Kunze, Nina Hagen & die Toten Hosen: Musiker im Tatort



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In den Kommentaren zum aktuellen Stuttgart-Tatort „Das ist unser Haus“ (Tatort-Folge 1153) mit den Hauptkommissaren Lannert und Bootz überschlagen sich die positiven Reaktionen zum überraschenden Auftritt von Heinz Rudolf Kunze. In der am 17.01.2021 erstausgestrahlten Tatort-Folge spielt der Künstler Kunze einen unter Pädophilie-Verdacht stehenden abgelehnten WG-Anwärter der Baugemeinschaft „Oase Ostfildern“.

Manch ein Zuschauer hat den älteren und etwas fülligeren Herrn, der zeitweise unter Mordverdacht stand, gar nicht erkannt und war ganz überrascht, dass ein deutscher Musikstar eine so ganz untypische Rolle im erfolgreichsten Serienformat der ARD übernimmt. Doch so selten sind diese Gast- bzw Cameoauftritte aus der Musikbranche beim Tatort nicht.


Schauen wir mal ins Archiv:

Den Anfang machte 1971 die deutsch-dänische Sängerin Gitte Haenning („Ich will ‘nen Cowboy als Mann“) in dem NDR-Tatort „Kressin stoppt den Nordexpress“ (Tatort-Folge 007). Dort spielte sie in einem Kurzauftritt gleich zu Beginn die Freundin des ermittelnden Kommissares. Es folgte 1974 Panikrocker Udo Lindenberg, der in „Kneipenbekanntschaft“ (Tatort-Folge 045) sich selbst spielte.

Apropos „sich selbst spielen“. Die überwiegende Mehrzahl an Musikern, die einen Gastauftritt in einer Tatort-Folge hatten, spielten sich selbst. Die Palette der „Selbstdarsteller“ reicht da einmal quer durch die deutsche Musiklandschaft. Von Schlagersänger Vicco Torriani („Drei Schlingen“ des WDR, 1974, Tatort-Folge 078) über Rockröhre Nina Hagen („Tod im All“ des SWR, 1997, Tatort-Folge 350), Punkband Die Toten Hosen („Voll auf Hass“ des NDR, 1987, Tatort-Folge 198), Popsängerin Sandra („Salü Palu“ des SR, 1988, Tatort-Folge 201) und die Kölner Musikgruppe De Höhner („Plattgemacht“ des WDR, 2009, Tatort-Folge 742) sind fast alle Stilrichtungen vertreten.

Doch manchen musikalischen Stars wurde auch zugetraut, eine eigene kleine Rolle zu übernehmen. So spielte „Pop-Titan“ Dieter Bohlen im Schimanski-Tatort „Molke“ (Tatort-Folge 214) des WDR 1988 den eifersüchtigen Freund einer Zeugin.

Und Bela B. von Die Ärzte verkörperte 2002 in „Totentanz“ (Tatort-Folge 510) vom BR einen bekannten D.J.

Die Toten Hosen wiederum bekamen nach ihrer Premiere 1987 einen legendären zweiten Gastauftritt. In der BR-Folge „Und die Musi spielt dazu“ (Tatort-Folge 300) aus dem Jahre 1994 sind sie als Volksmusikgruppe „Die Ostfriesen-Kapelle“ in zum Schreien komischen Matrosen-Outfit zu sehen.

Ähnlich schräg zu seinem musikalischen Image besetzten die Tatort-Macher die Volksmusiklegende Karl Moik im Jahr 2000. Im Münchner Tatort „Einmal täglich“ (Tatort-Folge 456) durfte Moik sich als Gerichtsmediziner beweisen.

Wesentlich schlechter erging es – zumindest in seiner Rolle – Frank Zander, der in der Münster-Episode „Der Hammer“ (Tatort-Folge 907) mit Thiel und Boerne 2014 einen Zuhälter spielte, der von einem maskierten Täter in Superheldenkostüm erschlagen wird.

Doch nicht nur kleine Rollen wurden von deutschen Musikgrößen besetzt, mancher Star durfte sich auch in tragender Rolle ausprobieren und machte dabei durchweg einen beindruckenden Job.

Kultsänger Rio Reiser spielte im bayerischen Tatort „Im Herzen Eiszeit“ (Tatort-Folge 307) 1995 einen Alt-Linken, der für elf Jahre wegen eines Überfalls auf das Modegeschäft von Rudolf Mooshammer (!) einsaß und in dessen altem Umfeld sich nach seiner Freilassung mehrere Morde ereignen. Obwohl lange von Ivo Batic und Franz Leitmayr verdächtigt, stellt sich am Ende seine Unschuld heraus.

Jeanette Biedermann wiederum übernahm im Bremen-Tatort „Schwelbrand“ (Tatort-Folge 653) 2007 die Rolle der Rocksängerin und Initiatorin eines Rockkonzerts „Gegen Rechts“, deren Assistentin ermordet wird. Doch im Gegensatz zu Rio Reiser stellt sie sich am Ende als Täterin heraus.

Und auch in der mit rund 13 Millionen Zuschauer bei Erstausstrahlung erfolgreichsten Tatort-Folge überhaupt, dem Boerne-und-Thiel-Klassiker „Summ, Summ, Summ“ (Tatort-Folge 867) aus dem Jahr 2013, stand ein bekannter Sänger im Fokus. Roland Kaiser spielte den Schlagerstar Roman König, der in den Fokus der Mordermittlung an einer Journalistin rückt, aber gegen Ende der Folge von der Täterin unter Zuhilfenahme von Bienengift ermordet wird.

Legendär und besonders actionreich ist der Gastauftritt der wohl zurzeit erfolgreichsten deutschen Sängerin Helene Fischer. In der NDR-Folge „Der große Schmerz“ (Tatort-Folge 969) von 2016 ist Fischer als Gegenspielerin von Nick Tschiller (Til Schweiger) eine eiskalte russische Profikillerin in markantem Lederoutfit und mit dunklen Haaren. In einem furiosen Showdown wird sie von Tschillers Kollege Gümer (Fahri Yardim) schließlich erschossen.


Heinz Rudolf Kunze reiht sich also in eine respektable Reihe an Vorgängerinnen und Vorgänger ein und bestätigt mit seiner schauspielerischen Leistung, dass Stars der Musikszene nicht nur zur Popularität des Tatort-Formats beigetragen sondern dabei – teilweise zumindest – auch eine richtig gute Figur abgegeben haben.


Stephan Delles

Quelle: https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/50-jahre/gastauftritte-index100.html (Abruf vom 22.01.2021)


1 Meinung zum Kunze, Nina Hagen & die Toten Hosen: Musiker im Tatort

  • spiderman916 • am 25.1.21 um 15:13 Uhr

    Im Laufe der Jahre sind mir natürlich die Musiker aufgefallen, die dort Gastrollen hatten oder sich selbst spielten. Gut in Erinnerung hatte ich Rio Reiser, natürlich Dieter Bohlen und die Höhner, Heinz Rudolf Kunze hatte ich gar nicht erkannt.

    Insgesamt hatte ich mit so einer hohen Anzahl nicht gerechnet und ich fand nun wirklich gut, das ein so guter Artikel hierzu verfasst wurde, dem man die Auftritte entnehmen konnte. 5 Sterne!


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