Der Tatort aus der Schweiz: Ein ewiges Missverständnis



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Im Frühjahr dieses Jahres dürfen wir uns auf den zweiten Tatort aus Zürich freuen. Nach dem ersten Tatort „Züri brännt“ (Tatort-Folge 1140) mit Anna Pieri Zuercher und Carol Schuler, der im Oktober 2020 erstmals ausgestrahlt wurde, hagelte es die bei Schweizer Produktionen übliche Kritik. Sogar das Schweizer „Tagblatt“ empfahl den Tatort in der ARD anzusehen, weil die Fassung auf Schweizerdeutsch, die zeitgleich im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt wird, die Darsteller „bekloppt“ wirken lässt. Während der Schweizer Tatort früher wenigstens in der Schweiz gefeiert wurde, hat das „Tagblatt“ geurteilt, dass der erste Streifen dadurch nicht gut, aber besser würde.

„Howalds Fall“ (Tatort-Folge 229) war 1990 der erste Tatort aus der Schweiz, Mathias Gnädinger spielte hier einen Kommissar der sowohl Ermittler, als auch Täter war. Zwölf Episoden kam der Tatort aus Bern, bis das Schweizer Fernsehen 2002 aus Kostengründen die Produktion einstellte. Neun Jahre später hat das Schweizer Fernsehen diesen Entscheid korrigiert, man startete mit dem Luzerner Tatort. Stefan Gubser alias Reto Flückiger blieb 17 Folgen lang. Mit einer langen Vorbereitung startete der Tatort aus Zürich.

Schon immer war die Sprache das größte Hindernis für einen verständlichen Tatort aus der Schweiz. Die empirische Kulturwissenschaftlerin an der Universität Zürich, Christine Hämmerling hat in ihrer Dissertation untersucht, weswegen die Tatorte aus der Schweiz beim deutschen Publikum meistens durchfallen. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass es für alle, insbesondere aber auch für die deutschen Zuschauer merkwürdig klingt, wenn die Schauspieler weder Schweizerdeutsch noch Hochdeutsch sprechen. Die Akteure synchronisieren sich zwar selbst, reden aber in einer Kunstsprache, die sie selbst nicht leben. Daneben gibt es die typische Problematik bei der Synchronisation, dass die Bewegung der Lippen nicht immer zum Gesprochenen passt.

Die ARD erwartet von den Schweizer Produzenten Lokalkolorit, gerade bei der Sprache findet man sich aber nicht wirklich. Die Besetzung der beiden Ermittler könnte hier hilfreich sein: Während Kommissarin Carol Schuler (Tessa Ott) ein perfektes Bühnendeutsch spricht, parliert Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) in einem französisch eingefärbten Hochdeutsch.

Anna Pieri Zuercher wuchs im zweisprachigen Biel auf. Zu Hause sprachen die Eltern Italienisch und Französisch. Wie Zuercher gegenüber der „Schweizer Illustrierte“ äußerte, gab es in ihrem Leben nie „eine sprachliche Hemmschwelle oder ein Röstigraben“. Mit letzterem werden die kulturellen und sprachlichen Unterschiede zwischen den deutsch- und französischsprachigen Landesteilen bezeichnet.

Wir können gespannt sein, ob der zweite Tatort-Krimi mit den beiden Ermittlerinnen den Schwung aus der ersten Folge fortsetzt. Diesmal erwartet uns ein Familiendrama am Zürichberg, einem der nobleren Quartiere der größten Schweizer Stadt. Der Mord an einen Schokoladenfabrikanten muss aufgeklärt werden.


Autor: Frank von Saal

Quellen:
https://www.tagblatt.ch/kultur/warum-sie-den-tatort-lieber-in-der-ard-statt-auf-srf-schauen-sollten-ld.1268161/ (Stand vom 17.10.2020, Autorin Julia Stephan)

https://www.srginsider.ch/programmtipps/2020/10/19/kulturplatz-dem-tatort-auf-der-spur/ (Stand vom 19.10.2020)

https://www.schweizer-illustrierte.ch/people/swiss-stars/die-sprache-ist-keine-grenze/ (Stand vom 18.10.2020, Autorin Aurelia Robles)


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