Tatort Folge 612: Freischwimmer



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Tatort Folge 612: Freischwimmer 4 3

Leipzig an einem heißen Sommertag: In der Tatort-Folge 612 „Freischwimmer“ wird im Becken eines Freibads ein junger Mann tot aufgefunden. Der 23-jährige Leo Stein litt am Down-Syndrom und wurde nach ersten Erkenntnissen der Spurensicherung ertränkt. So die Anfangsszene des Films. Ironischerweise war es bei den Dreharbeiten, die im Juni stattfanden, mit 13° Celsius allerdings bitterkalt und statt in Leipzigs ältestem Freibad (1866 errichtet) mit vorhandenen Badegästen zu filmen, mussten Statisten angeheuert werden.

Die Kommissare Ehrlicher und Kain beginnen ihre Untersuchungen mit Befragungen der Familie. Die Mutter Bettina Stein sitzt im Stadtrat und befindet sich gerade mitten im Wahlkampf. Vater Martin Stein wurde laut Aussage seines Vorgesetzten vor kurzem als Lehrer beurlaubt, weil das Verhältnis zu seinen Schülern sich mehr und mehr verschlechterte. Schwester Alexandra war häufig mit der Betreuung des Toten beauftragt und davon ziemlich überfordert. Um ihn ruhigzustellen, hat sie ihm des öfteren Insulin gespritzt, auch kurzem vor seinem Ableben. Schnell bröckelt das strahlende Bild der Familie in den Augen der Kommissare. Es scheint Geheimnisse bei den Steins zu geben, die Motive für einen Mord innerhalb der Sippe liefern könnten.

Aber auch außerhalb der Familie tauchen im Tatort „Freischwimmer“ Verdächtige auf. Ganz oben auf der Liste steht zunächst der 17-jährige Ralf Salchow. Leo Stein sollte, so seine Mutter in der ersten Befragung, in einem Prozess wegen schwerer Körperverletzung als Hauptzeuge gegen Salchow aussagen. Für sie ist der Fall klar und sie drängt wegen des laufenden Wahlkampfs auf ein schnelles Ende der Ermittlungen.

Ehrlicher und Kain können aber letzte Zweifel nicht ausräumen und stoßen bei den fortschreitenden Recherchen auf eine Verbindung zwischen Salchow und Familie Stein. Alexandras neuer Freund Mike Baader gehört zur Clique von Salchow. Und Mikes Vater Lutz Baader, der im Freibad als Aushilfe arbeitet, behauptet, zur Tatzeit mit der Reinigung von Umkleidekabinen beschäftigt gewesen zu sein. Zu DDR-Zeiten war er ein hervorragender Schwimmer und sogar für die Olympiade in Seoul nominiert, wurde dann aber wegen einer Beziehung zu einer „Klassenfeindin“ suspendiert.

Und dann ist da noch Ben, ein Freund von Leo, der am sogenannten am Asperger-Syndrom leidet. Er liefert Ehrlicher und Kain im Tatort „Freischwimmer“ entscheidende Hinweise für eine heiße Spur, die noch heißer wird, als sich herausstellt, dass Mutter Bettina Stein ebenfalls Mitglied der Olypiamannschaft war.


Die Erstausstrahlung des Leipzig-Tatorts „Freischwimmer“ fand am Sonntag, den 30. Oktober 2005 im Ersten Programm der ARD statt.

Besetzung
Hauptkommissar Ehrlicher – Peter Sodann
Hauptkommissar Kain – Bernd Michael Lade
Martin Stein – August Zirner
Lade Bettina Stein – Julia Jäger
Alexandra Stein – Karoline Teska
Mike Baader – Marcel Goldammer
Lutz Baader – Arved Birnbaum
Sibylle Kramer – Svea Timander
Techniker Walter – Walter Nickel
Ralf Salchow – Florian Bartholomäi
Frederike – Annekathrin Bürger

Stab
Regie – Helmut Metzger
Buch – Mario Giordano und Andreas Schlüter
Musik – Mick Baumeister
Kamera – Peter Nix

Bilder: MDR/Hardy Spitz


3 Meinungen zum Tatort Folge 612: Freischwimmer

  • Michael Frings • am 10.7.15 um 17:16 Uhr

    Wann war die Erstausstrahlung und wieviel Mio Zuschauer?


  • Dirk • am 20.11.15 um 21:47 Uhr

    Der Tatort Nummer 612 aus Leipzig mit den beiden Kommissaren der dortigen Mordkommission Ehrlicher und Kain. Eine ostdeutsche Vorzeigefamilie zeigt Risse auf und mein Fernsehbildschirm fast ebenfalls, wenn ich nicht rechtzeitig umgeschaltet hätte. Es gibt Filme die kann man gucken, aber man muß sie nicht gucken. Und dann gibt es Fernsehfilme wie diesen.


