Tatort Folge 1211: Das Tor zur Hölle



So 02.10. 20:15 Uhr ARD

So 02.10. 21:45 Uhr ONE

Di 04.10. 01:40 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2022
Kommissar: Eisner und Fellner
Ort: Tatort Wien


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Tatort Folge 1211: Das Tor zur Hölle 0 0

„Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Das berühmte Zitat des Mephisto aus Goethes „Faust“ fällt gleich zu Beginn dieses im wahrsten Wortsinne „teuflischen“ Tatorts aus Wien mit dem bedeutungsschweren Titel „Das Tor zur Hölle“, Fall Nummer 29 für Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser). Ein katholischer Geistlicher wurde auf brutale Weise ermordet. Doch Prälat Manfred Gabler war kein gewöhnlicher Priester. Er war im „Befreiungsdienst“ tätig – das heißt, er führte Exorzismen durch. Ist er dabei womöglich dem Teufel persönlich zu nahe gekommen? Auch Bibi fühlt sich zeitweise wie vom Bösen besessen, hat sie als Kind doch selbst gelegentlich Teufelsaustreibungen im Haus ihrer Großmutter miterlebt. Nun kehren die Erinnerungen daran zurück – hat das etwas mit dem Tod des Exorzisten zu tun?

Die neueste Tatort-Produktion des Österreichischen Rundfunks (ORF) wurde vom 7. Juni bis zum 5. Juli 2021 in Wien und Umgebung gedreht. Im TV ist der Krimi am Sonntag, den 2. Oktober 2022 erstmals zu sehen – nicht zur Geisterstunde, sondern bereits um 20:15 Uhr im Ersten.

Inhalt der Tatort-Folge „Das Tor zur Hölle“

Direkt im Zentrum von Wien, neben dem Stephansdom liegt er, der tote Geistliche: Prälat Manfred Gabler hat den Sturz von einer hohen Freitreppe offensichtlich nicht überlebt. Doch für Gerichtsmediziner Werner Kreindl ist es keine leichte Aufgabe, die tatsächliche Todesursache festzustellen, denn die Leiche ist übel zugerichtet: Zahlreiche Wunden und Verletzungen am ganzen Körper deuten darauf hin, dass der Kirchenmann mehrmals geschlagen, womöglich sogar gefoltert und wohl nicht nur einmal die Treppe hinuntergestoßen wurde. Ein besonderes Detail weckt jedoch sofort das Interesse der gerade eingetroffenen BKA-Ermittler Moritz Eisner und Bibi Fellner: das umgedrehte Pentagramm, ein Teufelssymbol, das als auffälliges Amulett in der Hand des Toten baumelt. Kein Zufall, wie ihnen Wilfried Schüssler, der Pressesprecher der Diözese Wien, später erklärt: Prälat Gabler war im sogenannten „Befreiungsdienst“ tätig: Er praktizierte Exorzismen im Namen und Dienst der Kirche. Menschen, die sich vom Teufel besessen wähnten, wurden durch ihn „von ihren Dämonen befreit“. Die beiden Kriminalisten, die eher den weltlichen Dingen zugeneigt sind, sind verblüfft darüber, dass es so etwas in der Kirche des 21. Jahrhunderts tatsächlich noch gibt. Doch Pressemann Schüssler lässt sich nicht beirren; er plaudert über das Prozedere bei der Teufelsaustreibung wie über die Zubereitung eines Kaiserschmarrns. Sobald der besonders skeptische Eisner jedoch konkretere Detailfragen stellt, gibt sich Schüssler merkwürdig schmallippig. Immerhin ist er bereit, den Ermittlern Zutritt zur Wohnung des Verstorbenen zu gewähren.

