschriebenes Pappschild um den Hals: „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen.“ Was steckt bloß dahinter?

Der 1139. Tatort-Krimi, eine Produktion des rbb, ist ein Filmbeitrag zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung und wird am Sonntag, den 4 Oktober 2020 um 20.15 Uhr erstmals in Das Erste ausgestrahlt.

Inhalt der Tatort-Folge „Ein paar Worte nach Mitternacht“

Klaus Keller, ein Bauunternehmer aus Berlin, feiert in seinem Stammlokal in Charlottenburg seinen 90. Geburtstag im engsten Kreis der Familie. Der Abend ist kühl, und es tröpfelt ein wenig vom Himmel herab. Es ist bereits nach Mitternacht, als sich der weißhaarige Mann von der Runde verabschiedet, das bestellte Taxi besteigt und müde nach Hause fährt. Sein Enkel Moritz schaut ihm nachdenklich hinterher.

In der nobel eingerichteten Wohnung angekommen, schenkt sich Keller gleich einen Whisky ein, lockert den Knoten der Krawatte und tritt hinaus auf die Dachterrasse. Er atmet befreit die kühle Nachtluft ein und schaut hinab auf die tanzenden Lichter in den Straßen Berlins. Am anderen Ende der Stadt beobachtet Klaus‘ Bruder Gert vom Dach eines Seniorenheims aus das Spektakel ebenfalls. Er raucht dort heimlich eine Zigarette – im Badmantel.

Am nächsten Morgen betreten die Berliner Kriminalkommissare Rubin und Karow die Dachgeschosswohnung von Klaus Keller. Der Kriminaltechniker Jansen und seine Kollegen haben den Tatort bereits gesichert. Im Fall „Ein paar Worte nach Mitternacht“ wurde die Haustür gewaltsam aufgebrochen, Zeugen des Hergangs gibt es allerdings keine. Der Baulöwe Keller sitzt niedergesunken auf einem Terrassenstuhl: eine Pistolenkugel hat seinen Schädel durchbohrt.

Hauptkommissar Karow begutachtet die Einschusswunde in der Schläfe des Toten und kommt zu dem Schluss: „Aufgesetzt.“ Seine Kollegin Rubin hingegen ist vielmehr an dem Schild interessiert, welches der Alte um den Hals trägt. „Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen“, steht dort in großen schwarzen Lettern geschrieben. „Sowas hat die SS Deserteuren um den Hals gebunden, bevor sie sie hingerichtet haben“, weiß die Jüdin Rubin zu berichten. Die Ermittlerin dreht das Schild um und erkennt ein abgerissenes Buchcover; der Rest des Werkes über die Wiedervereinigung Deutschlands liegt drinnen auf dem Sekretär. Verwertbare Fingerabdrücke gibt es am Tatort keine.

Die Kripo vernimmt im Tatort „Ein paar Worte nach Mitternacht“ als Erstes den Sohn von Klaus Keller, Michael, und dessen Frau Maja. Die zwei wollten das Geburtstagskind an diesem Morgen eigentlich zum Frühstück abholen und fanden schließlich die Leiche. Das Paar wirkt fassungslos über den Tod des Mannes, mit dem sie vor wenigen Stunden noch in den Geburtstag hineinfeierten. Sie erklären den Kriminalbeamten, dass Keller für sein Alter außerordentlich fit war und sogar ein neues Bauprojekt in Israel plante. Klaus Keller hatte sich die Versöhnung mit den Opfern des Holocausts zur Lebensaufgabe gemacht, und plante ein Dokuzentrum über die Shoa. Der Baubeginn sollte in zwei Wochen sein.

„Antisemitisches Hassverbrechen“, schlussfolgert Nina Rubin dem ersten Impuls folgend, und blickt ihren Ermittlungspartner an. Robert Karow erhebt Einspruch, denn so mache das Schild um den Hals des Opfers keinen Sinn. Warum nicht einfach „Judenfreund“ oder „Volksverräter“?

Viele Fragen sind im Mordfall „Ein paar Worte nach Mitternacht“ ungeklärt, und so setzen die beiden Kommissare die Gespräche mit den Familienmitgliedern fort. Ein altes Brüder-Foto aus HJ-Zeiten, das aus dem Wohnzimmer von Klaus Keller verschwunden ist, bringt die Kripo bald auf die Spur von Gert. Der BWL-Student Moritz, Sohn von Michael und Maja Keller, hatte ein enges Verhältnis zu seinem Großvater Klaus, und unterstützt Rubin und Karow bereitwillig bei ihren Ermittlungen. Der Enkel erzählt von dem Streit der Brüder Klaus und Gert; während Klaus nach dem Krieg die Firma im Westen Berlins aufbaute, arbeitete Gert im Osten für die Stasi. Selbst nach dem Fall der Mauer blieben die Brüder verstritten; der eine wurde zum Gewinner der Wende, der andere zum Verlierer. Dass die zwei alten Herren wenige Stunden vor der tödlichen Tat noch siebzehn Minuten lang miteinander telefonierten, will da nicht so recht ins Bild passen.

