Tatort Folge 1212: Die Rache an der Welt



So 09.10. 20:15 Uhr ARD

So 09.10. 21:45 Uhr ONE

Mo 10.10. 03:35 Uhr ONE

Di 11.10. 00:01 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2022
Kommissar: Lindholm und Schmitz
Ort: Tatort Hannover


  1 Meinung
Tatort Folge 1212: Die Rache an der Welt 3 1

Jubiläum in Niedersachsen: 20 Jahre ist es her, dass LKA-Ermittlerin und Hauptkommissarin Charlotte Lindholm, gespielt von Maria Furtwängler, im Tatort „Lastrumer Mischung“ (Folge 496) zum ersten Mal auf Verbrecherjagd ging. Seither hat die toughe Kommissarin viele Mörder zur Strecke gebracht und ist bis in die entlegensten Ecken der norddeutschen Tiefebene gereist, um dem Recht zur Durchsetzung zu verhelfen. Seit 2019 wird sie von Hauptkommissarin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) beim Lösen ihrer Fälle unterstützt. Ihr Revier ist Göttingen, wohin Lindholm nach dem desaströsen Ausgang im „Fall Holdt“ (Tatort Folge 1034) strafversetzt wurde.

Im Jubiläumsfall „Die Rache an der Welt“, dem vierten gemeinsamen Einsatz für Lindholm und Schmitz, hält der Mord an einer Flüchtlingshelferin die Stadt in Atem. Konflikte zwischen den beiden eigensinnigen Ermittlerinnen sind vorprogrammiert, denn Lindholm lässt sich bei ihren Ermittlungen in der Flüchtlingscommunity von einer umstrittenen Methode zur Herkunftsbestimmung leiten, die in Deutschland verboten ist. Im Dickicht aus Vorurteilen, positivem wie negativem Rassismus und kulturellen Stereotypen muss der Täter zur Strecke gebracht werden.

„Die Rache an der Welt“, der Tatort zu Lindholms 20-jährigem Dienstjubiläum und zugleich ihr 30. Fall, wurde vom 8. August bis zum 9. September 2020 in Göttingen, Hannover und Hamburg gedreht. Im TV zu sehen ist die NDR-Produktion erstmals am Sonntag, dem 9. Oktober 2022, um 20:15 im Ersten und danach in der ARD-Mediathek.

Inhalt der Tatort-Folge „Die Rache an der Welt“

War es der „Wikinger“? Diese Frage beschäftigt ganz Göttingen, als in einem Waldstück am Kiesteich eine Frauenleiche gefunden wird. Seit mehreren Wochen treibt ein Serientriebtäter in der südniedersächsischen Universitätsstadt sein Unwesen. Er lauert Frauen an abgelegenen Orten auf und zwingt sie zu sexuellen Handlungen – mithilfe eines Wikingerdolchs, daher sein Spitzname. Allerdings: Getötet hat der Wikinger seine Opfer noch nie. Die etwa 25-jährige junge Frau, deren Leichnam die Hauptkommissarinnen Charlotte Lindholm und Anaïs Schmitz nun begutachten, wäre also sein erstes Todesopfer. Und auch die Zeugenaussage eines Mannes, der am Abend zuvor am Kiesteich spazieren gegangen ist, weist eher in eine andere Richtung: Er hat einen jungen Mann am mutmaßlichen Tatort auf sein Fahrrad steigen sehen. Sein Aussehen? „Alles schwarz, bis auf das Hemd.“ Das sei weiß gewesen. Der ältere Herr ist sich sicher: „Das war keine europäische Tat.“ Auch wenn die Aussagen des Zeugen nur so vor rassistischen Vorurteilen triefen, nehmen die Kommissarinnen ihn ernst. Der Ermittlungsdruck ist enorm, und Generaldirektor Liebig möchte den „Wikinger“ lieber heute als morgen überführt sehen, damit endlich wieder Ruhe einkehrt im beschaulichen Göttingen.

Doch wie immer im Leben ist alles komplizierter. Der Student Elmo ist mit den Nerven am Ende. Er meldet sich bei der Polizei, weil er seine Freundin Mira als vermisst melden möchte. Erst sei sie nicht nach Hause gekommen, dann habe er das mit der ermordeten Frau am Kiesteich gehört. Eine kurze Leichenschau führt im NDR-Tatort „Die Rache an der Welt“ schnell zur traurigen Gewissheit: Bei der Toten handelt es sich um Mira. Auch sie war Studentin, allerdings auch in der Flüchtlingshilfe aktiv. Könnte dieses Engagement mit der grausamen Tat zusammenhängen? Was also tun? Sollen Lindholm und Schmitz ihre Ermittlungen weiterhin auf den „Wikinger“ konzentrieren oder doch besser das gesamte Umfeld des Opfers in den Blick nehmen? Dann würden sie natürlich auch die Community der Geflüchteten in Göttingen unter die Lupe nehmen müssen, was nicht gerade zur Beruhigung der ohnehin aufgeheizten Atmosphäre in der Stadt beitragen würde. Also gibt Liebig die Parole aus: In alle Richtungen ermitteln, aber so unauffällig wie möglich.