Das Zuhause des Toten wirkt zunächst relativ normal, bis auf den Umstand, dass alle Türen offenstehen. Aber was soll bei einem Geistlichen auch schon zu holen sein? Eisner und Fellner interessieren sich logischerweise besonders für das digitale Vermächtnis des Prälaten, allerdings: Ein Laptop ist in seinem Appartement nicht zu finden. Doch was ist das? Gerade noch erhascht Eisner den Schatten einer dürren Gestalt, die mit einem Gegenstand unterm Arm geradezu aus dem Haus flüchtet. Der Oberstleutnant sprintet hinterher, aber gegen den agilen Dieb hat der etwas füllige Kriminaler in seinen besten Jahren einfach keine Chance. Zwar beordert er Bibi noch vor den Hauseingang, damit sie dort Wache schiebt und den Flüchtigen rechtzeitig aufhalten kann, doch dieser ist schlauer als die Polizei erlaubt: Der oder die Unbekannte im schwarzen Kapuzenpulli bahnt sich den Weg durch den Keller des Hauses und entwischt durch eine enge Luke. Und mit der flüchtigen Person verschwunden ist auch Gablers Laptop. Nun wird es erst recht schwierig für Eisner und Fellner, weitere Informationen über den Toten herauszufinden, denn auch etwaige Familienmitglieder, Verwandte oder Freunde können sie nicht ausfindig machen. Gabler scheint sich selbst genug gewesen zu sein.

Immerhin, einen Anhaltspunkt haben die Ermittler im ORF-Tatort „Das Tor zur Hölle“ dann doch: In Gablers Wohnung haben sie sein Notizbuch gefunden. Dort sind sämtliche Termine eingetragen, an denen der Geistliche einen Exorzismus durchzuführen hatte. Kurz vor seinem Tod war ein Treffen mit einer Person „N.“ vorgesehen – mehr als dieser eine Buchstabe steht nicht im Kalender. Natürlich könnte dieser „N.“ einiges zur Klärung des Falls beitragen. Doch wie sollen Eisner und Fellner herausfinden, für welche konkrete Person dieses Kürzel steht? Vielleicht kann ihnen August Sittsam weiterhelfen. Der Psychiater begleitete Prälat Gabler stets bei den Exorzismen und gab im Vorfeld eine Einschätzung des jeweiligen „Patienten“ aus fachlicher Sicht ab. Auch Sittsam umweht eine Aura des Geheimnisvollen, die Exorzismen scheinen genau das richtige Betätigungsfeld für ihn zu sein. Das „N.“ in Gablers Kalender, so weiß er zu berichten, stehe für Nathalie, eine seiner Patientinnen, bei der eine Teufelsaustreibung vorgenommen werden sollte. Gablers letzter Fall, und dazu ein besonders hartnäckiger. Bei der Behandlung habe sich das Böse noch widersetzt, aber sie seien auf einem guten Weg. Mehr allerdings weiß auch Sittsam nicht über sie. Keinen Nachnamen, keine Telefonnummer. Sie habe sich immer bei Gabler und Sittsam gemeldet, nicht umgekehrt. Die Suche nach der geheimnisvollen Nathalie bringt die Kommissare also erstmal nicht weiter.

Damit ist für Bibi Fellner im TV-Krimi „Das Tor zur Hölle“ der Zeitpunkt gekommen, um wieder mal ihre alten Beziehungen aus der Wiener Halb- und Unterwelt spielen zu lassen, in die sie offenbar immer noch zahlreiche Kontakte unterhält. Günther Dambusch ist einer von ihnen. Der einstige Zuhälter hat sich nach der Begegnung mit einer vermeintlichen „Hexe“, die ihm allerhand unschöne Dinge angedroht und prophezeit hat, komplett aus dem Geschäft mit der Prostitution verabschiedet und ist seitdem ein wahrer Experte auf dem Gebiet des Okkultismus. Vielleicht kann er den beiden Ermittlern weiterhelfen, die in diesem Fall bislang völlig auf dem Schlauch stehen. Der grundsolide Eisner ist natürlich misstrauisch, wie immer, wenn es um Bibis „alte Bekannte“ geht, und tatsächlich empfängt Dambusch die beiden mit einem Gewehr im Anschlag, eine Begrüßung, die nicht gerade für eine entspannte Gesprächsatmosphäre sorgt.

Dambusch, dessen einzige Wohnungsdekoration aus lauter Kruzifixen und Heiligenfiguren besteht, mit denen sein Haus vollgestopft ist, scheint kein Freund harter Fakten zu sein, die zur Aufklärung des Mords an Manfred Gabler beitragen könnten. Stattdessen tischt er Bibi und Moritz eine seltsame Verschwörungstheorie auf, wonach Gabler auf der Suche nach dem „Tor zur Hölle“ gewesen sein soll, das angeblich in Wien existiere. Auch die Geheimdienste hätten dabei ihre Finger im Spiel und würden alle möglichen Spekulationen über das höllische Tor am Köcheln halten, um religiöse Konflikte in aller Welt weiter anzuheizen. Moritz Eisner kann über solche kruden Geschichten nur den Kopf schütteln und bereut wahrscheinlich schon insgeheim, dem Treffen mit Bibis halbseidenem Spezi zugestimmt zu haben. Doch immerhin lässt Dambusch einen Namen fallen, der für die Polizei hilfreich sein könnte: Tea Berkovic ist Theologieprofessorin und forscht zu Exorzismen. Auch mit dem „Tor zur Hölle“ hat sie sich beschäftigt und dabei Gablers These widersprochen, dass es in Wien zu finden sei. Den Kommissaren gegenüber gibt sich die Wissenschaftlerin jedoch sehr zugeknöpft, obwohl sie Gabler gekannt hat.

