Tatort Folge 1063: Die Musik stirbt zuletzt



So 05.08. 20:15 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2018
Kommissar: Flückiger und Ritschard
Ort: Tatort Luzern


  0 Meinungen
Tatort Folge 1063: Die Musik stirbt zuletzt 0 0

Der Tatort meldet sich am 5. August 2018 aus der diesjährigen Sommerpause zurück. Kürzer als gedacht ist die Tatort-Auszeit damit ausgefallen, die am 10. Juni begann.

Die vorerst letzte frische Produktion „Freies Land“ kam aus München (Team Batic/Leitmayr) und wurde am 3.6.2018 ausgestrahlt. Nun sagen Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer) von der Kripo Luzern in der Schweiz: „Hallo, liebe Tatort-Zuschauer, willkommen im 2. Halbjahr 2018!“ Dabei ist ihr 13. gemeinsamen Einsatz „Die Musik stirbt zuletzt“ gleich ein mutiger – denn es wurde mal wieder experimentiert. An vier Abenden filmte die Produktionscrew ein „One-Take-Krimi“ mit jeweils nur einer Kameraeinstellung, der ohne die aufwendige Schnibbelarbeit des Cutters auskommt. Kamera an und los geht’s, war das Motto.

Die Tatort-Folge 1063 „Die Musik stirbt zuletzt“ wird planmäßig am Sonntag, den 5. August 2018 wie gewohnt um 20.15 Uhr im Ersten Programm der ARD erstmals ausgestrahlt. Es handelt sich um einen der letzten Fälle von Flückiger und Ritschard; das Luzerner Team wird 2019 abgesetzt. Ab Januar nächsten Jahres soll der neue Schweizer Tatort dann aus Zürich kommen. Details hierzu sind noch nicht bekannt (Stand: Juli 2018).

Inhalt der Tatort-Folge „Die Musik stirbt zuletzt“

Auch der SRF riskiert nun einen Blick über den Tatort-Tellerrand, über das übliche 0815-Krimischema hinaus. Noch immer gibt es im neuesten Beitrag der TV-Reihe einen Mörder und (mindestens) ein Opfer, durchaus, ja.

Neu an „Die Musik stirbt zuletzt“ ist zum einen die direkte Anrede der Zuschauer durch die exzentrische Figur Franky Loving (großartig: Andri Schenardi), das Distanzieren von und Reflektieren über die Filmgeschehnisse auf einer Metaebene. Erzählt wird aus seiner Perspektive, nicht aus der der Ermittler Flückiger und Ritschard. Innovativ ist darüber hinaus das technische Vorgehen: Mit nur einer einzigen Kameraeinstellung (Kamera: Filip Zumbrunn) wurde an vier Drehabenden – ähnlich einer echten Theateraufführung – vier Mal der gesamte Tatort gefilmt. Auf Schwizerdütsch zwei Takes, zwei weitere auf Hochdeutsch (die jeweils besser gelungene Version schafft es ins schweizerische bzw. deutsche Fernsehen). Auch kommt der Krimi mit einem einzigen Ort als Dreh- und Angelpunkt aus, nämlich dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern (KKL).

Damit das Filmmaterial ganz ohne Schneidearbeit am Ende zu gebrauchen war, wurde zuvor mit dem Ensemble besonders intensiv geprobt. Das richtige Timing ist bei diesem Konzept schließlich entscheidend: Alle Darsteller müssen zum Zeitpunkt der Filmaufnahme genau wissen, wann sie wohin gehen, wie sie in welchem Winkel stehen und wann ihr Texteinsatz folgt.

Der Drehbuchautor Dani Levy hatte die Idee für diese Art der Inszenierung; er arbeitete das Skript zusammen mit Stefan Brunner und Lorenz Langenegger aus. Der 1957 in Basel geborene Kreative übernahm auch gleich die Regie für „Die Musik stirbt zuletzt“. Levy, der außerdem selbst als Schauspieler tätig ist, führte bereits 2013 erstmals Regie für die Tatort-Reihe. Er setzte „Schmutziger Donnerstag“ (Tatort-Folge 862) mit dem Luzerner Ermittlerduo Flückiger und Ritschard um; eine Episode, bei der ebenfalls der Schauspieler Andri Schenardi mitwirkte.


Die Story:
Im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum herrscht helle Aufregung. Hier findet an diesem Abend ein Benefizkonzert des millionenschweren 85-jährigen Mäzenen Walter Loving statt. 10.000 Franken kostet die Schönen und Reichen der Sitzplatz. Die Gäste erscheinen in feinster Galagarderobe und lassen Ihre Limousinen der Reihe nach beim KKL vorfahren. Auch die Presse ist da: Fotografen liefern sich ein Blitzlichtgewitter, Anwesende werden vor dem Gebäude interviewt. In das Zentrum kommen im Tatort „Die Musik stirbt zuletzt“ nur exklusiv geladene Gäste.

Es spielt das Jewish Chamber Orchestra aus Argentinien. Mit virtuos vorgetragener klassischer Musik von Komponisten, die im Zweiten Weltkrieg in Konzentrationslagern umkamen, soll den Millionen Opfern des Holocaust gedacht werden. Schließlich hat Loving selbst zu Zeiten des Nationalsozialismus verfolgten Juden zur Flucht verholfen und somit unzählige Leben gerettet – er wird von der Menge gefeiert und sitzt in der ersten Reihe im Konzertsaal.