  • Gottlieb • am 13.12.19 um 15:43 Uhr

    Der Krimi ist ein typisches Produkt des postkommunistischen Fernsehens. Da gibt es eine Gruppe glücklicher geistig Behinderter mit ihrer sympathischen Betreuerin. Ferner eine Rotte rechtsradikaler junger Männer, deren Hauptanliegen Terror und Krawall sind und die es bevorzugt auf Behinderte abgesehen haben. Und da fehlt auch nicht die kaputte bürgerliche Familie, die ihren Anschein von „heiler Welt“ natürlich nicht aufrecht halten kann. Dieser rote Sud wäre unvollständig, wenn nicht letztlich der „böse“ Kapitalismus, also der „böse“ Westen, also die „böse“ Wiedervereinigung an allem schuld wären. Der politische Ehrgeiz der Mutter zerstört die Familie, nur der zu Tode kommende geistig behinderte Sohn ist für alle ein Lichtblick. Und der Vater des Häuptlings der rechten Rotte hat nach seinen sportlichen Erfolgen in der „DDR“ nie so recht Fuß fassen können in der nun westlich geprägten Gesellschaft, verdingt sich als wenig geachteter Bademeister und kann seinem Sohn keinen Halt geben. Zunächst sieht es so aus, als ob seine ehemalige Sportkameradin, die politisierende Mutter, daran schuld sei, da sie ihn kurz vor der Wende aus Eifersucht bei den „DDR“-Funktionären als voraussichtlichen „Republikflüchtling“ denunziert hat. Aber dann zeigt sich, daß sie alles getan hat, um ihm einen neuen Start zu ermöglichen, aber seine Lethargie stets alles zunichte machte. Jetzt will sie dem „Versager“ nicht mehr helfen. Und woher kommt diese Lethargie? Richtig, es ist die unmenschliche kapitalistische Gesellschaft, die solche Leute desorientiert als Strandgut zurückläßt. Das verbrecherische Verhalten der Mutter, Sportgenossin und Denunziantin wird dagegen nicht weiter problematisiert. Ein normaler Mensch würde dieser Frau mit großem Vorbehalt begegnen, nicht so die beiden Kommissare.

    Anscheinend beruht das Drehbuch auf dem angeblichen Mord von Rechtsradikalen an einem herzkranken Jungen in Sebnitz (1997), der sich dann als reines Medienereignis erwies, dessen Ursprung in der durchgeknallten Handlungsweise einer westdeutschen Mutter lag. Obwohl Mitglied der örtlichen SPD war sie nie richtig in Sebnitz angekommen und wollte ihr Kind in der Öffentlichkeit unbedingt zum Opfer rechtsradikaler ostdeutscher Jugendlicher stilisieren. Aber zu einer bundesweiten Kampagne wurde das Badeunglück erst durch den begeisterten Einsatz westdeutscher Medien und nicht zuletzt des berüchtigten Kriminologen Pfeiffer, der seiner Parteigenossin ohne genaue Prüfung des Sachverhalts zur Hilfe kam und die Familie erst recht in ihrer obsessiven Voreingenommenheit bestärkte. Bundeskanzler Schröder wurde durch einen Hinweis von Ministerpräsident Biedenkopf gerade noch davor bewahrt, sich mit dieser Frau für die Öffentlichkeit ablichten zu lassen. Als funktionstüchtig erwiesen sich aber die staatlichen Behörden, die ihre Arbeit unter dem ständigen Medienbeschuß korrekt zu Ende führten.

    Was macht der Krimi aus diesem Fall, der eigentlich so gar nicht ins antifaschistische Schema paßt? Die Rechtsradikalen kann man zwar als wahre Scheusale charakterisieren, aber sie hatten eben mit einem Mord, der gar nicht stattgefunden hat, auch gar nichts zu tun. Im Film erscheint die Tötung denn auch eher als Zusammentreffen leichtfertiger, aber doch systemisch bedingter Handlungen, woran die Tochter bzw. Schwester der unheilen Familie sowie der ehemalige „DDR“-Sportler beteiligt sind. Das von der Mutter völlig überforderte Mädchen hat ihren Bruder vorübergehend medikamentös ruhig gestellt, und der von dem Behinderten als Versager verspottete Bademeister hat den halb betäubten Jungen versehentlich zu lange unter Wasser gedrückt. Aber der Drehbuchschreiber weiß sich zu helfen. Er läßt die rechten Unholde schnell noch das Behindertenheim anzünden, die Täterschaft einem abtrünnigen Mitglied anhängen und die ehemals glücklichen geistig behinderten Menschen den Verlust ihrer Idylle beweinen und bejammern. Und wer weiß, vielleicht haben Rechtsradikale ja wirklich einmal in der Gegend ein Heim oder etwas anderes in Brand gesetzt. Freilich kommen da auch andere Delinquentengruppen in Betracht, wie ausländische Heimbewohner oder antifaschistische Klassenkämpfer. Aber das sind wohl eher die Guten?


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