Tatort Folge 1084: Murot und das Murmeltier



Heute 20:15 Uhr ARD

Erscheinungsjahr: 2019
Kommissar: Murot
Ort: Tatort Wiesbaden


  2 Meinungen
Tatort Folge 1084: Murot und das Murmeltier 3 2

Außergewöhnlich, preisgekrönt – und sicher gefundenes Fressen für alle Früher-war-alles-besser-Kritiker. Ja, dieser Tatort des Hessischen Rundfunks gehört einmal mehr in die Kategorie „Experimentell“. Dabei ist das Grundgerüst der Geschichte kaum neu, erlebte doch schon Hollywood-Star Bill Murray 1993 ein und denselben Tag immer und immer wieder. Der damalige Knüller an der Kinokasse trug den Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Jetzt, 26 Jahre später, gerät auch Tatort-Inspektor Felix Murot (Ulrich Tukur) vom LKA Wiesbaden in eine niemals enden wollende Zeitschleife: Ein Banküberfall wiederholt sich Tag für Tag, und jedes Mal sterben sowohl die Täter als auch Murot selbst. Quicklebendig erwacht der hessische Ermittler daraufhin in seinem Bett und der schicksalshafte Tag nimmt erneut seinen Lauf …

Tatort Nummer 1084 „Murot und das Murmeltier“, bereits seit Sommer 2017 abgedreht, hat nun endlich einen festen Erstausstrahlungstermin erhalten: Am Sonntag, den 17. Februar 2019 ab 20.15 Uhr läuft der Tatort im Ersten Programm. Und wer danach noch mag: Um 22.00 Uhr, eine Viertelstunde nach Ende von Runde eins, ist eine erste (oder vielmehr weitere) Wiederholung auf dem Sender ONE zu sehen.

Inhalt der Tatort-Folge „Murot und das Murmeltier“

Da ist es wieder, das böse Wort im Zusammenspiel mit einem Tatort: experimentell. Der nunmehr siebte Einsatz des hessischen Inspektors trägt den Titel „Murot und das Murmeltier“ – womit der Zuschauer für die inhaltliche Ausrichtung des Krimis klar vorgewarnt wird: Ein multipel wiederkehrender Tag als Storyline im Tatort. Das gab’s noch nie!

Felix Murot (die von Anfang an sonderbar angelegte Tatort-Figur ist prädestiniert für gewagte Inszenierungen) durchlebt in diesem Fernsehfilm mehrfach diesen einen schicksalshaften Tag – wie oft genau, das weiß der verzweifelte Kommissar am Ende selbst kaum mehr. Zweistellig sind die Wiederholungen ganz sicher. Und weil die Tatort-Experimente, die sich überwiegend der Hessische Rundfunk traut, beim Publikum nur selten bombig gut ankommen, verschwand die Folge „Murot und das Murmeltier“ sicherheitshalber über 18 Monate lang im Archiv der ARD. Nach dem zerrissenen Impro-Tatort „Babbeldasch“ (Tatort-Folge 1012), dem HR-Gruselschocker „Fürchte dich“ (Tatort-Folge 1033) und dem komplizierten Mehrfachebenen-Krimi „Meta“ (Tatort-Folge 1048) sollten die Zuschauer einmal tief durchatmen können …


Ein Tag von vielen.
Das kleine Klapphandy, das auf dem Nachttisch von Felix Murot liegt, klingelt den LKA-Beamten um 7.29 Uhr in der Früh wach. Der Ermittler schrickt auf und muss sich einen Moment lang sammeln. Die letzten Fetzen der furchtbaren Traumbilder schwinden vor seinem geistigen Auge. Aufgeregt atmend nimmt er ab und hört Magda Wächters vertraute Stimme am Apparat: Die Geiselnahme in einer Bank erfordere schnellstmöglich die Anwesenheit des Wiesbadener Kommissars, die Assistentin selbst befinde sich bereits auf dem Weg zum Ort des Geschehens.

Murot gibt kurze Anweisungen, legt auf und stolpert in Richtung Badezimmer. Aus der Nachbarwohnung dröhnt indessen Metall-Musik aus basslastigen Lautsprechern: „Ruhe!“ ruft der genervte Kriminalbeamte und klopft an die Wand. Nach einer notdürftigen Katzenwäsche schlüpft Murot in einen seiner unzähligen gleichfarbigen Anzüge, tritt hinaus in den Hausflur und begegnet seiner jungen Nachbarin, die gerade zum Joggen ihre Wohnung verlässt. Sie stürzt kurze Zeit später – einem offenen Schnürsenkel sei Dank. Draußen vor dem Haus wird der Kommissar von einem kleinen Jungen angerempelt, der sich trotzig weigert, von seiner Mutter in den Kindergarten gebracht zu werden. Auf dem Weg zur überfallenen Bank bietet eine Punkerin die Reinigung der Autofenster an, doch der Fahnder weist das Angebot winkend ab.