Gleich neben ihm nimmt seine frisch Verlobte Jelena Princip, der er soeben einen Heiratsantrag gemacht hat, Platz. Princip ist gut vierzig Jahre jünger als ihr Zukünftiger, der gebrechlich ist und sich nur noch mit Stock oder Rollstuhl fortbewegen kann. Für den exzentrischen Franky Loving, Walters Sohn aus erster Ehe, ist die Heirat der beiden ein Desaster. Auch er liebt die ältere Jelena! Dazwischen steht die Ex-Frau Alice Loving-Orelli, ebenfalls beim Festakt anwesend. Sie will das Beste für ihren Sohn und kann die absurden Heiratspläne von Loving kaum fassen.

Die Familienkonflikte sind kurz vergessen, als ein Drama geschieht: Mitten in einem vorgetragenen Stück fasst sich der jüdische Klarinettist Vincent Goldstein an die Kehle. Er ringt schwitzend nach Luft. Schwankend erhebt er sich vom Stuhl, stellt aber noch ordentlich sein Instrument ab. Er verlässt die Bühne und bricht dahinter zusammen. Die sofort verständigten Sanitäter können sein Leben dank eines Luftröhrenschnittes retten. Die Diagnose wühlt alle Beteiligten auf: Kontaktgift! Wer sollte Goldstein umbringen wollen? Und wie kam er mit dem Gift in Berührung? Sind andere Menschen gefährdet?

Vincents Schwester Miriam, im Orchester als Pianistin hoch gefeiert, weiß mehr. Sie hatte kurz zuvor eine Morddrohung auf dem Handy erhalten. Eine Person mit verzerrter Stimme hatte gefordert, das Gedicht, welches Miriam Goldstein im Laufe der Benefizveranstaltung auf der Bühne vorzutragen plant, aus dem Programm zu streichen. Kommissarin Liz Ritschard, die sich zufällig privat auf dem Konzert aufhält und vom tragischen Ereignis Wind bekommen hat, erzählt sie hiervon bei einer ersten Befragung jedoch nichts.

Ritschard, fortan im eleganten Abendkleid ermittelnd, ruft ihren Kollegen Reto Flückiger zum Tatort. Der wird mitten aus dem Besuch eines Fußballspiels gerissen; kurzerhand kommt er mit Trikot, Fanschal und dem Sohn seiner Lebensgefährtin zum Kultur- und Kongresszentrum geeilt. Die Kripo aus Luzern macht sich also an die Arbeit, und die ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn niemand darf jetzt die Veranstaltung verlassen, gleichzeitig darf keine Panik ausbrechen …


Der alternde Mäzen Walter Loving wird im Schweizer Tatort „Die Musik stirbt zuletzt“ von niemand Geringerem als Hans Hollmann verkörpert. Der mittlerweile 85-Jährige war in den 1970er und 80er-Jahren mit seinen Regiearbeiten prägend für den deutschen Sprachraum. Er inszenierte Theaterstücke auf eine neue, moderne Weise, war an vielen führenden Bühnen tätig und erhielt zahlreiche wichtige Ehrungen für seine Leistungen. Hollmann lebt heute in Basel in der Schweiz.

Die Dreharbeiten zum außergewöhnlichen Schweizer Tatort „Die Musik stirbt zuletzt“ fanden am 11., 13., 15. und 16. Juli 2017 statt. Gefilmt wurde beinahe die komplette Folge 1063 im Kultur- und Kongresszentrum in Luzern; lediglich eine Verfolgunsszene fand in der näheren Umgebung, außerhalb des KKL statt.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (38 J. | Kinoliebhaberin)

Wunder passieren immer wieder: Ich kann diesen Tatort-Beitrag mit „Flücki & Ritschi“ aus der Schweiz wärmstens empfehlen. Eine tolle, außergewöhnliche und handwerklich gut gemachte Inszenierung, die als Kammerspiel auch auf der Theaterbühne funktionieren würde. Ein hervorragendes Ensemble überzeugt mit seinem Schauspiel. Schade, dass das Team erst jetzt den Dreh bekommt, kurz vor dem Ausstieg.

Gerald (38 J. | IT-Nerd)

Ist das ein „normaler“ Schweizer Tatort? Sicher nicht, bisher galten sie eher als die Schlaftabletten unter den Tatorten. Doch dieser hat mich beeindruckt: Kamera, Darsteller, Regie, Drehbuch. Es passt alles zusammen, ein toller Tatort, den man sich auch in der Wiederholung anschauen kann.

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Reto Flückiger – Stefan Gubser
Hauptkommissarin Liz Ritschard – Delia Mayer
Mäzen Walter Loving – Hans Hollmann
Ex-Frau Alice Loving-Orelli – Sibylle Canonica
Sohn Franky Loving – Andri Schenardi
Jelena Princip, Walter Lovings Verlobte – Uygar Tamer
Pianistin Miriam Goldstein – Teresa Harder
Klarinettist Vincent Goldstein – Patrick Elias
Dirigent Gidon Winternitz – Gottfried Breitfuß
Organisatorin Silvia Bosshardt – Heidi Maria Glössner
Pförtner – Sebastian Krähenbühl
Sanitäter – Aaron Hitz
Roger Trütsch – Martin Hug
Sicherheitsbeamter – Oscar Bingisser
Polizist – Hans-Caspar Gattiker
Inspizient hinter der Bühne – Joey Zimmermann
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Dani Levy, Stefan Brunner und Lorenz Langenegger
Regie – Dani Levy
Kamera – Filip Zumbrunn
Szenenbild – Reto Trösch
Ton – Dieter Meyer
Musik – Niki Reiser

Bilder-Galerie zum Krimi aus Luzern


Schreiben Sie Ihre Meinung.

Ihre E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

1 2 3 4 5
Tatort Sendezeiten

Ihr findet uns unter
Neue Tatortfolgen
Weitere Folgen
Kommissarübersicht
Stadt Archiv