Treffer! Was Tatort und Fußball gemeinsam haben



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Der Tatort ist eine Erfolgsgeschichte im deutschsprachigen Fernsehen. Der Vergleich des Tatorts von Klaus J. Behrendt (Kommissar Ballauf aus Köln) mit dem Fußball ist nicht nur in Bezug auf die Einschaltquoten gerechtfertigt. Natürlich gibt es nicht mehr die 25 Millionen Zuschauer aus den siebziger Jahren, doch standen damals auch nur zwei TV-Sender zur Verfügung. Die heute üblichen neun Millionen Zuschauer des Tatorts werden aber eben nur noch bei wichtigen Fussballspielen überschritten.

Auch das junge Publikum erreicht die Krimireihe wieder, und wie selbstverständlich ist der Tatort am Montagmorgen das Gesprächsthema im Büro. Aber die soziale Bindung geht noch weiter, durch die regionale Vielfalt der Serie bekommt der Zuschauer Einblick in Probleme, die ihn sonst wenig bewegen. Der Darsteller des Kölner Kommissars sah die Parallele zum Fußball bei der Hymne am Anfang und dem Daumendrücker für die Lieblings-Ermittler, aber auch die Personalpolitik des Tatorts erinnert an den Transfermarkt der Fußballspieler. Die Gerüchteküche brodelt, wenn ein neues Ermittlerteam gefunden werden muss. Wenig Punkte oder geringe Quoten führen schnell einmal zum Ausscheiden des Teams. Auch Stars werden geboren und können ihre Karriere international weiter fortsetzen. Zuletzt durfte Sibel Kekilli aus dem Kieler Tatort-Team den Wechsel in die Erfolgsserie Game of Thrones bekannt geben.

Aber der Tatort leistet noch einen viel größeren gesellschaftlichen Nutzen, er schreibt Zeitgeschichte.

Wie die legendären Romane des Ehepaars Sjöwall Walhöö, die in ihrem zehnbändigen Werk um den schwedischen Polizisten Martin Beck, die Endsechziger in Schweden gesellschaftskritisch beschreiben, zeichnet auch der Tatort die Geschichte der Bundesrepublik seit den siebziger Jahren auf. Vom reinen Whodunit, in der es nur um die allmähliche Aufklärung eines Verbrechens geht, ist der Tatort inzwischen komplett abgekehrt. Themen wie Homophobie im Fußball, Sextourismus, Cyberkriminalität, Gewalt gegen Obdachlose oder auch die Flüchtlingskrise sind als sekundäre Handlungen heute bedeutend. Damit werden Themen aufgegriffen, welche die Gesellschaft aktuell bewegen.

Dieses Kriterium legte der 2018 gestorbene Gunther Witte fest, der die Idee für den Tatort im Auftrag des WDR hatte. Sein Auftrag war, für den ARD Verbund ein Gegengewicht zu der erfolgreichen Serie „Der Kommissar“ im ZDF zu entwickeln. Weitere Kriterien waren, dass jede Sendeanstalt einen Krimi aus ihrer Region beisteuert und dass die Ermittler die Hauptrolle spielen sollen.

Der Tatort ist, wie Petra Noppeney schreibt, „ein Abbild Deutschlands – ein Spiegel und Seismograph der Gesellschaft.“


Frank von Saal

Quellen:
Alexandra Therése Gottschalk, Masterarbeit an der Universität Konstanz, 2006, Zeitgeschichte im TATORT, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/122647

Uwe Ebbinghaus: www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/der-tatort-hat-erfolg-und-junge-zuschauer-warum.13783992.html vom 6.9.2015

Petra Noppeney: www.wn.de/welt/kultur/fernsehen/4320900-50-Jahre-Tatort-Das-letzte-grosse-Lagerfeuer vom 29.11.2020

Silvia Tschui: www.blick.ch/people-tv/tv/tatort/50-jahre-krimi-tradition-warum-der-tatort-eigentlich-die-schweiz-ist-id16219047.html vom 2.12.2020


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