Das Problem ist nur: Mit „unauffällig“ hat es die zu unkonventionellen Methoden neigende Lindholm nicht so. Wäre es für alle nicht viel einfacher, wenn man von vornherein ausschließen könnte, dass der Täter aus dem Umfeld der Geflüchteten stammte? Das ist wohl ihre Motivation, als sie bei Rechtsmediziner Nick Schmitz eine biogeografische DNA-Analyse von Genmaterial, das am Tatort sichergestellt wurde, in Auftrag gibt. Eine höchst umstrittene Methode, die in Deutschland zudem verboten ist. Mit ihrer Hilfe lässt sich die Herkunftsregion des mutmaßlichen Täters eingrenzen. Leider sind die Ergebnisse oft sehr ungenau und zudem nicht immer zuverlässig. Dafür kann ein Ergebnis wie „Herkunft: Nordafrika“ oder „Naher Osten“ schnell zu Pauschalverdächtigungen ganzer Bevölkerungsgruppen führen, was natürlich aus gutem Grund verhindert werden soll. Deshalb gibt es hierzulande bisher keine Zulassung für diese umstrittene Untersuchung des Genmaterials. Anders jedoch in den Niederlanden. Dort sind biogeografische DNA-Analysen erlaubt, und genau dorthin schickt Nick Schmitz die DNA-Proben vom Tatort. Dass das Verfahren problematisch ist und die Ergebnisse oft ungenau sind, weiß Lindholm natürlich auch. Aber sie hofft darauf, dass die Probe eindeutig ergibt, dass der Täter eben nicht aus einer der Herkunftsregionen der allermeisten Geflüchteten in Göttingen stammt – quasi ein Beweis dafür, dass die Tat von einem „Biodeutschen“ begangen wurde. Dann könnten sie sich wieder voll auf den „Wikinger“ konzentrieren. Wie es der Zufall will, bekommt ihre überaus korrekte Kollegin Anaïs Schmitz sofort Wind von Lindholms Alleingang – und ist überhaupt nicht begeistert. Natürlich zählt sie ihr penibel alle Nachteile und Vorbehalte auf, die man mit Recht gegen die biogeografische DNA-Analyse vorbringen kann. Allein: Es nützt nichts, Lindholm lässt sich nicht von ihrem Plan abbringen. Und Nick, Anaïs’ Mann, spielt das ganze auch noch mit.

Von nun an gehen die zwei Kommissarinnen im TV-Krimi „Die Rache an der Welt“ getrennte Wege: Schmitz will unbedingt den „Wikinger“ zur Strecke bringen, Lindholm konzentriert sich mehr auf das Umfeld der toten Studentin. Nachdem sich eine Frau bei der Polizei gemeldet hat, die sich von einem unbekannten Mann bedrängt und sexuell belästigt fühlt, geht plötzlich alles ganz schnell: Mithilfe von Überwachungskameras im Bahnhofsumfeld können Anaïs und ihre Kollegen den „Wikinger“ zügig ausfindig machen: ein geschiedener Familienvater, der zwischen Hannover und Göttingen pendelt, weil hier seine Ex-Frau mit ihrer Tochter wohnt. Anaïs will, dass Charlotte Lindholm gemeinsam mit ihr den „Wikinger“ vernimmt. Die aber seilt sich schon wieder ab. Denn das Ergebnis der DNA-Probe ist da. Und das ist leider nicht so ausgefallen, wie die couragierte Kommissarin es sich erhofft hatte. Offensichtlich wurde die Tat wohl doch von jemandem begangen, der aus dem Nahen Osten oder dem nördlichen Afrika stammt. Genauer lässt es sich nicht eingrenzen. Anaïs ist stinksauer auf die Kollegin. Ihren beachtlichen Ermittlungserfolg, dass sie einen wochenlang gesuchten Täter zur Strecke gebracht hat, scheint sie gar nicht zu würdigen. Und dann immer diese Alleingänge, gegen die Dienstvorschriften! Doch Lindholm kann nicht anders. Den Wikinger muss sie erstmal links liegen lassen, zu viel spricht aus ihrer Sicht nun dafür, dass jemand aus der Flüchtlingscommunity der Mörder ist.