Endlich am Tatort angekommen, wird Murot von Wächter empfangen. Ein sichtlich nervöser junger Polizist bietet den LKA-Beamten einen Kaffee im Pappbecker an – und gießt Murot den halben Inhalt über dessen Stoffhose. Der Inspektor lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. (Nicht an diesem Tag.)

Magda klärt ihren Vorgesetzten im Fall „Murot und das Murmeltier“ über den aktuellen Stand der Ermittlungen auf. Viel konnten die anwesenden Schutzpolizisten Brendl und Schreiner nicht über den oder die Täter herausfinden, auch tappt das SEK im Dunkeln und wartet auf Anweisungen. „Ist eigentlich Routine, nicht wahr? Geiselnehmer: Kennste einen, kennste alle,“ spottet Felix Murot. Als erfahrener Profi in Sachen Banküberfälle übernimmt der LKA-Beamte Murot bereitwillig das riskante Vorhaben, das Gebäude mit einer Schutzweste zu betreten um die Lage zu sondieren und zu verhandeln.

Er stiefelt also in die Bank, trifft dort auf eine Täterin, kann sie vom Aufgeben überzeugen und entwaffnen. Die Frau mittleren Alters führt dem Kommissar in einen weiteren Raum, in dem ihr Komplize weitere Geiseln gefangen hält. Felix versucht auch ihm die Sinnlosigkeit seiner Unternehmung zu verdeutlichen. Tatsächlich gelingt es dem Kriminalisten, den Mann zu überwältigen und aus dem Gebäude zu führen, geradewegs in die Hände der wartenden Kollegen. Alle Geiseln verlassen die Bank unverletzt – ein Happy End!

Doch plötzlich taucht die Geiselnehmerin hinter Murot auf. Sie entreißt dem Kommissar seine Pistole aus dem Holster und erschießt ihren Komplizen kaltblütig. „Warum …?“ – Der Inspektor kommt nicht mehr dazu, seinen Gedanken zu beenden. Ein Schuss in den Kopf beendet sein Leben.

Ein weiterer Tag.

Es ist 7.29 Uhr. Schweißgebadet und schreiend wacht Inspektor Felix Murot aus einem Albtraum auf. Da erklingt der vertraute schrille Ton aus seinem Mobiltelefon – und erneut meldet sich Magda Wächter am anderen Ende. Ein Banküberfall mit Geiselnahme erfordert den Einsatz des LKA. Murot ist verwirrt, ihm kommt diese Situation bekannt vor. Hat er etwa ein Déjà-vu? In diesem Moment drückt der Nachbar auf den Play-Knopf seiner Stereoanlage.

In Anzug gekleidet verlässt Murot schließlich die Wohnung, da läuft ihm die joggende Studentin über den Weg. Erneut stolpert die über ihren Schnürsenkel. Der Wiesbadener Kommissar beginnt, an seinem Verstand zu zweifeln, denn auch die Mutter und ihr Kind sowie die Scheibenputzerin tauchen auf. Bei der Bank hat der Ermittler das unbestimmte Gefühl, schon vorab zu wissen, was als nächstes passieren wird.

Dennoch ist er es wieder, der die Bank im Alleingang betritt. Allerdings kommt Felix Murot in dieser Version des wiederkehrenden Tages nicht weit: Während er beschwichtigend auf die Geiselnehmerin einredet, erschießt ihn deren Komplize kurzerhand von hinten.

Und noch ein Tag.

Ein Schrei. Murot ist wach und hält sich den Hinterkopf. Es ist 7.29 Uhr, das Handy bimmelt. Die dröhnende Musik erschallt wie üblich, die Joggerin läuft an ihrem Nachbarn vorbei: „Ihr Schuh ist auf!“, warnt Felix Murot die junge Frau. Draußen stößt er wiederum mit dem Fünfjährigen zusammen, an der Kreuzung wartet bereits die scheibenwischende Punkerin auf ihn. Dieses Mal lässt er sie gewähren, zu sehr ist Murot jetzt mit der Frage beschäftigt, was zum Teufel hier eigentlich vor sich geht. Das kann doch alles unmöglich wahr sein!

An der Taunusbank nimmt er seine Assistentin Magda zur Seite und zieht sie ins Vertrauen. Die hat Schwierigkeiten, den Erklärungen ihres aufgeregten Chefs zu folgen. Als es die Situation erfordert, geht Murot trotz seiner schlechten Vorahnung alleine in die Bank. Die Sicherheitsweste, die er trägt, kann den tödlichen Schuss aus der Armbrust der Geiselnehmerin Nadja Eschenbach nicht ausreichend abfangen. Der hessische LKA-Beamte verstirbt noch im Gebäude – aber immerhin konnte er sich in dieser Wiederholungsschleife den Namen der Täterin merken … Es ist 7.29 Uhr. Das Handy klingelt.