Umso mehr sind Eisner und Fellner erstaunt darüber, als plötzlich die geheimnisvolle Nathalie, Gablers letzte „Klientin“, im Polizeipräsidium auftaucht. Bereitwillig erzählt die zierlich und zerbrechlich wirkende junge Frau von ihrem Leiden: von ihrem Brechreiz, der sie überkommt, sobald sie ein Kreuz sieht, davon, wie Tiere sie seltsam anstarren, davon, wie sie Hundefutter in sich hineinstopft. Anzeichen ihrer Besessenheit. Nach dem letzten Exorzismus, den Prälat Gabler an ihr vollzogen hat, sei es ihr besser gegangen. Aber in manchen Momenten überkommt sie das Böse noch. Dann kommt es schon mal vor, dass sie eine Polizistin mit hoher, schriller Stimme beschimpft – wie nun gerade Bibi Fellner: „Fick dich, du Fotze!“
Wie versteinert bleibt die so Angesprochene zurück. Aber richtig mit der Angst bekommt es Bibi erst, als sie abends nach Hause zurückkehrt: Ohne erkennbaren Grund fallen Bilder von der Wand, stürzen zu Boden. Genauso plötzlich geht das Licht aus. Was hat das zu bedeuten? Auch der für übernatürliche Erscheinungen komplett unempfängliche Eisner kommt ins Grübeln: Ein Teufelssymbol wurde vor seiner Wohnungstür aufgemalt, die Zimmer sind teilweise verwüstet. Sind nun auch Bibi und Moritz durch ihren aktuellen Fall in den Bann des Teufels geraten? Erneut suchen sie Rat beim „Experten“ Dambusch. Womöglich ist Nathalies Dämon auf eine andere Person übergesprungen. Zum Beispiel auf Bibi. Dafür müsste man jedoch eine gewisse Neigung zu paranormalen Erscheinungen haben – was Bibi durchaus hat. Mehr noch: Immer wieder kommen nun Erinnerungen an ihre Kindheit hoch, in der sie gelegentlich Exorzismen im Haus ihrer Großmutter heimlich beobachtet hat. Die Bilder von damals vermischen sich mit aktuellen Schuldgefühlen: Vor Jahren hat Bibi einer von Dambuschs Prostituierten, die aussteigen wollte, Unterschlupf gewährt. Dann wurde die junge Frau entführt, schwer misshandelt und ermordet – und Bibi konnte dieses grausame Verbrechen nicht verhindern. Immerhin schafft es Moritz, ihr das schlechte Gewissen auszureden, auch wenn er das ganze Gerede von Teufel, Dämonen und angeblicher Besessenheit ansonsten für ziemlichen Humbug hält.

Über die Zugeknöpftheit und Heimlichtuerei der Kirchenvertreter und aller sonstigen Beteiligten regt der Oberstleutnant sich so auf, dass er im Auto bei dröhnender Lautstärke klassische Musik hört – zur Entspannung. Doch immerhin: Es gibt auch kooperative Boten Gottes auf Erden. Der junge Kaplan Raimund, der Nachfolger auf Gablers Posten, ist nun für die Exorzismen zuständig. Sein erster „Fall“ ist natürlich Nathalie. Er weiht Eisner und Fellner in seine Methoden ein, die sich durchaus von denen seines Ziehvaters Gabler unterscheiden: sanfter, zugewandter, weniger rabiat. Kaplan Raimund gestattet den Kriminalbeamten sogar, sich während des Exorzismus in Nathalies Nähe aufzuhalten – denn sie ist immer noch ihre wichtigste Zeugin, allerdings ist auf ihre Aussagen in ihrem jetzigen Zustand kaum Verlass.