Von Miras Mitbewohnerin Jelena, die wohl ein eher distanziertes Verhältnis zur Toten hatte, hat Lindholm erfahren, dass Mira Nachhilfe für Geflüchtete gegeben hat. Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe, Unterstützung bei Seminararbeiten, solche Sachen. „Da waren auch ein paar Arschlöcher dabei“, meint Jelena nur dazu. Könnte Munir Kerdagli ein solches „Arschloch“ gewesen sein? In der WG findet die Kommissarin überall Fotos von ihm, er und Mira scheinen sich sehr nahe gestanden zu haben. Doch Jelena winkt gleich ab: Auf keinen Fall könne Munir der Mörder sein, der sei doch Miras „Vorzeige-Flüchtling“ gewesen. Munir spreche fließend Deutsch und studiere Physik, Mira habe ihm den Studienplatz und eine eigene Wohnung besorgt, warum solle ausgerechnet er Mira ermordet haben? Zugegeben, mehr als ein vager Verdacht ist es nicht, dennoch lässt Lindholm aufgrund der Indizienlage Kerdaglis Wohnung durchsuchen.

Parallel dazu verfolgt die eigensinnige Kommissarin im norddeutschen Tatort „Die Rache an der Welt“ eine andere Spur. Denn Mira hat sich für ein ganz besonderes Fußballspiel engagiert: Die heimischen Amateurkicker spielen gegen eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft von Geflüchteten, und das eine ganze Woche lang, ununterbrochen. Damit wollen sie den Weltrekord knacken und den Eintrag ins Guiness-Buch schaffen (übrigens inspiriert von einer ähnlichen Aktion, die tatsächlich in Hamburg stattgefunden hat). Henry Stropp, der resolute Organisator des Fußballrekords mit Hang zum Machogehabe, weist Lindholm jedoch sofort zurecht, als diese auch nur die Möglichkeit in Betracht zieht, jemand von seinen Schützlingen könne etwas mit dem Mord an Mira zu tun haben: Hier dürfe keiner das Gelände verlassen, darauf komme es ja gerade an, dass ununterbrochen gespielt werde, sonst zähle der Rekord doch nicht. Klingt logisch, auch wenn offenbar nicht scharf kontrolliert wird, ob nun jemand tatsächlich den Platz verlässt oder nicht. Für die Verpflegung am Spielfeldrand ist das Ehepaar Kaul zuständig, das aus praktizierter Nächstenliebe selbst ein paar Flüchtlinge bei sich zu Hause aufgenommen hat. Auch sie sind schockiert über Miras Tod – und ebenso fassungslos über den Verdacht, einer der Flüchtlinge könnte den Mord begangen haben.
Aber Charlotte Lindholm lässt nicht so einfach locker, sie braucht endlich eine heiße Spur. In der Göttinger Innenstadt beobachtet sie einen dunkelhäutigen jungen Mann, der sich auffällig verhält – zu auffällig, ihrer Meinung nach. Sie heftet sich an seine Fersen und folgt ihm: zuerst in einen Barber-Shop, wo sie selbstbewusst als Arm des Gesetzes auftritt – und sich an den abwehrenden Reaktionen des Betreibers und der Gäste – ausschließlich Männer – die Zähne ausbeißt. Doch so leicht gibt die ehemalige LKA-Ermittlerin nicht auf. Sie folgt der Spur des verdächtigen Mannes bis zum Sportplatz, wo er gerade für das Dauerfußballspiel eingewechselt wird. Lindholm steht nun richtig unter Strom. Sie will den Typ endlich zu fassen kriegen. So überhört sie die empörten Zwischenrufe von Henry Stropp, rennt einfach über den Platz. Als sich ihr einer der Spieler in den Weg stellt, kann sie nicht mehr an sich halten: „Hier sind Frauen was wert! Dein scheiß Macho-Gehabe geht mir auf den Geist!“ So bricht es aus ihr heraus. Lindholm ist mit den Nerven völlig am Ende. Henry und die anderen Spieler sind empört darüber, dass eine Kriminalbeamtin den Geflüchteten pauschal frauenfeindliche Ansichten unterstellt. Aber liegt sie nun richtig mit ihrem Verdacht? Wurde Mira aus Frauenhass ermordet? Handelte es sich gar um einen Femizid?