Erstmals ging der Filmkunstpreis auf dem Festival des deutschen Films in Ludwigshafen an einen Krimi: „Murot und das Murmeltier“, geschrieben und inszeniert von Dietrich Brüggemann, überzeugte die Jury im Jahr 2018. In der Begründung hieß es hierzu unter anderem: „Dietrich Brüggemann hat die Geschichte in voller künstlerischer Freiheit für einen Fernsehfilm adaptiert, in dem der Ermittler Murot Schluss macht mit der endlosen Mordmaschinerie des Kriminalgenres. Er kämpft für ein Ende ohne Tote, ein Tatort to end all Tatorts.” Brüggemann führte bereits sehr erfolgreich die Regie bei dem kammerspielartigen Stuttgarter Tatort „Stau“ (Tatort-Folge 1027) mit Lannert und Bootz, eine Produktion aus 2016.

Gedreht wurde der HR-Tatort „Murot und das Murmeltier“ im Zeitraum vom 3. Mai bis zum 9. Juni 2017 in Frankfurt und Umgebung. Die Premiere vor einem Publikum erlebte der außergewöhnliche Krimi am 30. August auf dem Festival des deutschen Films.

Die Redaktion von Tatort-fans meint …

Sabine (39 J. | Kinoliebhaberin)

Meisterlich. Ein clever inszenierter Zeitschleifenkomödienkrimi mit fantastischer musikalischer Untermalung und einer starken Kamera. Jede Wiederholung bringt neue Aspekte in die Geschichte und trägt zur Lösung des Temporal-Knotens bei. Tatort mit Murot: It’s love at first … second … thirty … sight!

Gerald (39 J. | IT-Nerd)

„Nachtigall, ick hör dir trapsen“, denn kritisiert wird bei Murot immer. Der normale Tatort-Zuschauer ist enttäuscht und Cineasten fehlt das 3Sat Logo. Ich fand ihn super, auch wenn mir am Anfang (wenn auch stylisch gewollt) die nicht enden wollende und etwas zu laute Musik eher vorkam wie ein Tinnitus. Einschalten lohnt sich.

Musik im Tatort

Slayer – „Cult“
James Last – „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“ (Impressionen)
Sonny & Cher – „I got you babe“

Tatort-Besetzung

Hauptkommissar Felix Murot – Ulrich Tukur
Assistentin Magda Wächter – Barbara Philipp
SEK-Beamter Backhaus – Felix Schönfuss
junger Schutzpolizist Dreher – Tom Lass
Schutzpolizist Brendel – Jörg Bundschuh
Schutzpolizistin Schreiner – Monika Anna Wojtyllo
Sanitäter Erik – Sascha Nathan
Geiselnehmer Stefan Gieseking – Christian Ehrich
Geiselnehmerin Nadja Eschenbach – Nadine Dubois
Murots joggende Nachbarin – Katharina Schlothauer
Murots musikliebender Nachbar – Daniel Zillmann
Mutter mit Kind – Anna Brüggemann
Scheibenputzerin – Desiree Klaeukens
Nadjas Nachbar – Jens Wawrczeck
Geisel – Danijel Stanic
u.a.

Tatort-Stab

Drehbuch – Dietrich Brüggemann
Regie – Dietrich Brüggemann
Kamera – Alex Sass
Schnitt – Stefan Blau
Szenenbild – Theresia Anna Ficus
Musik – Dietrich Brüggemann, eingespielt vom HR-Sinfonieorchester

Trailer zur Tatort-Produktion



Bilder-Galerie zum Krimi aus Wiesbaden


3 Meinungen zum Tatort Folge 1084: Murot und das Murmeltier

  • Walter Ulbricht • am 6.2.19 um 8:38 Uhr

    Dieser Dietrich Brüggemann muß wohl ein Universalgenie sein: Drehbuch, Regie und Musikke, alles aus seiner Hand!
    Bin gespannt, ob er an Doldinger und Sustrate herankommt.
    „Dietrich Brüggeman ….. kämpft für ein Ende ohne Tote, ein Tatort to end all Tatorts.”
    Und so soll es such sein. Laßt endlich diese Serie sterben und wiederholt nur noch die Nummern, die man bisher in Magazinen vergammeln läßt.
    Auch die beiden Vorkoster freuen sich:
    Gerald, weil er seinen Tinnitus weg bekommt, bei Sabine löst sich der Temporal-Knoten.
    Und ich hoffe, daß meine Hämorrhoiden dadurch nicht wieder aufgehen.


  • Ullter Wabricht • am 8.2.19 um 10:48 Uhr

    An die Ewiggestrigen wie Herrm Ulbricht
    Lassen Sie doch das Internet mit Ihrem permanenten Auskotzen in Ruhe und erfreuen Sie sich den schönen Dingen des Lebens – in Ihrem Fall vielleicht Kreuzworträtsellösen.


  • woody • am 14.2.19 um 14:51 Uhr

    Slayer im Soundtrack… 5 Sterne.


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