Dafür gibt es im Wiener Tatort „Das Tor zur Hölle“ mittlerweile eine neue Spur, die zu Gablers Laptop führt. Die Theologin Tea Berkovic gerät in Verdacht, als Moritz Eisner zufällig einen Verband an ihrem Arm entdeckt – die Verletzung könnte sie sich bei der überstürzten Flucht aus Gablers Wohnung zugezogen haben. Und tatsächlich: Gablers Laptop befindet sich in ihrem Büro. Auf der Festplatte finden Eisner und Fellner brisante Dokumente, auf denen mögliche Standorte des „Tors zur Hölle“ verzeichnet sind. Gabler scheint regelrecht besessen gewesen zu sein von der Suche nach dem geheimnisvollen Ort. So besessen, dass es ihn das Leben kostete? Immerhin scheint auch Tea Berkovic sehr interessiert an Gablers Erkenntnissen zu sein. Aber ist ihr tatsächlich ein Mord zuzutrauen? Und dann gibt es ja noch den zwielichtigen Dambusch: Wie die beiden Ermittler erfahren, hat auch er schon Gablers Dienste als Exorzist in Anspruch genommen.

Wer ist hier eigentlich nicht vom Teufel besessen? Und – ganz weltlich gedacht: Wer hätte tatsächlich ein Interesse an Gablers Tod gehabt? Zwischen unheimlichen Begebenheiten, blutigen Ritualen und wasserdichten Alibis tappen Moritz und Bibi ziemlich lange im Dunkeln – doch die Wahrheit lässt sich auch durch noch so viele Dämonen nicht auslöschen.

Tatort-Kritik

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
Zugegeben: Das „heilige Wien“ mit seinem morbiden Charme ist durchaus eine reizvolle Location für einen Tatort, der sich um Teufel, Dämonen und unheimliche Begegnungen der dritten Art dreht. Und die Inszenierung als solche ist auch gelungen: Kameraführung, Ton und Bildsprache greifen gut ineinander, dem „Bann des Bösen“ kann man sich als Zuschauer schwerlich entziehen, wenn man Bibi dabei beobachtet, wie sie verängstigt in ihrer eigenen dunklen Wohnung herumtappt.
Doch auch wenn man nun voraussetzt, dass es das alles tatsächlich gibt – Menschen, die sich vom Teufel besessen fühlen, den kirchlichen „Befreiungsdienst“ mitsamt seinen mehr als befremdlichen Ritualen und Praktiken –, so bleiben innerhalb der Handlung doch zu viele Dinge ungelöst, unklar, im Ungefähren. Viele Aspekte werden angerissen – von der Suche nach dem „Tor zur Hölle“ bis zu Bibis Schuldgefühlen –, doch wirklich aufgelöst wird davon wenig. Das Ende lässt einen eher verwirrt als bekehrt zurück, sodass man sich noch am ehesten mit dem beinharten Atheisten Moritz Eisner identifizieren kann, dessen zutiefst weltliche Ermittlungsmethoden einen wohltuenden Kontrapunkt zur teilweise sehr dick aufgetragenen Inszenierung der „Macht des Bösen“ setzen.

Tatort-Besetzung

Oberstleutnant Moritz Eisner – Harald Krassnitzer
Majorin Bibi Fellner – Adele Neuhauser
Oberst Ernst Rauter – Hubert Kramar
Gerichtsmediziner Prof. Werner Kreindl – Günther Franzmeier
Günther Dambusch – Roland Düringer
August Sittsam, Psychiater – Sven Eric Bechtolf
Tea Berkovic, Theologin – Angela Gregovic
Nathalie – Maresi Riegner
Wilfried Schüssler, Pressesprecher der Diözese – Markus Schleinzer
Kaplan Raimund – Lukas Watzl
Prälat Manfred – Tino Sekay
Bibi als Kind – Lotte Burger
u. v. a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Thomas Roth
Regie – Thomas Roth
Kamera – Martin Gschlacht
Szenenbild – Uta Wiegele, Sebastian Thanheiser
Kostüm – Erika Navas
Maske – Birgit Hirscher, Andreas Merxner
Musik – Lothar Scherpe
Ton – Walter Fiklocki
Schnitt – Birgit Gasser
Produzent – Wolfgang Rest
Redaktion – Bernhard Natschläger, Kerstin Bertsch

Bilder-Galerie zum Krimi aus Wien


Fotocredit: ORF/Film 27/Hubert Mican


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