Dass es der „Wikinger“ nicht war, steht mittlerweile ziemlich fest. Er bestreitet, zur Tatzeit am Kiessee gewesen zu sein, und bereut seine Taten mittlerweile auch. Und sonst haben Anaïs Schmitz und ihre Kollegen wenig gegen ihn in der Hand. Ein Mörder wird aus ihm wohl nicht mehr. Dafür wurden in Munir Kerdaglis Wohnung DNA-Spuren sichergestellt, die sich auch am Tatort fanden. Damit wird er endgültig zum Hauptverdächtigen für die Göttinger Polizei. Nur: Wo ist Munir? Seit Tagen hat ihn keiner mehr gesehen, seine Wohnung ist verlassen, er scheint spurlos verschwunden zu sein. Ihr vierter gemeinsamer Fall strapaziert die Nerven von Lindholm und Schmitz gewaltig: Ein Mord im Flüchtlingsmilieu mit politischer Brisanz, die ganze Stadt wartet darauf, dass endlich der Täter präsentiert wird. Und das Betriebsklima in der Polizeidirektion war auch schon mal besser: Lindholms Alleingang mit der biogeografischen DNA-Analyse blieb nicht unbemerkt, die Folge: Nick Schmitz als zuständiger Rechtsmediziner wurde suspendiert. Doch, wie es der Zufall so will: Gerade der eigentlich illegale Kontakt in die Niederlande bringt die Ermittlerinnen auf eine Spur, die sie vielleicht bis zum Täter führt …

Tatort-Kritik

Die Redaktion von Tatort-Fans meint:
20 Jahre Charlotte Lindholm: In dieser Zeit sind viele herausragende Produktionen entstanden, darunter sicher die Doppelfolge „Wegwerfmädchen / Das goldene Band“, der 1000. Tatort „Taxi nach Leipzig“ und natürlich „Der Fall Holdt“. Dass dieser 30. Lindholm-Tatort keineswegs das Prädikat „herausragend“ verdient, hat viele Gründe:
Da werden Tatverdächtige munter aus dem Hut gezaubert und wieder fallen gelassen, eine der Hauptfiguren tritt erst nach über einer Stunde zum ersten Mal leibhaftig in Erscheinung. Das Finale nach einer langatmigen zweiten Halbzeit mit viel Leerlauf lässt die Zusehenden ziemlich verblüfft, aber auch ratlos zurück. Lindholms Aggressionen gegen die Geflüchteten oder gegen irgendwie „migrantisch“ aussehende Männer wirken zu gewollt, konstruiert, beinahe künstlich in die Handlung eingebaut. Im Vordergrund steht die politische Botschaft, die natürlich wichtig ist. Leider hat die filmische und dramaturgische Qualität darunter deutlich gelitten.

Tatort-Besetzung

Hauptkommissarin Charlotte Lindholm – Maria Furtwängler
Hauptkommissarin Anaïs Schmitz – Florence Kasumba
Generaldirektor Gerd Liebig – Luc Feit
Rechtsmediziner Nick Schmitz, Ehemann von Anaïs – Daniel Donskoy
Polizist Leon Ciaballa – Jonas Minthe
Elmo, Miras Freund – Leonard Carow
Jelena, Miras Mitbewohnerin – Mala Emde
Munir Kerdagli – Eidin Jalali
Henry, Organisator des Fußballrekords – Sascha Alexander Geršak
Frau Kaul – Michaela Hanser
Herr Kaul – Jogi Kaiser
Julian – Mirco Kreibich
u. v. a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Daniel Nocke
Regie – Stefan Krohmer
Bildgestaltung – Patrick Orth
Schnitt – Boris Gromatzki
Kostümbild – Stefanie Bieker
Maskenbild – Elke Lebender, Lotte Hellweg
Casting – Antje Wetenkamp
Szenenbild – Vicky von Minckwitz
Musik – Carsten Meyer
Ton – Maarten van de Voort
Produktionsleitung – Wolfgang Krenz, Daniel Buresch (NDR)
Producerin – Annette Köster
Produzentin – Iris Kiefer
Redaktion – Christian Granderath, Sabine Holtgreve


1 Meinung zum Tatort Folge 1212: Die Rache an der Welt

  • Der Fremde • am 22.9.22 um 18:58 Uhr

    @Tatort-Fans-Redaktion:
    Ich sehe gerade, dass als „Ort: Tatort HANNOVER“ angeführt wird. Wäre nicht richtiger „Tatort: GÖTTINGEN“? Im Tatort-Archiv gibt es die Kategorie „Tatort: GÖTTINGEN“ (bisher 3 Folgen).

    Nach meiner persönlichen Meinung gab es auch einige gute (alte) Lindholm-TO´s, die im ländlichen Umkreis Hannovers gelöst wurden (z.B. die kürzlich gesendete Folge „Pauline“).


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