(Frage aus der Redaktion an dieser Stelle: Kommt Ihr eigentlich aus dem #Osten oder #Westen?
Eure Antworten unten in den Kommentaren!)

Je tiefer die Berliner Kriminalisten in die Familiengeschichte der Kellers eintauchen, desto deutlicher wird, dass nicht nur die Mauer dafür sorgte, dass man einander nicht traute. Selbst Michael und sein Sohn Moritz scheinen ein schwieriges Verhältnis zueinander zu haben. Gert Kellers Sohn Fredo, Besitzer einer Druckerei in Berlin-Pankow, wechselte ins rechte Lager und schreibt nun regelmäßig für die „Nationale Stimme“, in der er gegen die Keller GmbH wettert. Für die „Völkische Stimme“ sitzt der Berliner mittlerweile im Senat.

Karow befragt Moritz ein weiteres Mal, lässt sich das Handyvideo von Klaus Kellers kurzer Geburtstagsrede zeigen und lernt die attraktive Kellnerin Ruth als Zeugin der Feier im Restaurant kennen, Rubin sucht in der Zwischenzeit die Witwe des Opfers im Pflegeheim auf. Die demenzkranke Else Keller erweist sich als überzeugter Nazi, und die Hauptkommissarin muss sich sehr beherrschen, um ihre Fassung nicht zu verlieren …


Die Filmarbeiten zum rbb-Tatort „Ein paar Worte nach Mitternacht“ begannen am 9. März 2020 und mussten infolge der Corona-Pandemie einige Wochen lang unterbrochen werden. Am 26. Mai 2020 fiel dann die letzte Klappe. Gedreht wurde unter anderem in den Berliner Stadtteilen Charlottenburg (Breitscheidplatz), Kreuzberg sowie im Wohngebiet Weißensee im Bezirk Pankow.

Die Regie übernahm Lena Knauss, das Drehbuch schrieb Christoph Darnstädt, der selbst in Westberlin aufwuchs und gegenüber dem rbb zum Tatort-Skript erklärte: „[…] Mein (West)Deutschland [war] für mich das beste Deutschland, das es je gab. Daher ist mein Protagonist auch Klaus-Keller-West und ich empfinde mit ihm, auch wenn er Täter ist.“

Die Redaktion von Tatort-Fans meint …

Sabine (40 J. | Kinoliebhaberin)

Zwei geteilte Brüder und ihre Geschichte zur Wiedervereinigung. Bei diesem 12. Einsatz von Rubin & Karow (ein durchweg starkes Team!) fällt weder Negatives noch Positives allzu schwer ins Gewicht. Durchschnittskost, glücklicherweise ohne Einheits-Brei.

Gerald (40 J. | IT-Nerd)

Wieder ein sehr guter Fall mit dem Tatort-Team aus der Hauptstadt, mir hat’s gefallen. Der Film ist politisch aber nicht mit der Keule, sondern über die Familienschiene. War mal was anderes und natürlich passend zum Wochenende der Deutschen Einheit. Gut gemacht, von mir vier Sterne!

Tatort-Besetzung

Hauptkommissarin Nina Rubin – Meret Becker
Hauptkommissar Robert Karow – Mark Waschke
Kommissaranwärterin Anna Feil – Carolyn Genzkow
Kriminaltechniker Knut Jansen – Daniel Krauss
Frau Klotz vom Staatsschutz – Bettina Hoppe
Großvater Klaus Keller – Rolf Becker
seine pflegebedürftige Ehefrau Else Keller – Katharina Matz
Gert Keller, Bruder von Klaus Keller – Friedhelm Ptok
Michael Keller, Sohn von Klaus Keller – Stefan Kurt
seine Ehefrau Maja Keller – Marie-Lou Sellem
der Sohn Moritz Keller – Leonard Scheicher
seine Freundin Ruth, Kellnerin – Victoria Schulz
Fredo Keller, Neffe von Klaus Keller, Besitzer einer Druckerei – Jörg Schüttauf
seine Ehefrau Susanne Keller – Lina Wendel
Dieter Karow, Vater von Robert Karow – Dietrich Hollinderbäumer
Inge Karow, Mutter von Rober Karow – Rita Feldmeier
Stationsärztin – Selda Kaya
Frau Kazinski, Betreuerin im Pflegeheim – Vera Streicher
Adnan Jasari – Slavko Popadic
Spätibesitzer – Ali Bulgan
Kiezbewohner – Stephan Grossmann
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Christoph Darnstädt
Regie – Lena Knauss
Kamera – Eva Katharina Bühler
Szenenbild – Jörg Baumgarten
Schnitt – Katharina Fiedler
Ton – Ludwig Bestehorn
Musik – Moritz Schmittat

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